Samstag, 21. September 2019

Japan Deutsche Firmen evakuieren Mitarbeiter

Nichts wie weg: Am Tokioter Flughafen versuchen viele Ausländer einen Flug in die Heimat zu ergattern

Mit bangem Blick schauen viele deutsche Firmen nach Japan. Manche haben damit begonnen, ihre Mitarbeiter aus dem Inselstaat auszufliegen. Firmen wie der Maschinenbauer Trumpf, die ihre Produktionsstätten in unmittelbarer Nähe der außer Kontrolle geratenen Atommeiler haben, sorgen sich besonders.

Hannover/München/Berlin - Die Angst bei deutschen Unternehmen um ihre Mitarbeiter in Japan wächst. "Wir beobachten die Entwicklung mit großer Sorge", sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Maschinenbauers Trumpf gegenüber manager magazin mit Blick auf eine drohende Atomkatastrophe. Das Unternehmen betreibt eine Produktionsstätte für Automatisierungskomponenten in Fukushima, etwa 80 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt.

Trumpf beschäftigt in Nordjapan an zwei Standorten 130 Mitarbeiter, davon 30 in Fukushima. Die deutschen Mitarbeiter und ihre Familien - zusammen etwa 20 Personen - habe das Unternehmen bereits ausgeflogen. An dem Firmengebäude in Fukushima sei durch das Erdbeben ein Sachschaden entstanden.

Fast alle deutschen Firmen, die Mitarbeiter in Japan beschäftigen, reagieren auf die Erdbebenkatastrophe. Die meisten sehen nach den dramatischen Ereignissen in Japan ihre dortigen Beschäftigten allerdings derzeit außer Gefahr. Das gilt für Daimler Börsen-Chart zeigen ebenso wie für Siemens Börsen-Chart zeigen, Bosch oder Bayer Börsen-Chart zeigen. Viele haben Krisenstäbe eingerichtet.

Der baden-württembergische Hersteller von Hochdruckreinigern, Kärcher, musste seine Aktivitäten in Japan vorübergehend einstellen. "Unsere Zentrale ist nicht funktionsfähig", sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager magazin. Zu schaffen machen den 200 Beschäftigten Probleme mit der Telefonanlage und dem Zugang zu den firmeneigenen Datennetzen.

Das Gebäude in der vom Tsunami besonders heftig getroffenen Hafenstadt Sendai sei allerdings nicht komplett zerstört. Kein Mitarbeiter werde vermisst. Dem Sprecher zufolge überlegt das Unternehmen bereits, wie es mit seinen ebenfalls zur Produktpalette gehörenden Trinkwasseraufbereitungsanlagen helfen könne.

Die deutschen Großkonzerne blieben von Zerstörungen weitgehend verschont. Daimler hat wegen der Erdbebenkatastrophe die Produktion seines japanischen Nutzfahrzeuggeschäfts gestoppt. Auch die Verwaltung bei der japanischen Tochter Mitsubishi Fuso bleibe aus Sicherheitsgründen in dieser Woche geschlossen, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Stuttgart. Unter den 12.836 Mitarbeiter gebe es nach bisherigem Kenntnisstand keine Verletzten. Ein Großteil der Angehörigen deutscher Mitarbeiter sowie Dienstreisende seien schon auf dem Rückweg.

Beim weltgrößten Autozulieferer Bosch sind wegen der äußerst unsicheren Lage die ersten 200 Mitarbeiter und deren Angehörige aus Japan ausgeflogen worden. Der Stuttgarter Konzern hat 36 Standorte mit rund 8000 Beschäftigten in Japan. Neben Werken für die Fertigung gibt es auch Entwicklungs- und Vertriebsstandorte.

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