Samstag, 20. Juli 2019

Russische Arktis BP und Rosneft vereinbaren Kooperation

BP-Chef Bob Dudley (v.l.), Rosneft-Boss Eduard Chudainatow: Mega-Deal am Nordpol

Der britische Energiekonzern BP hat sich durch eine Allianz mit dem russischen Konkurrenten Rosneft Zugriff auf Fördermöglichkeiten in der Arktis gesichert. In den USA, aber auch bei Umweltschützern stieß der Milliardendeal auf Kritik.

London - Der britische Ölkonzern BP greift nach der russischen Arktis. Durch eine Allianz mit dem staatlichen Energiegiganten Rosneft Börsen-Chart zeigen kann BP künftig in der Karasee nördlich von Russland Öl und Gas fördern. Beide Unternehmen haben eine Vereinbarung darüber unterzeichnet, der zufolge sie jenes Gebiet auf dem russischen Teil der arktischen Kontinentalplatte erkunden und ausbeuten, für das Rosneft im Oktober 2010 Förderlizenzen erhalten hat.

Das Areal liegt in der südlichen Karasee und ist etwa 125.000 Quadratkilometer groß. In der Gegend werden fünf Milliarden Tonnen Rohöl und 3000 Milliarden Kubikmeter Gas vermutet.

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin hat die Übereinkunft am Freitag in Moskau offiziell bekanntgegeben. Kurz darauf wurde das Abkommen von BP-Chef Bob Dudley und dem Rosneft-Vorsitzenden Eduard Chudainatow bei einer Pressekonferenz in London unterzeichnet. Dudley hatte am Freitag in Moskau auch Putin getroffen.

Bei der nun besiegelten Überkreuzbeteiligung soll Rosneft fünf Prozent der Stammaktien von BP erhalten, der britische Energieriese etwa 9,5 Prozent der Aktien von Rosneft, wie die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Die Aktienpakete sind demnach jeweils rund 7,8 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) wert. Beide Unternehmen stocken ihre jeweiligen Anteile am anderen Konzern mit der Vereinbarung auf.

"Nichts gelernt"

Chudainatow sprach von einem "einzigartigen Projekt". BP-Chef Dudley wiederum würdigte es als "historisches" Geschäft. Die britische Regierung begrüßte die Übereinkunft als "gute Nachricht" für die Energiesicherheit.

Der Konzern BP, der wegen der riesigen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mit Kosten in Höhe von 40 Milliarden Dollar rechnen muss, ist auch an dem drittgrößten russischen Ölproduzenten TNK-BP beteiligt. Dort hält das britische Unternehmen die Hälfte der Anteile. Dudley war fünf Jahre lang Chef des Gemeinschaftsunternehmens, bevor er nach einem Streit zwischen BP und den russischen Aktionären im Jahr 2008 das Land verlassen musste.

BP wurde im vergangenen Jahr wegen der enormen Folgekosten für die Ölpest immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt. Zur Begleichung der Schadensersatzforderungen musste sich BP bereits von Unternehmensteilen trennen.

In den USA stieß der Milliardendeal auf Ablehnung. Der demokratische US-Abgeordnete Edward Markey, einer der lautstärksten BP-Kritiker in Washington, forderte eine sofortige Überprüfung der Transaktion durch US-Behörden. Diese sollten herausfinden, ob der Deal die nationale oder wirtschaftliche Sicherheit der USA beeinträchtigt. BP war 2009 der wichtigste Öllieferant des US-Militärs.

Die US-Regierung hat den britischen Energiekonzern vor kurzem verklagt und fordert Schadensersatz für die schlimmste Ölkatastrophe in der US-Geschichte. Die Forderung könnte bis zu 21 Milliarden Dollar betragen. Auslöser der Katastrophe waren die Explosion und der anschließende Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im April.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die neue Allianz mit Rosneft und die geplanten Bohrungen in der Arktis: "Es scheint, das Unternehmen hat im vergangenen Jahr im Golf von Mexiko nichts gelernt", sagte ein Vertreter der Organisation.

hda/mak/afp/rtr

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