Preismanipulation Freispruch für Stromkonzerne

Das Bundeskartellamt hat den Verdacht zurückgewiesen, dass Deutschlands Energieriesen gezielt Strommengen zu bestimmten Zeiten zurückhalten würden, um den Stromgroßhandelspreis in die Höhe zu treiben. Kritik müssen die Stromkonzerne dennoch einstecken.
Stromerzeugung in Lingen: Kartellamt springt Stromkonzernen bei

Stromerzeugung in Lingen: Kartellamt springt Stromkonzernen bei

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Bonn - Das Bundeskartellamt hat die vielfachen Versicherungen der deutschen Stromkonzerne bestätigt, den Strompreis hierzulande durch den gezielten Einsatz eigener Kraftwerke nicht zu manipulieren. Dazu war das Kartellamt der Frage nachgegangen, ob die Konzerne zu Zeiten mit besonders hoher Nachfrage gezielt Strom zurückhalten, um die Preise im Großhandel - die letztlich auch die Preise für die Endverbraucher bestimmen - in die Höhe zu treiben. Dafür aber habe es keine Belege gegeben.

"Eine systematische und gravierende Zurückhaltung von Erzeugungskapazitäten ließ sich auf der Grundlage der untersuchten Daten zur Kraftwerkseinsatzsteuerung und zur Kostensituation der einzelnen Kraftwerke nicht nachweisen", teilte die Aufsichtsbehörde am Donnerstag in Bonn mit.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, betonte, die Analyse des Marktgeschehens habe jedoch gezeigt, dass die Energiekonzerne den Anreiz und die Möglichkeit hätten, den Strompreis erheblich zu beeinflussen. Es scheine daher für die Zukunft geboten, das Angebotsverhalten an der Strombörse und die Kraftwerkseinsatzsteuerung einer effektiven Aufsicht durch die Wettbewerbsbehörden zu unterstellen.

Das Bundeskartellamt hat dennoch aber die Marktmacht der vier großen deutschen Energiekonzerne erneut kritisiert. Eine sogenannte Sektoruntersuchung habe gezeigt, dass RWE, Eon, Vattenfall und gegebenenfalls auch EnBW "jeweils individuell über eine marktbeherrschende Stellung verfügen", erklärte der Chef der Wettbewerbsbehörde, Andreas Mundt, am Donnerstag in Bonn. Diese Unternehmen seien jedes für sich zu bestimmten Zeiten "für die Deckung der Stromnachfrage in Deutschland unverzichtbar" gewesen.

kst/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.