Eon "Alle zehn Stunden eine Windturbine"

Frank Mastiaux baut beim Energiekonzern Eon mit Macht den Bereich erneuerbare Energiequellen aus. Dabei setzt der Chef von Eons Climate & Renewables-Sparte vor allem auf Großprojekte - damit die Preise für klimafreundlichen Strom schnell sinken.

mm: Eon  will in Südspanien zwei Solarkraftwerke für insgesamt 550 Millionen Euro bauen. Sind Kohlekraftwerke out?

Mastiaux: So schnell geht die Wende zu 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen, an der wir arbeiten, leider nicht. Aber der Weg ist klar, denn wir wollen unseren Kunden auch in den kommenden Jahrzehnten noch bezahlbaren Strom liefern können. Dabei setzen wir mit großem Engagement auf erneuerbare Energiequellen, um uns von den fossilen Brennstoffen Schritt für Schritt verabschieden zu können.

mm: Eon wird also zum Umweltengel?

Mastiaux: Die Diskussion um erneuerbare Energien nur auf den Klimaschutz zu begrenzen ist mir zu knapp. Wir bauen unsere Stromerzeugung nicht zuletzt deshalb um, weil wir die Versorgung mit Energie sicher stellen und uns gegen die steigenden Preise für fossile Brennstoffe wappnen wollen. Öl, Gas und Kohle werden mit großer Wahrscheinlichkeit immer teurer. Einmal weil diese Ressourcen immer knapper werden und die globale Nachfrage immer stärker steigt. Zum anderen weil es demnächst einen Carbon-Preis geben wird, der die Kosten der Umweltzerstörung durch die Nutzung fossiler Brennstoff einkalkuliert.

mm: Aber noch ist die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen viel teurer als die in konventionellen Kraftwerken?

Mastiaux: Die Technologien zur Stromproduktion mit Wind oder Sonne sind noch relativ jung. Aber die Lernkurve ist extrem steil und die Preise fallen rapide - etwa um 5 bis zehn Prozent pro Jahr. Vor allem wenn wir die neue Technik in großem Maßstab anwenden. Es gilt die Gleichung Technologie plus Skaleneffekt ergibt sinkende Preise. Und bei den Erneuerbaren ist der Hebel riesig. Deshalb setzen wir auf große Anlagen, die wir im industriellen Maßstab professionell bauen und betreiben können.

mm: Wann zahlt sich die Industrialisierung der erneuerbaren Energie aus?

Mastiaux: Sie senkt die Kosten und verhilft den Renewables damit zum Durchbruch. Bei auf dem Land erzeugter Windenergie liegen die Kosten schon heute in der Größenordnung von konventioneller Energie. Bei Gas, Kohle oder Kernkraft kostet die Megawattstunde zwischen 40 und 70 Euro. Bei Onshore-Wind schlägt sie mit 60 bis 90 Euro zu Buche. Nur zur Erinnerung: Vor drei Jahren waren das noch über 100 Euro. In der nächsten Dekade wird es wohl keinen Preisunterschied mehr zwischen einer Windkraftanlage und einem Gaskraftwerk mehr geben.

"Wir müssen die Kosten senken."

mm: Hängt es nicht auch vom Ölpreis ab, wie schnell erneuerbare Energie für Eon und Co profitabel werden?

Mastiaux: Selbstverständlich, aber nicht nur. Ganz entscheidend ist auch die Unterstützung durch die Politik. Sehr begrüßenswert ist zum Beispiel, dass die USA jetzt mit Macht auf Renewables einschwenken. Das bedeutet eine riesige Nachfrage zum Beispiel nach Windtechnologie - und erzeugt damit große Skaleneffekte. Davon profitieren wir bei Eon, denn wir haben erneuerbare Energie schon vor zwei Jahren zu unserem strategischen Schwerpunkt gemacht.

mm: Wie sind Sie mit dem Umbau der Konzerns vorangekommen?

