Freitag, 6. Dezember 2019

Erneuerbare Energien Kommission düpiert Kanzlerin

Schwarz-Gelb möchte die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern, als Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien. Das ist jedoch offenbar unnötig, wie eine Regierungskommission nun betont. Ihr Bericht kommt für die Regierung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Hamburg - Ein ranghohes Beratergremium hat der Energiepolitik der Bundesregierung mit der geplanten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) erklärte am Mittwoch in Berlin, Deutschland könne auch ohne Laufzeitverlängerung im Jahr 2050 zu hundert Prozent klimaschonend mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden.

Statt Atommeilern: Das Nebeneinander von Erneuerbaren und Atom ist laut Regierungskommission ineffizient
Ole Christiansen/E.ON
Statt Atommeilern:
Das Nebeneinander von Erneuerbaren und Atom ist laut Regierungskommission ineffizient
Die SRU-Experten stellten im Umweltausschuss des Bundestags Szenarien für eine regenerative Stromversorgung vor. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Martin Faulstich, erklärte, eine Laufzeitverlängerung sei unnötig, um Deutschland bis 2050 komplett mit Strom aus umweltfreundlichen Quellen wie Wind und Sonne zu versorgen. Der SRU-Energieexperte Olav Hohmeyer erteilte besonders dem Vorhaben der Bundesregierung aus Union und FDP eine Absage, die AKW-Laufzeiten als "Brücke" in das Zeitalter der erneuerbaren Energien zu verlängern. Für die Übergangszeit seien weder Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke noch neue Kohlekraftwerke erforderlich.

Laut SRU ist die komplette Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen bis 2050 zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich. Die Experten stützen ihre Szenarien auf Modellberechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sie gehen davon aus, dass in Europa das nutzbare Potential an erneuerbaren Energien "den heutigen und auch den zukünftigen Strombedarf um ein Vielfaches" übersteigt. Da jedoch das Angebot von Wind- und Sonnenenergie erheblich schwanke, müssten zur Deckung der Nachfrage Speicher und Netze ausgebaut werden.

Die Sachverständigen erwarten zudem, dass bei einer Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Quellen die Kosten für die Verbraucher sinken. Dafür müsse die Politik auf "stringente Effizienz und Einsparung sowie einen europäischen Verbund" setzen. Der SRU berät die Bundesregierung seit 1971 in der Umweltpolitik.

Der Ausbau erneuerbarer Energien übertrifft alle Prognosen und Kernkraftwerke werden schon jetzt zum Teil ihren Strom nicht mehr los. Auch im Zusammenhang mit zukünftigen Kosten und den Schwankungen im Netz warnten die Experten vor deutlich längeren AKW-Laufzeiten: "Die konventionellen Kraftwerke sind auf Dauer nicht mit der erneuerbaren Stromerzeugung vereinbar, da ihre Leistung nicht schnell genug an die Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie angepasst werden kann." Ein dauerhaftes Nebeneinander von herkömmlicher und wachsender erneuerbarer Stromerzeugung "würde das System ineffizient und unnötig teuer machen". Die Experten riefen dazu auf, die "anstehende Erneuerung des Kraftwerkparks in Deutschland" für die Umstellung auf erneuerbare Energien zu nutzen.

Opposition fordert Änderung der Energiepolitik

Die Einlassungen des Sachverständigenrats seien "eine deutliche Klatsche für Schwarz-Gelb", erklärte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Die Experten hätten klar gemacht, dass der "Atomkurs" der Regierung jeglicher Grundlage entbehre. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, warf der Bundesregierung vor, sich von Lobbyisten der Energiekonzerne unter Druck setzen zu lassen.

Der FDP-Obmann im Umweltausschuss, Horst Meierhofer, reagierte indes befremdet auf die Äußerungen der Sachverständigen. Es sei merkwürdig, dass wenige Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eine Studie öffentlich gemacht werde, die noch gar nicht fertig sei und deren Ergebnisse von anderen Experten angezweifelt würden.

manager magazin mit Material von afp

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