Montag, 14. Oktober 2019

Klimaschutz "30 Milliarden Euro sollten drin sein"

Matthias Machnig kann sich nicht vorstellen, dass die grüne Wende in Politik und Wirtschaft am Geld scheitert. Deutschland sieht der thüringische Wirtschaftsminister und frühere Umweltstaatssekretär schon jetzt gut vorbereitet. Nur eins könnte all das zunichte machen: Das mögliche Aus für den Atomausstieg.

mm: Herr Machnig, zu Zeiten der Großen Koalition waren Sie Staatssekretär im Bundesumweltministerium, jetzt sind Sie Wirtschaftsminister in Thüringen. Sehen Sie die deutsche Industrie gerüstet für die Herausforderungen, die nach dem Klimagipfel von Kopenhagen auf sie zukommen werden?

Matthias Machnig, 49, ist seit Anfang November Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie des Landes Thüringen. Zuvor war der Soziologe SPD-Bundesgeschäftsführer, Staatssekretär im Bundesverkehrs- und zuletzt im -umweltministerium sowie Unternehmensberater, unter anderem für Booz Allen Hamilton.
Machnig: Ja, eindeutig. Die deutsche Industrie ist hervorragend aufgestellt für den erforderlichen Wandel, für einen Umbau in Richtung klimaschonendes Wirtschaften. Dies trifft übrigens auch für andere Wirtschaftszweige zu.

mm: Was macht Sie da so sicher?

Machnig: Die schwarz-rote Bundesregierung hat im Frühjahr 2007 und danach noch mal im Dezember 2008 die klimapolitischen Rahmenbedingungen vorgegeben und die Aufgaben klar benannt - um jene Ziele zu erreichen, die uns die Wissenschaftler vorgeben für den Erhalt unserer globalen Zivilisation. Also die Erhöhung der Weltdurchschnittstemperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Das ist nur zu erzielen, wenn wir die Kohlenstoffemissionen bis zum Jahr 2020 um bis zu 40 Prozent reduzieren. Die aktuelle Bundesregierung hat diese Position weitgehend übernommen. Und ich habe den Eindruck, als ob die deutsche Wirtschaft bereits kräftig daran arbeitet, diese Vorgabe umzusetzen.

mm: Dieser Umbau der deutschen Wirtschaft, von dem Sie sprechen, kostet doch eine Menge Geld: Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte exklusiv für manager magazin kalkuliert 310 Milliarden Euro für fällige Investitionen in Forschung und Entwicklung für neue Produkte, neue Produktionsanlagen, neues Marketing. Können die Unternehmen diese Summen aufbringen?

Mehr zum Thema in

manager magazin
Heft 12/2009

Klimaschutz
Zum UN-Gipfel in Kopenhagen hat mm die Umweltkosten für die deutsche Wirtschaft kalkulieren lassen. Ergebnis: Es wird teuer - aber meist lohnt es sich. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 12/2009 ab Seite 90.

Machnig: Ich halte es für falsch, die zentralen Fragen nach der Zukunft unserer Wirtschaft und dem Fortbestand unserer Zivilisation immer nur von der Kostenseite her zu betrachten. Ich sehe diesen Umbauprozess umgekehrt von seinem Nutzen: Er wird die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft in den nächsten Jahren deutlich stärken. Im Übrigen bestätigt eine Vielzahl von Studien, angefertigt von akademischen Think Tanks wie von kommerziellen Unternehmens- und Strategieberatern, dass die deutsche Wirtschaft diese Kosten aufbringen und die gesetzten Klima-Ziele erreichen wird.

mm: Wie aber lässt sich der Nutzen für die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft umsetzen?

Machnig: Der Wandel hin zu einem klimaschonenden Wirtschaften erzeugt einen Innovationsdruck. Denn zugleich entwickelt sich eine enorme Nachfrage: nach neuen Technologien, Maschinen, einer neuen Logistik und vieles mehr. Daraus entsteht ein neues industrielles Leitsegment: das, was wir Greentech nennen.

mm: Sehen Sie denn genügend Innovationsbereitschaft bei den deutschen Unternehmen?

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