Strommarkt VW-Minikraftwerke statt Atomstrom

Der Ökostromanbieter Lichtblick und Volkswagen planen eine kleine Revolution auf dem von Großkonzernen dominierten Strommarkt. Tausende Minikraftwerke der Marke VW sollen dezentral in herkömmlichen Wohnhäusern stehen. Nach dem Volkswagen jetzt das "Volkskraftwerk"? Zumindest zwei Atommeiler ließen sich so ersetzen, heißt es.

Hamburg - Der Autokonzern Volkswagen  will nach "SPIEGEL"-Informationen demnächst gasbetriebene Minikraftwerke anbieten. Wie das Nachrichtenmagazin am Wochenende berichtete, soll mit dem Stromanbieter Lichtblick in der neuen Woche ein entsprechender Exklusivvertrag unterschrieben werden.

Atomkraftwerk: Offenbar plant Volkswagen seinen ganz eigenen Beitrag zum beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie. Der Autobauer will kleinste Blockheizkraftwerke für den Hausgebrauch bauen und zusammen mit dem Ökostromanbieter Lichtblick den Strommarkt aufmischen

Atomkraftwerk: Offenbar plant Volkswagen seinen ganz eigenen Beitrag zum beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie. Der Autobauer will kleinste Blockheizkraftwerke für den Hausgebrauch bauen und zusammen mit dem Ökostromanbieter Lichtblick den Strommarkt aufmischen

Foto: AP

Demnach sollen die kleinen Blockheizkraftwerte in Tausenden Kellern normaler Wohngebäude installiert werden. Dort sollen sie Wärme für Heizungen und Warmwasser bereitstellen. Gleichzeitig könnten die Anlagen gewaltige Mengen Strom in das öffentliche Netz einspeisen, wie das Magazin berichtet.

Dank intelligenter Steuerung und Vernetzung soll das vorzugsweise dann passieren, wenn am Markt ein hoher Strombedarf besteht. Durch die äußerst schnellen Reaktionszeiten könnten dann 1000, 10.000 oder auch 100.000 Anlagen zu einer Art virtuellem Großkraftwerk zusammengeschaltet werden, um die notwendige Menge Strom in das öffentliche Netz einzuspeisen. Mindestens zwei große Atomkraftwerke oder Kohlemeiler sollten durch die Minikraftwerke ersetzt werden.

Bei den Aggregaten handelt es um Erdgasmotoren aus dem VW Golf, die im Werk Salzgitter gebaut werden. Vieles, was man zur Herstellung von Minikraftwerken brauche, sei auch in hochmodernen Autos vorhanden, sagte Werksleiter Rudolf Krebs. Laut "SPIEGEL" haben die Motoren einen Wirkungsgrad von 94 Prozent, während Atomkraftwerke auf 30 bis 40 Prozent kommen. In Salzgitter sollen künftig pro Jahr mindestens 10.000 dieser Minikraftwerke vom Band laufen.

Volkswagen  hat bereits Erfahrungen bei der Energieerzeugung. So betreibt der Konzern an den Standorten Wolfsburg, Kassel, Hannover, Emden und Mlada Bolesláv Heizkraftwerke und versorgt seine Werke mit Strom. Lichtblick ist nach eigenen Angaben mit über 500.000 Kunden der größte von den Energiekonzernen unabhängige Energieversorger in Deutschland. Das Unternehmen wirbt mit sauberer Energie. Bei Volkswagen und Lichtblick waren am Sonntag keine Sprecher für eine Stellungnahme zu erreichen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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