Samstag, 20. April 2019

Wüstenstrom "Technologisch sind wir so weit"

Strom für Europa, aus der afrikanischen Wüstensonne gewonnen: Wenn am kommenden Montag Konzerne wie Siemens, Eon und Münchener Rück die Milliardeninitiative "Desertec" zusammentrommeln, dann ist technisch vieles möglich. Doch der Grat zwischen Genialität und Größenwahn ist bei dem Projekt besonders schmal.

München - Der Traum vom Strom aus der Wüstensonne spaltet die Gemüter: Seit Bekanntwerden der Wüstenstrominitiative "Desertec" streiten Experten über die Chancen des Mammutprojektes. Die Idee - bald schon könnte saubere Energie aus der Sahara nach Deutschland und Europa fließen - klingt verlockend. Die Vorwürfe der Kritiker aber reichen von Realitätsferne bis PR-Gag. Es mangele nicht nur am politischen Willen zur Umsetzung, sondern auch an konkreten Vorstellungen zur Finanzierung des 400 Milliarden Euro teuren Vorhabens.

Desertec: Ganz neue Größenordnung
AP
Desertec: Ganz neue Größenordnung
Am kommenden Montag (13. Juli) wollen deutsche Großkonzerne in München eine Initiative gründen. Doch auch danach stehen sie vor vielen Hürden: "Es ist natürlich im Moment noch Zukunftsmusik, aber das überwältigende Interesse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", heißt es beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück Börsen-Chart zeigen.

Mit an Bord sind auch Siemens Börsen-Chart zeigen, die Energieversorger RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen, der Solartechnikanbieter Schott Solar, die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigenund Vertreter der Desertec Foundation. Deren Begründer verfolgen schon lange die Vision, mit der unerschöpflichen Kraft der Wüstensonne die Energieprobleme der Zukunft zu lösen. Denn in sechs Stunden geht dort so viel Sonnenenergie nieder, wie die gesamte Menschheit in einem Jahr an Energie verbraucht, sagt der Desertec- Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Knies. Mit geeigneten Kraftwerken und einem entsprechenden Leitungsnetz ließen sich einer Studie zufolge etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.

Zum Einsatz kommen soll die sogenannte Parabolrinnen-Technologie, die bereits seit Mitte der 80er Jahre in der kalifornischen Mojave-Wüste und mittlerweile auch beim Solarkraftwerk "Andasol" in Andalusien genutzt wird. Über Dampf und Turbinen wird Sonnenenergie in Strom umgewandelt. Die sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung soll dafür sorgen, dass der Strom nicht nur in Nordafrika genutzt werden kann, sondern auch nach Europa fließt. "Technologisch sind wir so weit", sagt Knies, "wir müssen auf nichts mehr warten."

Dass das Projekt erst jetzt in Gang kommt, hat viele Gründe. Der Rohölpreis gab nach den Ölkrisen der 70er Jahre kräftig nach. Das nahm bei der Suche nach Alternativen zu fossilen Energien erstmal den Druck aus dem Kessel. Die Gefahren des Klimawandels wurden damals noch kaum ernst genommen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung