Mittwoch, 13. November 2019

Klimagipfel-Reaktionen "Wer, wenn nicht die?"

Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist grandios gescheitert - darüber sind sich zumindest Opposition, Umweltverbände und Wissenschaftler einig. Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen verteidigt die Ergebnisse des Gipfels: Kopenhagen sei nur ein erster Schritt - "nicht mehr, aber auch nicht weniger".

Berlin/Peking/Bremerhaven - Angesichts heftiger Kritik von Opposition und Umweltschutzverbänden hat Bundeskanzlerin Angela Merkel davor gewarnt, die Ergebnisse des Weltklimagipfels von Kopenhagen schlecht zu reden. "Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger", sagte Merkel der "Bild am Sonntag". Wer Kopenhagen jetzt nur schlecht rede, beteilige sich am Geschäft derer, die bremsen statt voranzugehen.

Bundeskanzlerin Merkel auf dem Klimagipfel: ""Auf Kopenhagen muss jetzt aufgebaut werden"
Zugleich verwies Merkel auf die besondere Verantwortung Deutschlands für den nächsten Schritt beim globalen Klimaschutz. "Auf Kopenhagen muss jetzt aufgebaut werden. Das wird Deutschland auf der Konferenz Mitte des Jahres in Bonn tun", erklärte die Kanzlerin.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte Merkel am Samstag eine Mitschuld am Misslingen der Klimakonferenz gegeben. "Es ist eine Schande, wie die Staats- und Regierungschefs die Zukunft ihrer eigenen Kinder und Enkelkinder aufs Spiel setzen", sagte Gabriel.

In der "Bild am Sonntag" forderte Gabriel zudem die Bundesregierung und die Europäische Union auf, trotzdem an ihren ehrgeizigen Kohlendioxid-Einsparungszielen festzuhalten. "Die Europäische Union muss bei ihrem Versprechen bleiben, die Kohlendioxid-Emissionen um 30 Prozent zu senken - auch nach dem Scheitern von Kopenhagen. Nur so kann die EU verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und möglichst schnell glaubwürdig einen neuen Anlauf für ein verbindliches Abkommen unternehmen."

Zugleich warnte Gabriel die schwarz-gelbe Koalition davor, den Klimaschutz zu vernachlässigen: "Die Kanzlerin muss diejenigen in Union und FDP in die Schranken weisen, die wie Rüttgers und Brüderle Kopenhagen als billigen Vorwand nehmen wollen, um aus dem Klimaschutz auszusteigen."

Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem "Gipfel der Verantwortungslosigkeit und der Zukunfts-Blindheit". "Viele Menschen werden sich fragen: Wer, wenn nicht die?", sagte Roth mit Blick auf die fast im Chaos zu Ende gegangene Konferenz, an deren Ende nicht einmal ein politisch bindendes Klimaabkommen stand. "Ich bin unglaublich wütend", so Roth. "Es ist eine Tragödie politischen Versagens, so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Der Glamour der einstigen "Klima-Queen" Angela Merkel sei verblasst, sagte Roth. Die Kanzlerin habe zu wenig für einen Gipfel- Erfolg getan. "Sie hat Minimalangebote gemacht, die sich als Flop erwiesen haben. Sie hat Deutschland nicht in einer Vorreiterrolle repräsentiert, sondern sie hat diese Rolle kläglich verspielt."

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