Samstag, 7. Dezember 2019

Untersuchungsbericht zu BP-Desaster "Ölkatastrophe könnte sich wiederholen"

Katastrophe im Golf von Mexiko: Die USA erlebten aufgrund verantwortungsloser Manager die schlimmste Ölpest ihrer Geschichte - so das Ergebnis des offiziellen Untersuchungsberichts
DPA/ US Coast Guard
Katastrophe im Golf von Mexiko: Die USA erlebten aufgrund verantwortungsloser Manager die schlimmste Ölpest ihrer Geschichte - so das Ergebnis des offiziellen Untersuchungsberichts

Schwere Managementfehler haben nach Ansicht der offiziellen Untersuchungskommission die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko verursacht. Sicherheit habe für die Verantwortlichen der am Desaster beteiligten Firmen BP, Halliburton und Transocean keine Priorität gehabt.

Washington - Die Untersuchungskommission zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat den verantwortlichen Unternehmen schweres Versagen vorgeworfen. Die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 sei "das Ergebnis verschiedener individueller Fehltritte und Versehen durch BP, Halliburton und Transocean", heißt es im Abschlussbericht der Kommission, der am Donnerstag in Auszügen veröffentlicht wurde.

Viele der von den beteiligten Unternehmen getroffenen Entscheidungen hätten, "ob beabsichtigt oder nicht", den Firmen bedeutende Zeit- und Kostenvorteile verschafft, heißt es in dem Bericht des von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Gremiums. Die Ölkatastrophe, bei der elf Arbeiter starben, sei durch fehlerhaftes Handeln verursacht worden. 780 Millionen Liter Rohöl flossen ins Meer.

Ohne grundlegende Reformen des Systems könne sich ein solcher Vorfall wiederholen, warnte die Kommission. Die Behörden seien aufgrund fehlender Autorität sowie wegen des Fehlens der nötigen Mittel und der technischen Expertise nicht in der Lage gewesen, die Katastrophe zu verhindern.

Der Ko-Vorsitzende der Kommission, Floridas Ex-Senator Bob Graham sagte, die Untersuchung habe gezeigt, dass die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre. "Diese Katastrophe wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die verantwortlichen Unternehmen von dem eindeutigen Bekenntnis zu 'Sicherheit geht vor' geleitet worden wären", sagte Graham. "Und es wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die zuständigen Regierungsstellen die Fähigkeit und den Willen gehabt hätten, Weltklassesicherheitsstandars einzufordern."

Dem Untersuchungsbericht zufolge sorgte eine Serie von "verschiedenen Risikofaktoren, Versehen und klaren Fehlern" dafür, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr griffen. "Doch die meisten der Fehler und Versehen sind auf eines zurückzuführen: einen Fehler im Management", schlussfolgert die Kommission.

Notwendige Tests einfach nicht vorgenommen

"Ein besseres Management bei BP, Halliburton und Transocean hätte mit ziemlicher Sicherheit die Explosion verhindert, indem die beteiligten Individuen besser ausgebildet gewesen wären, Risiken zu erkennen und richtig einzuschätzen, sie zu kommunizieren und darauf zu reagieren."

Der britische Ölkonzern BP war der Betreiber der zum Konzern Transocean gehörenden Ölplattform. Halliburton hat zugegeben, einen notwendigen Test der Zementeinfassung des Bohrlochs nicht vorgenommen zu haben. Das Unternehmen machte allerdings BP verantwortlich, die nötigen Tests nicht veranlasst zu haben.

Nach der Explosion konnte das Leck am Bohrloch in der Tiefe des Ozeans erst drei Monate später geschlossen werden. In dem Zeitraum strömten gut fünf Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko. Die US-Regierung hat BP auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt.

Der BP-Konzern erklärte zu den Schlussfolgerungen der Kommission, es habe sich herausgestellt, dass die Katastrophe durch viele Ursachen ausgelöst worden sei und dass verschiedene Unternehmen beteiligt gewesen seien. BP arbeite eng mit den Regulierungsbehörden und den anderen Verantwortlichen des Sektors zusammen, damit "die Lehren aus der Ölpest" zu einer Verbesserung der Ausführung von Tiefseebohrungen führten.

nis/afp/dpa

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