Exklusive Umfrage Deutsche Wirtschaft steht auf Klimaschutz

Die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft wünschen sich eine Führungsposition Deutschlands beim Klimaschutz. In einer exklusiven Umfrage für manager magazin zum Klimagipfel in Kopenhagen erklärten 71 Prozent der befragten Topmanager, sie bewerteten eine Vorreiterrolle beim Abbau von Kohlendioxidemissionen positiv.

Hamburg - Kurz vor dem Beginn des Gipfeltreffens der Vereinten Nationen, bei dem seit heute rund 15.000 Delegierte aus 192 Ländern über den weltweiten Klimaschutz debattieren, interviewte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte für manager magazin 378 Entscheider aus Wirtschaft, Forschung und Politik.

Auf der Konferenz wird Deutschland ambitionierte Vorgaben für den Abbau von Treibhausgasemissionen verkünden - und zwar unabhängig davon, ob sich die Staaten nun auf ein Nachfolgeabkommen zum Kioto-Protokoll von 1997 einigen oder nicht. Von dieser Vorreiterrolle erwarten mehr als vier Fünftel der befragten Topleute, die zum größten Teil dem Führungskräftepanel von manager magazin angehören, dass sie zu einer Technologieführerschaft der heimischen Wirtschaft führt. Immerhin noch 55 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass sich die Führungsposition auch positiv auf Umsatz und Gewinne der deutschen Unternehmen auswirken wird. 65 Prozent erkennen zudem einen Imagegewinn.

Wie stark sich die Klimaschutzvorgaben der Bundesregierung auf das Geschäft der Unternehmen auswirkt - sowohl als zusätzliche Aufgabe als auch als Umsatzbringer - unterscheidet sich stark nach Branchen. In der Umfrage erwarteten 75 Prozent der Manager aus der Energiewirtschaft und 60 Prozent der Vertreter von Umwelttechnikfirmen einen starken Einfluss. In Handel und Finanzwesen erwarten nur jeweils 30 Prozent Auswirkungen auf ihr Geschäft. In der Industrie waren es 46 Prozent, in der Verkehrsbranche 48 Prozent.

Die Erfolgsaussichten der Konferenz beurteilen die Führungskräfte eher skeptisch. Nur ein knappes Fünftel glaubt, dass sich die Länder auf einen Abbau der CO2-Emissionen auf 450 Partikel pro einer Million Teilchen (ppm) in der Atmosphäre einigen werden. Dieser Wert könnte nach Ansicht der Klimawissenschaftler den Anstieg der globalen Temperaturen auf zwei Grad begrenzen und damit die Auswirkungen der Klimawandels in verträglichen Grenzen halten.

Rund 60 Prozent gehen aber davon aus, dass auch nach der Kopenhagen-Konferenz alles beim Alten bleibt. Nur die Vertreter von energieintensiven Industrien, Energiewirtschaft und Verkehrstechnik sind optimistischer - mehr als ein Drittel von ihnen erwartet eine Einigung auf 450 ppm als Grenzwert für die Belastung mit CO2-Emissionen.

Als erfolgversprechenste Methode zur Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes sehen die Spitzenkräfte eine stärkere Nutzung der Sonnenenergie an. 86 Prozent der Befragten erkennen in Solarthermie-Projekten wie dem Großvorhaben Desertec sowie in der Photovoltaik die größten Potenziale zum Abbau der CO2-Emissionen. Ebenfalls 86 Prozent halten die Kraft-Wärme-Kopplung und 81 Prozent die Einführung von energieeffizienteren Produktionsprozessen für geeignet.

Auch Windenergie und die Einführung von intelligenter Verbrauchsmessung (smart metering) erkennen jeweils 73 Prozent als vorteilhaft. Auf Kernenergie (15 Prozent) und die Speicherung von CO2 in unterirdischen Kavernen (12 Prozent) wollen dagegen die wenigsten Topmanager setzen.

Obwohl die Führungskräfte sehr dezidierte Aussagen zum Klimaschutz trafen, fühlt sich aber nur ein gutes Drittel gut oder sehr gut zum Thema informiert. 42 Prozent konstatierten für sich einen mittelmäßigen Wissensstand und 22 Prozent hielten ihre Kenntnisse für schlecht.

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