Mastiaux: Wir konnten die Erneuerbaren in nur zwei Jahren zu einem wichtigen Standbein des Konzerns ausbauen. In dieser Zeit haben wir unsere Kapazität bei den Renewables versechsfacht. Alle zehn Stunden stellen wir eine Windturbine auf. Mittlerweile sind wir auf Platz 7 unter den Stromkonzernen mit dem größten Anteil Erneuerbarer, 2007 standen wir noch auf Platz 19. Und wir wollen uns weiter nach vorne vorarbeiten. Für den Ausbau stehen uns bis 2011 insgesamt acht Milliarden Euro zur Verfügung, also rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht einem Viertel unserer gesamten Investitionen in die Stromerzeugung.

mm: Setzen Sie auch bei der Windkraft auf Großprojekte wie bei den Solarkraftwerken?

Mastiaux: Wir müssen die Kosten senken und streben deshalb wir immer hohe Skaleneffekte an. Daher bauen wir Windparks mit mehreren hundert Windmühlen. Im Herbst zum Beispiel haben wir einen Windpark in Texas eingeweiht, das erzeugt 782 Megawatt - in etwa so viel wie ein schönes, großes Kohlekraftwerk. Da haben wir eine Milliarden Dollar investiert, 627 Turbinen aufgestellt auf einer Fläche, die etwa zweimal so groß ist wie Düsseldorf, und versorgen jetzt 230.000 Haushalte. In Kürze bauen wir auch den weltgrößten Offshore Windpark vor der britischen Küste, London Array. Auch die Solarthermie-Projekte in Spanien sind Großprojekte ebenso wie das Desertec-Vorhaben, an dem wir uns beteiligten.

mm: Warum ist Ihnen Größe so wichtig?

Mastiaux: Es geht nicht um die Größe an sich, sondern darum, dieses Geschäft hochprofessionell zu betreiben. Ohne die Skaleneffekte großer Anlagen wäre Strom aus Windkraft oder Sonnenenergie viel teurer. In den 80er Jahren, als es nur einzelne Windturbinen mit etwa 30 Kilowatt Leistung gab, kostete die Kilowattstunden Windstrom 1,20 Euro. Heute produziert ein Rotor 5000 Kilowatt und die Kosten liegen nur noch bei 6 bis 9 Cent pro Kilowattstunde.

"Strom dort produzieren, wo dies am effizientesten ist."

mm: Weshalb bauen Sie eigentlich so gerne im Ausland - in Spanien, Großbritannien oder den USA?

Mastiaux: Wir wollen unseren Strom dort produzieren, wo dies am effizientesten möglich ist. Die Sonne scheint in Spanien einfach intensiver und zuverlässiger als bei uns. Und in Südtexas weht der Wind regelmäßig mit einer Geschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde. Vergleichbare Windgeschwindigkeiten finden wir sonst nur in der Nordsee.

mm: Also lohnt sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen in Deutschland gar nicht?

Mastiaux: Doch, die lohnt sich in jedem Fall. Wir haben ja auch Projekte in der Nord- und Ostsee - etwa das Vorhaben Alpha Ventus 45 Kilometer vor der dänischen Küste,wo wir unter schwierigsten Bedingungen eine führende Rolle übernommen haben. Unsere Offshore-Parks in Deutschland werden eine Kapazität von 1400 Megawatt haben,- das ist eine signifikante Leistung und ein erhebliches Investment. Darüber hinaus haben wir an einigen Standorten in Deutschland Biogasanlagen aufgebaut. Was aber am Ende für den Klimaschutz zählt ist: Habe ich genug Sonne, Wind und Biomasse an meinem Standort. Deshalb sollte die Klimakonferenz in Kopenhagen den Ländern auch keine festen Quoten für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren aufdrücken.

mm: Wie sollen die Länder denn sonst ihre Ziele für die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen erfüllen?

Mastiaux: In Kopenhagen sollten internationale Austauschmechanismen vereinbart werden. Dann könnten wir zum Beispiel in den windreichen Regionen Schottlands Strom aus Wind erzeugen, in Spanien aus der Kraft der Sonne und in Skandinavien sowie Osteuropa aus dem Altholz von Forstbetrieben und damit den deutschen Anteil erfüllen.

mm: Die Chancen für einen solchen Tauschmechanismus stehen schlecht. Was kann Deutschland dennoch tun?

Mastiaux: Wir können einiges mit Windenergie vor den Küsten und mit Biogas sowie Biomasse erreichen. Da ist noch ein Menge drin und wir werden unseren Beitrag leisten, diese Potenziale zu realisieren.

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