Desertec Wüstenstromprojekt geht in nächste Phase

Mit einem Gemeinschaftsunternehmen wollen zwölf Firmen aus der Energie- und Finanzbranche das Solarstromprojekt Desertec in Nordafrika vorantreiben. Die neue Gesellschaft soll das ein Konzept erstellen, nach dem weite Teile Nordafrikas sowie Europa mit Strom aus der Sahara versorgt werden können.

München - Das Desertec-Projekt zum Bau von Solarkraftwerken in der Sahara nimmt Gestalt an. Zwölf Unternehmen aus der Energie-, Solar- und Finanzbranche, darunter Siemens , Eon  und RWE  sowie der Rückversicherer Munich Re und die Deutsche Bank sowie die Desertec Foundation haben am Freitag in München die DII GmbH gegründet.

Ziel der Gesellschaft ist laut einer Mitteilung der Munich Re die zügige Verwirklichung des Desertec-Projekts, mit dem langfristig ein "erheblicher Anteil" des Strombedarfs in Nordafrika und bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit umweltfreundlich erzeugtem Wüstenstrom gedeckt werden sollen.

Alle Gesellschafter seien sich einig, dass wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz nötig seien, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied des weltgrößten Rückversicherers der Munich Re. "Vor dem Hintergrund des bedeutenden UN-Klimagipfels in Kopenhagen zeigt unsere Industrieinitiative, wie Geschäftspotenziale für Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind." In der dänischen Hauptstadt soll im Dezember ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaprotokoll beschlossen werden.

Der niederländische Energiemanager Paul van Son wurde den Angaben zufolge zum DII-Geschäftsführer bestellt. Er arbeitete zuvor bei Unternehmen, die sich in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz einen Namen gemacht haben, unter anderem bei der Deutschen Essent und Econcern in den Niederlanden.

"Wir sehen in der Desertec-Vision einen ganz entscheidenden Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung in den MENA-Staaten (Naher Osten und Nordafrika) und Europa. Jetzt ist Zeit, aus dieser Vision Wirklichkeit werden zu lassen", wird van Son zitiert.

Partner in Nordafrika gesucht

Die Planungsgesellschaft soll laut van Son zunächst wirtschaftliche, technische und gesetzliche Rahmenbedingungen zum Bau von Wüstenkraftwerken und grenzüberschreitenden Stromleitungen analysieren. Außerdem sollen mittels "früher Referenzprojekte" Erkenntnisse für den Ausbau des Projekts im großen Maßstab gesammelt werden. In drei Jahren soll dann ein fertiges Konzept mit möglichen Standorten und den benötigten Investitionssummen vorliegen.

Zu den zwölf Gründungsgesellschaftern zählen auch der algerische Mischkonzern Cevital sowie die Solarunternehmen Schott Solar und MAN Solar Millennium. Weitere drei bis fünf Unternehmen aus verschiedenen Ländern werden vermutlich noch dieses Jahr als Gesellschafter oder Partner beitreten, um der Initiative weitere Unterstützung in Europa und der MENA-Region zu sichern, hieß es.

Auch die neue schwarz-gelbe Koalition hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag für das Desertec-Projekt ausgesprochen. Kritiker sehen im groß angelegten Bau von solarthermischen Kraftwerken in der Sahara allerdings die Gefahr, dass der Aufbau einer eigenen, dezentralen Versorgung mit Erneuerbaren Energien in Deutschland behindert wird. Außerdem wenden sie sich gegen eine mögliche Ausbeutung unterentwickelter Länder in Form eines "Solar-Kolonialismus".

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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