Samstag, 21. September 2019

Wüstenstrom "Die Solarenergie wird sich rentieren"

Atom oder Solar, Kohle oder Wind? Für Greenpeace-Manager Roland Hipp steht Deutschland vor einer Systementscheidung. Im Interview fordert er ein klares Nein zur Kohle nach dem Vorbild des Atomausstiegs - und Staatshilfe für Sonnenstrom aus der Sahara.

mm.de: Herr Hipp, müssen Sie in der Atompolitik umdenken?

Solar vs. Atom: Sonnenaufgang über der Energiewelt
Solar Millennium AG
Solar vs. Atom: Sonnenaufgang über der Energiewelt
Hipp: Warum ich? Frau Merkel muss umdenken!

mm.de: Es sieht gegenwärtig so aus, als ob Schwarz-Gelb die Bundestagswahl im Herbst gewinnt. Das heißt: längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke.

Hipp: Umfragen haben mich noch nie beeinflusst. Es geht darum, welcher Energiemix für die Gesellschaft richtig ist.

mm.de: Nicht nur Union und FDP sind pro Atom. Auch in der Umweltbewegung wird die Frage anders diskutiert als vor 20 Jahren.

Hipp: Ich kenne keinen großen Umweltverband, der den Atomausstieg in Frage stellt. Allen ist klar: Längere Laufzeiten behindern den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir stehen vor einer Systementscheidung: Setzen wir auf Großkraftwerke, mit denen die Konzerne ihre Monopole sichern - oder wollen wir eine zukunftsfähige Energieversorgung?

mm.de: Das Berliner Solarunternehmen Solon fordert längere Atomlaufzeiten. So könne man Zeit gewinnen für den Ausbau der regenerativen Energien.

Hipp: Diese Einschätzung teile ich nicht. Wenn man eine Übergangslösung braucht, dann sollte das Erdgas sein.

mm.de: Kernreaktoren stoßen kein CO2 aus. Angesichts des Klimawandels ein wichtiges Argument.

Hipp: Weltweit deckt die Atomkraft gerade einmal zwei Prozent des Energiebedarfs. Wenn man eine messbare Wirkung haben wollte, müsste man nach unseren Berechnungen mehrere tausend Kraftwerke bauen. Das will keiner, außerdem gäbe es gar nicht genug Uran. Es ist eine Mär, wenn die Atomlobby behauptet, das Klima zu schützen.

mm.de: Schweden macht seinen Atomausstieg rückgängig. Großbritannien und Frankreich planen neue Kernkraftwerke, ebenso China, Indien, Russland und die USA.

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