Samstag, 20. April 2019

Erneuerbare Energien Der das Wasserrad neu erfindet

4. Teil: Investment nicht nur für Flussanrainer interessant

Weil Wasserräder weit zuverlässiger als Solarkraftwerke oder Windräder Strom liefern, sehen Verfechter Erneuerbarer Energien sie als wichtigen Bestandteil des Energiemixes der Zukunft an. Immerhin ein Großkraftwerk könne ersetzt werden. "Die Wasserkraft wird weiter deutlich zulegen - gerade weil das Potenzial kleiner Anlagen noch brach liegt", heißt es beim Bundesverband Erneuerbare Energien.

Flussmühle: Renaissance eines Motors der Industrialisierung
www.wasserrad-drews.de
Flussmühle: Renaissance eines Motors der Industrialisierung
Kritisch betrachten allerdings manche Naturschützer die kleinen Kraftwerke. Sie könnten Fische behindern und Flussbegradigungen erfordern. Der BEE hält dagegen, Fischtreppen würden das Problem lösen. Zudem seien die Gewässer an den meisten denkbaren Standorten bereits begradigt, argumentiert Drews. Zudem seien separate Zuläufe denkbar.

Der Pinneberger schaut sich bereits nach weiteren Märkten um. Für Projekte in Bangladesh plant er die Zusammenarbeit mit Nobelpreisträger Muhammad Yunus. Manche Unternehmer bieten zudem bereits Komplettlösungen an. "Die Resonanz ist durchweg positiv", sagt Tomas Schröder, dessen Firma Energy-select Wasserradinstallationen in der Schweiz und Österreich anbietet, wo die Wasserkraft aus Großkraftwerken bereits einen hohen Stellenwert hat. Weltweit könnten die Kleinwasserräder Strom für 100 Millionen Menschen bereitstellen, lautet Drews' optimistische Rechnung.

Langfristig sollen die Anlagen in Deutschland ohne staatlich festgeschriebene Förderung auskommen. Dafür müssen die Anlagen effizienter und in größerer Stückzahl produziert werden. Ein erster Schritt zu mehr Wirtschaftlichkeit ist getan. Die Wasserräder der neuesten Generation benötigen kein bis zu 8000 Euro teures Getriebe zwischen Rad und Generator mehr, der Generator ist direkt in der Mühle integriert. Die bisher üblichen 15 Prozent Reibungsverluste gehören damit der Vergangenheit an.

Damit ist der Weg technologisch möglicherweise auch frei für größere Wasserräder, die auf Flüssen installiert sind. Auch solche Anlagen hat es in vergangenen Jahrhunderten bereits in größerer Zahl auf deutschen Strömen gegeben. Ein solches Projekt bringt gerade ein Institut der Universität Magdeburg mit zahlreichen Partnern aus der Industrie auf den Weg.

Nicht nur für Flussanrainer sollen Wassermühlen als Investment jedoch interessant sein. Derzeit arbeiten verschiedene Ministerien in Deutschland an einer Übersicht für geeignete Standorte, in Nordrhein-Westfalen ist das Projekt am weitesten fortgeschritten. Potenzielle Investoren bekommen damit auch einen Überblick, wo der Lauf des Wasser ihnen künftig stetig fließende Erträge bringen könnte.

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung