Klimaschutz Der 300-Milliarden-Euro-Schock

Der Klimaschutz wird für Deutschlands Wirtschaft teuer. Exklusiv für manager magazin hat die Prüfungs- und Beratungsfirma Deloitte berechnet, dass die Unternehmen mehr als 300 Milliarden Euro investieren müssen, um die Versprechen der Bundesregierung beim Klimagipfel in Kopenhagen zu erfüllen.

Es gilt als ausgemacht, dass Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen verbindlich zusagen wird, dass Deutschland seine Emissionen von Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 verringern wird. Das anspruchsvolle Vorhaben fordert von der Wirtschaft gewaltige Anstrengungen - einen radikalen Strukturwandel.

In diesen ökologischen Umbau müssen die deutschen Unternehmen in den kommenden elf Jahren die Summe von 310 Milliarden Euro investieren, ermittelte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte für manager magazin.

Wie die Firmen diese gewaltige Herausforderung bewältigen können, untersuchte das Beraterteam für die fünf wichtigsten Branchen. Für Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr und Logistik, Gebäudewirtschaft sowie für Handel, Gewerbe und Dienstleiter Service berechneten sie, welche Anstrengungen die Firmen im Vergleich zu ihren bisherigen Bemühungen um die Verringerung von CO2-Emissionen unternehmen müssen.

Die höchsten Investitionen muss die Gebäudewirtschaft stemmen. Hauptsächlich für die energetischen Sanierung des Bestands muss sie 150 Milliarden Euro ausgeben. Um die Vorgaben der Bundesregierung zu erfüllen, müssen die Immobilienfirmen ihre Klimaschutz-Anstrengungen um das 1,3-fache steigern, nämlich von einer Reduktion um 2,4 Prozent auf 3 Prozent pro Jahr. Eine besonders große Herausforderung für die Branche, die wie kaum eine andere auf Fremdfinanzierungen angewiesen ist und deshalb unter der aktuellen Finanzklemme besonders stark leidet.

Schon heute klagt etwa ein Drittel der Unternehmen aus der Gebäudewirtschaft über massive Probleme bei der Finanzierung. Zudem stecken die Vermieter im sogenannten Investor-Nutzer-Dilemma. Den Nutzen von Investitionen in Dämmung, bessere Heizungen und Fenster haben dank geringerer Nebenkosten die Mieter. Die Kosten dürfen die Vermieter aber nur in sehr eingeschränktem Maß auf die Miete überwälzen.

Die größten Anstrengungen, seine CO2-Emissionen zu verringern, muss allerdings der Verkehrssektor unternehmen. Er muß seine Bemühungen um das Vierfache steigern. Dafür sind Investitionen in Höhe von 67 Milliarden Euro notwendig. Vor allem geht es darum, den Autoverkehr zu verringern. Denn weniger gefahrene Kilometer bedeuten automatisch weniger CO2-Ausstoß. Deshalb steht der Ausbau der öffentlichen Verkehrs im Vordergrund der Bemühungen. Von der Autoindustrie sind leichtere und sparsamere Fahrzeuge gefordert, sowie der Einsatz von Elektroantrieben oder Biotreibstoffen. Doch um mit dem Klimaschutz wirklich ernst zu machen, müssen die Automobilhersteller völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln - eine Herausforderung, der sie sich bisher erst in sehr geringem Umfang stellen.

Führungskräfte sehen Klimaschutz als Chance

Die Energiekonzerne haben laut Regierungsvorgaben ihren CO2-Ausstoß um 52,5 Megatonnen zu verringern. Dafür müssen sie ihre Bemühungen um das 2,8-fache steigern. Mit Investitionen in Höhe von 67 Milliarden Euro müssen sie sich schrittweise von den fossilen Brennstoffen verabschieden und die Stromerzeugung auf erneuerbare Energiequellen umstellen. Die großen Energiekonzerne wie RWE oder Eon investieren bereits heute jährlich gut eine Milliarde Euro in Windenergie oder Kraft-Wärme-Kopplung.

Die Industrie hat sich bereits in den vergangenen Jahren wegen steigender Energiepreise sehr stark beim Energiesparen engagiert. Deshalb können die Industrieunternehmen ihre Anstrengungen um eine Verminderung von Treibhausgasemissionen sogar etwa verringern. Dennoch müssen sie noch 19 Milliarden Euro investieren, um ihre Prozesse zu optimieren und die Kraft-Wärme-Kopplung auszubauen. Vielen Unternehmen etwa in der Chemie müssen zudem Produktpalette und Produktionsverfahren komplett umstellen. Als Treiber für den Wandel fungiert vor allem die nächste Stufe des Emissionsrechtshandels, der 2012 in Kraft tritt und den Einsatz von erneuerbaren Energien und Rohstoffen beschleunigen wird.

Handel, Gewerbe und Dienstleister haben die geringsten Möglichkeiten ihren Energieverbrauch zu verringern. Dennoch müssen Sie ihre Bemühungen bis 2020 knapp verdoppeln und dafür rund neun Milliarden Euro investieren.

Wichtig vor allem ist der Umstieg auf energieeffizientere Produkte wie Sparlampen oder Ökokühlschränke sowie der Einsatz von intelligenter Steuerungstechnik und "grüner" Informationstechnologie. Auch können spezialisierte Dienstleister mit der Entwicklung von innovativen Klimaschutzlösungen enorme Beiträge leisten.

Obwohl der Klimaschutz von der deutschen Wirtschaft gigantische Anstrengungen verlangt, sehen immer mehr Führungskräfte die Herausforderung mehr als Chance den als Last. Die positive Einstellung bestätigt auch die Deloitte-Studie. Demnach lohnen sich die Ausgaben für den Klimaschutz in fast allen Branchen ab 2020 durch geringere Energiekosten und neue Einnahmefelder. Nur die Energiewirtschaft muß dann noch immer zubuttern - und zwar jährlich 2,4 Milliarden Euro.

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