Sonntag, 25. August 2019

Erneuerbare Energien Der das Wasserrad neu erfindet

2. Teil: Technik-Recherche in der Raritätenkammer des Museums

Zudem verbessern kleine Luftschlitze in den Wasserkammern die Energieausbeute. "Damit haben wir einen Wunsch der alten Wassermühlenkonstrukteure erfüllt", sagt Erfinder Drews.

Ingenieur Drews: "Potenzial an 25.000 Standorten in Deutschland"
Hartmuth Drews
Ingenieur Drews: "Potenzial an 25.000 Standorten in Deutschland"
Um mit seiner Entwicklung an den technischen Stand des 19. Jahrhunderts anknüpfen zu können, hat er mehrfach die Raritätenkammer im Deutschen Museum in München besucht. Nur dort fanden sich noch die Standardwerke deutscher Wassermühlenbaukunst von Ferdinand Jacob Redtenbacher und anderen.

Nun haben die modernen Mühlen mit den klobigen Holzrädern von einst nicht mehr allzu viel gemein. Lange waren diese das Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Noch Ende des 19. Jahrhunderts ermittelte die offizielle Zählung des Deutschen Reichs gut 60.000 Wassermühlen in Deutschland.

Zunächst in Ölmühlen, Sägemühlen, Schleifmühlen und Bergwerken stellten sie mechanische Energie bereit. Später trieben Wasserräder auch industrielle Produktionsanlagen an, bevor die Dampfmaschine ihren Siegeszug begann. Ein paar Tausend Wasserradstandorte wurden fortan für die Stromerzeugung mit Turbinen genutzt - doch die Großzahl lag brach.

Erst der Aufschwung der Erneuerbaren Energien hat den Blick vor einigen Jahren wieder auf die als verstaubt geltende Technologie gelenkt. "Warum erleben Windmühlen in Form moderner Rotoren ein Comeback, während niemand von Wasserrädern spricht? Diese Frage ging mir nicht aus dem Kopf", sagt Bauingenieur Drews, der viele Jahre hauptsächlich Gebäude restaurierte.

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