Samstag, 7. Dezember 2019

EU-Kommission Vattenfall darf Nuon übernehmen

Brüssel gibt die niederländische Energiebranche zum Verkauf an ausländische Konzerne frei. Die Wettbewerbshüter geben grünes Licht für Vattenfall bei Nuon und wohl auch für RWE bei Essent. Vattenfall hat sich allerdings vom deutschen Nuon-Geschäft trennen müssen, um die Freigabe für den Zukauf zu erhalten.

Brüssel - Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat von der Europäischen Union mit Einschränkungen grünes Licht für die Übernahme des niederländischen Stromerzeugers Nuon bekommen. Wie Vattenfall am Dienstag in Stockholm bestätigte, verlangen die Brüsseler Aufsichtsbehörden den Verkauf weiter Teile der deutschen Nuon-Tochter. Diese hat 275.000 Strom- und 35.000 Gaskunden vor allem in Hamburg und Berlin, wo Vattenfall selbst bereits der mit Abstand größte Energielieferant ist.

Zu viel Marktmacht: Nuon Deutschland, mit großem Werbeaufwand als Billiganbieter etabliert, muss weitgehend weiterverkauft werden
DDP
Zu viel Marktmacht: Nuon Deutschland, mit großem Werbeaufwand als Billiganbieter etabliert, muss weitgehend weiterverkauft werden
Die Übernahme des niederländischen Mutterkonzerns sowie der anderen Geschäftsfelder und Firmen von Nuon Deutschland bleiben davon unberührt. Der Energieversorger LichtBlick hatte in Brüssel Beschwerde eingelegt, weil die Übernahme den Stromwettbewerb in Berlin und Hamburg deutlich geschwächt hätte. Durch den Zusammenschluss hätte Vattenfall seinen ohnehin marktbeherrschenden Marktanteil in beiden Städten auf etwa 89 Prozent weiter erhöht.

Nuon hat auf die Forderung der Europäischen Kommission umgehend reagiert. "Wir bemühen uns jetzt um den Verkauf des gesamten Nuon-Endkundengeschäfts in Deutschland", teilte Nuon-Sprecherin Mandy Ros in Amsterdam mit. Das Geschäft mit Gasspeichern und mit Gewerbegebieten wolle Nuon in Deutschland dagegen weiterführen, sagte die Sprecherin.

Vattenfall hatte Ende Februar die Übernahme des zweitgrößten niederländischen Stromerzeugers für 8,5 Milliarden Euro bekanntgegeben. Das schwedische Staatsunternehmen will zunächst mit 49 Prozent einsteigen und den bisherigen Konkurrenten innerhalb der kommenden sechs Jahre komplett übernehmen.

Die Regierung in Stockholm als Eigner hatte Vattenfall vor zwei Wochen kritisiert, weil das Unternehmen bei seinen Auslandstöchtern in Deutschland, Dänemark, Polen und nun auch den Niederlanden massiv auf Kohleenergie setzt. Weil dies nicht mit den klimapolitischen Zielen Schwedens übereinstimme, kündigte Wirtschaftsministerin Maud Olofsson neue Handlungsanweisungen der Regierung für Vattenfall an.

RWE kurz vor wichtigster Übernahme seit Jahren?

Laut einem Pressebericht darf zudem der Essener Energiekonzern RWE Börsen-Chart zeigen den führenden niederländischen Versorger Essent übernehmen. Die EU-Kommission werde heute den Zukauf genehmigen, schreibt das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Die Verhandlungen seien "konstruktiv" verlaufen, zitiert die Zeitung aus Brüsseler Kreisen. Heute läuft die Prüffrist aus.

Weil Essent die größte deutsche Tochter, den Bremer Kommunalversorger SWB, zum Verkauf an die Oldenburger EWE gestellt habe, seien die Bedenken der EU über eine noch stärkere Stellung von RWE auf dem deutschen Markt entscheidend entkräftet worden. Vermutlich werde die Kommission aber noch einige weitere, leichtere Auflagen verhängen, schreibt das Blatt ohne Nennung von Details.

RWE will sich insgesamt 80 Prozent an Essent sichern für 9,3 Milliarden Euro. Die an Essent beteiligten niederländischen Provinzen und Gemeinden haben mittlerweile alle grünes Licht gegeben. RWE würde durch den Zukauf rund 5,3 Millionen Kunden dazugewinnen. Bis Ende September soll das Geschäft unter Dach und Fach sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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