Ölstreit Moskau dreht Weißrussen den Hahn zu

Alle Jahre wieder: Auch dieses Neujahr hat Russland die Lieferung von Energieträgern nach Westen gestoppt. Diesmal geht es um Öl für Weißrussland. Den Angaben zufolge sind die Exporte nach Westeuropa nicht betroffen. Deutschland ist abhängiger denn je von russischen Lieferungen - die zunehmend in Richtung Asien gehen.

Moskau - Russland hat im Streit um Ölpreise und Transitgebühren Händlern zufolge seine Öllieferungen an Weißrussland unterbrochen. Die Weiterleitung von russischem Öl nach Deutschland und Polen sei jedoch nicht beeinträchtigt, sagten zwei Händler von russischen Ölproduzenten am Sonntag. Seit dem 1. Januar werde kein Öl mehr an weißrussische Raffinerien weitergeleitet. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko werde sich am Montag in die Verhandlungen einschalten. Die weißrussischen Raffinerien Naftan und Mosyr hätten genügend Ölvorräte, um die Verarbeitung für eine Woche fortzusetzen.

Weißrussland bezieht täglich rund 400.000 Fass russisches Öl und exportiert einen Großteil der Verarbeitungsprodukte in den Westen. Weißrussland hat eine Erhöhung der Transitgebühren für russisches Öl um das Zehnfache auf 45 Dollar pro Tonne angedroht. Zuvor hatte Russland von dem Nachbarland gefordert, die vollen Exportzölle auf den Teil der Öllieferungen zu zahlen, deren Raffinierieprodukte nicht in Weißrussland verbraucht, sondern exportiert werden.

Russland verteidigt den Schritt damit, dass es die ehemals zur Sowjetunion gehörenden Nachbarländer nicht länger subventionieren wolle und stattdessen Marktpreise verlange. Europäische Politiker haben dagegen in der Vergangenheit Russland vorgeworfen, Energielieferungen zur Gängelung von Nachbarstaaten einzusetzen.

Der Streit weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Konflikt Anfang 2007, als Einschränkungen der russischen Erdöllieferungen durch die über Weißrussland verlaufende Druschba-Pipeline die Versorgung in Polen und Deutschland erheblich beeinträchtigt hatten. Über diese Leitung bezieht Deutschland rund 15 Prozent und Polen mehr als drei Viertel seines Ölbedarfs. Auch die Erdgasleitungen nach Weißrussland und in die Ukraine wurden im Streit um Preise und Lieferungen in den vergangenen Jahren wiederholt blockiert.

Deutschland bezieht inzwischen mehr als jeden dritten Liter Öl aus Russland. Der Anteil des Öls aus dem Riesenreich an deutschen Rohölimporten sei mit 35 Prozent so hoch wie nie, berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL unter Berufung auf den Mineralölwirtschaftsverband. Die Importe aus Russland stiegen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres um 2,9 Prozent. Dagegen sanken die Einfuhren aus Opec-Ländern um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dem Bericht zufolge nahmen die Lieferungen aus der Nordsee weiter ab: Sie reduzierten sich um 19 Prozent, auch weil die lokalen Reserven aufgrund des Alters der Ölfelder gesunken seien.

Nach russischen Presseberichten nehmen auch in Westrussland die Fördermengen aufgrund der fast ausgebeuteten Öl-Vorkommen langsam ab. Dies könne aber nach Angaben des Energieministeriums mit Rohstoff aus dem ressourcenreichen Sibirien wettgemacht werden, berichteten Medien am Samstag. Einer Hochrechnung zufolge habe die Ölförderung des Landes 2009 ein Rekordhoch erreicht, hieß es. Demnach seien im vergangenen Jahr schätzungsweise 9,93 Millionen Fass (je 159 Liter) pro Tag im Vergleich zu 9,78 Millionen in 2008 erreicht worden. Russland gilt als weltgrößter Ölproduzent vor Saudi-Arabien.

Mit seinen ostsibirischen Vorräten wendet sich das Land zunehmend dem asiatischen Markt zu. Ministerpräsident Wladimir Putin drückte Ende Dezember den Startknopf für eine neue, zwölf Milliarden Dollar teure Pipeline namens East Siberian-Pacific Ocean (ESPO), die in den Pazifikhafen Kosmino führt. Ab 2012 soll ein Nebenzweig der Leitung sibirisches Öl direkt nach China leiten.

manager magazin mit Material von reuters und dpa-afx

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.