Deutsche Industrie Warnung vor schnellem Atomausstieg

Ein kurzfristiger Ausstieg aus der Atomenergie sei falsch, warnt die deutsche Industrie. "Alle Experten wissen, dass wir auf absehbare Zeit die Atomenergie in Deutschland brauchen", sagt zum Beispiel Hans-Peter Keitel, Präsident des BDI. Er steht nicht allein mit dieser Einschätzung.
BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: Mahnt zur Besonnenheit

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: Mahnt zur Besonnenheit

Foto: Franka Bruns/ AP

Berlin - Die deutsche Industrie hat vor einem kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie gewarnt. "Alle Experten wissen, dass wir auf absehbare Zeit die Atomenergie in Deutschland brauchen", sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, am Freitag im Deutschlandfunk.

Zudem müsse darüber gesprochen werden, was an der Stelle der Atomenergie stehen solle. Ähnlich wie Keitel mahnte auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Bundesregierung, ihre Energiepolitik nicht übereilt, sondern mit Bedacht zu überprüfen. Deutschland müsse sich daran orientieren, welche Konsequenzen andere Länder aus dem Atomunglück in Japan zögen, sagte Hundt dem Südwestrundfunk. "Die Energiepolitik der Zukunft stellt für die deutsche Wirtschaft beträchtliche Chancen dar. Wir sollten aber auch berücksichtigen, dass wir unsere Abhängigkeit von anderen Staaten nicht zu weit treiben", sagte Hundt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag im Bundestag erklärt, die Wende hin zu erneuerbaren Energien solle beschleunigt werden. Die Lage nach dem dreimonatigen Moratorium der Laufzeitverlängerung für ältere Atomkraftwerke werde anders sein als vor der Aussetzung. BDI-Präsident Keitel warb angesichts der Zerstörungen in Japan nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami für Investitionen in dem Land.

Bislang habe sich das Augenmerk stark auf den Boommarkt China gerichtet. Nun müsse man aber darüber nachdenken, ob in nächster Zukunft nicht Japan der bessere Standort für Investitionen sei, sagte Keitel. Er fügte hinzu, er habe dem japanischen Botschafter die Hilfe der deutschen Industrie angeboten.

go/rtr
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