Sonntag, 18. August 2019

Erneuerbare Energien Der das Wasserrad neu erfindet

3. Teil: Konstante Erlöse von 10.000 Euro im Jahr

Den Ausschlag, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen, gab die Begegnung mit einem Bauherren, der bei Itzehoe (Schleswig-Holstein) ein Haus mit alter Wassermühle kaufen wollte. Drews sollte für ihn erkunden, was ein neues Rad zur Stromerzeugung kosten würde. "Es wäre irre teuer gewesen", erinnert sich Drews. "Nur zwei Firmen sahen sich dazu überhaupt in der Lage - mit aufwendigen Unikaten."

Massenphänomen: Die Windmühlen kommen zurück, nun auch die Wasserräder?
Der Plan des Bauherren zerschlug sich, Drews dagegen fing gerade erst an. Er fand Partner in der Metallbau- und Elektrobranche und ließ sich die Neuerungen patentieren.

Inzwischen haben erste Kunden Erfahrungen mit der neuen Wassermühlengeneration gesammelt. Zehn Räder sind in Deutschland installiert.

"Bei uns hat sich das angeboten", sagt Christoph Unger, 72, aus Rübeland im Harz. Die Landschaft am Flüsschen Bode war lange eine Hochburg der Hüttenindustrie. Die Wasserkraft hatte seit dem 15. Jahrhundert eine starke Stellung. An einem Kanalsystem installierte Räder stellten die Energie für Blasewerke bereit, die bei der Erzproduktion das Feuer anheizen.

Nachdem Unger das einige hundert Meter von seinem Wohnhaus gelegene Kanalsystem gekauft und erneuert hatte, installierte er dort ein metallenes Rad mit einer Nennleistung von 11,5 Kilowatt - rein rechnerisch genug, um mehrere Haushalte mit elektrischer Energie zu versorgen. Unger speist den Strom in das Stromnetz ein und bekommt dafür 9,67 Cent pro Kilowattstunde, nach einer Modernisierung werden es zwei Cent mehr sein. Besitzer von Anlagen, die ab 2009 ans Netz gegangen sind, erhalten 12,67 Cent pro Kilowattstunde.

Investiert hat Unger inklusive der Baumaßnahmen etwa 60.000 Euro. Nun nimmt er jährlich 10.000 Euro ein. Die laufenden Kosten eingerechnet, soll sich das Rad in acht bis neun Jahren amortisieren. "Das Rad läuft fast das ganze Jahr konstant", sagt Unger. Lediglich bei tagelangen, extremen Minustemperaturen muss er das Rad stoppen. Dank moderner Elektronik - entwickelt von seinem Sohn Detlev - kann er dies mit seinem Handy per SMS tun, nachdem er vorher den Zustand des Rades auf dieselbe Weise abgefragt hat.

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