Mittwoch, 29. Januar 2020

Solarförderung "Alle haben die Kürzungen kommen sehen"

Stuart Brannigan tröstet die deutsche Solarbranche: Die angekündigten Förderkürzungen würden ihr nicht den Garaus machen. Der Europa-Chef des chinesischen Solarriesen Yingli hat allerdings gut reden. Mit Discountpreisen und einer guten Weltmarktstellung dürfte sein Konzern von den Einschnitten profitieren.

mm: Der wichtigste Grund für Ihren Erfolg in Deutschland kommt Ihnen gerade abhanden. Die Fraktionen der Regierungskoalition haben diese Woche beschlossen, die Förderung für Solaranlagen, wie sie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorsieht, drastisch zusammenzustreichen. Noch diesen Sommer wird die Neuregelung die Branche mit Wucht treffen. Was machen Sie dann?

Der Brite Stuart Brannigan managt seit 2007 das Europa-Geschäft von Yingli. Davor arbeitete er für das deutsche Systemhaus Phoenix Solar. Bei BP Solar, wo er von 1990 bis 2005 arbeitete, war er unter anderem für die Versorgung mit Silizium und Wafern verantwortlich sowie für die Kapitalausstattung.
Brannigan: Beginnen wir mal so: Dass die Förderung im Laufe der Zeit schrumpft, ist absolut notwendig.

mm: Das von Ihnen! Wieso?

Brannigan: Das liegt an der ganzen Konzeption des EEG, mit dem Deutschland die stolze Leistung gelungen ist, fast im Alleingang aus den bescheidenen Anfängen der Fotovoltaik ein weltweites, riesiges Geschäft wachsen zu lassen - nicht umsonst wird es so oft kopiert. Das EEG nämlich zwingt die gesamte Branche, sich auf Förderkürzungen einzustellen. Von Anfang an gab es recht hohe Subventionen, aber immer mit der Aussicht darauf, dass sie nach und nach verschwinden würden. Für die Unternehmer setzt das eine Art Ultimatum: Sie müssen schnellstmöglich so gut im Geschäft sein, dass sie auch ohne Subvention auskommen. Und ich kann Ihnen versprechen: Egal, welchen Manager Sie fragen, es wird jedem lieber sein, auf eigenen Beinen zu stehen, als lange am Subventionstropf zu hängen.

mm: Die Nachfrage in Deutschland wird dies nachhaltig dämpfen.

Brannigan: Das ist wohl so. Dennoch ist das Konzept als Ganzes richtig. Alle haben doch gewusst, dass es so kommen würde und hatten Zeit, sich darauf vorzubereiten.

mm: Die meisten Branchenvertreter in Deutschland dürften Ihnen im Prinzip zustimmen. Die Fertigung ist effizienter als noch vor Jahren, die Rohstoffpreise sind gefallen. Was den Schritt problematisch macht: Es ist die zweite Fördersenkung binnen einem halben Jahr, erst um 15, dann um 16 Prozent. Die Branche ächzt unter dem strammen Tempo der Kürzungen und fürchtet um Arbeitsplätze. Mit diesem Kahlschlag war wohl nicht zu rechnen.

Brannigan: Das möchte ich nicht kommentieren, solange die Kürzungen nicht Gesetz sind, denn so lange kennen wir ihr Ausmaß nicht sicher. Was wir aber wissen, ist, dass die betroffenen großen Freiflächenanlagen nur rund 20 Prozent des deutschen Marktes ausmachen. Und wir wissen auch, dass hier, in Ihrer europäischen Nachbarschaft, andere Länder starke Fotovoltaikmärkte entwickeln, auf denen erneut mit Wachstum zu rechnen ist: Italien, Frankreich, Spanien, Tschechien - sogar in Großbritannien gibt es derweil einen Fotovoltaikmarkt! Ich glaube deshalb nicht, dass dies das Ende der deutschen Solarindustrie bedeutet

mm: Warum weicht die Wahrnehmung so stark davon ab?

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