Erneuerbare Energien Ende der Glückssträhne

Alle Welt spricht von Gas - aber was ist mit erneuerbaren Energien? Die Bilanz des vergangenen Jahres fällt nicht allzu rosig aus, weil die Branche Rekordwachstum gewohnt ist. 2009 sind Windanlagen schwerer zu finanzieren, und Solarhersteller kämpfen mit stärkerem Preisdruck.

Frankfurt am Main/Berlin - Die vom Erfolg verwöhnte Erneuerbare-Energien-Branche bekommt die Auswirkungen der Finanzkrise neuerdings zu spüren. Die Auftragslage der Unternehmen hat sich verschlechtert und ist auch 2009 kaum absehbar.

Nicht nur, dass ein Schwergewicht der Solarbranche, Q-Cells, kürzlich ankündigte, seine Prognose zu senken und die Produktion zu drosseln. Kunden hatten weniger Solarzellen abgenommen als vereinbart - wegen Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Ähnlich ergeht es vielen Investoren in der Branche.

Die Banken geben den Investoren von Wind- und Solarprojekten derzeit nur zögerlich Kredit und fordern von ihnen hohe Eigenkapitalanteile. Das politische Ziel eines umweltfreundlicheren Energiemixes in der Zukunft wird so nicht gerade leichter zu erreichen sein.

Allerdings ist das Bild, das sich von den erneuerbaren Energien zum Jahreswechsel ergibt, sonst eher positiv. Bei der Stromerzeugung werden die Energieträger weiterhin immer wichtiger. Aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft sowie Bioenergie und Erdwärme wurde im vergangenen Jahr ein Anteil von 15,3 Prozent des deutschen Stroms produziert. Das waren 0,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Der weitaus größte Anteil fiel dabei auf die Windenergie. Dahinter folgten die Bioenergie, dann die Wasserkraft. Sonnenenergie macht hierzulande immer noch nur einen kleinen Teil aus, sie verzeichnete aber mit einem Zuwachs von 40 Prozent das größte Plus.

Bei der Wärmeerzeugung stieg der Anteil der erneuerbaren Energien von 6,8 Prozent auf 7,3 Prozent. Hier wurde der weitaus größte Teil aus Bioenergie gewonnen. Sonnenkraft und Erdwärme spielten eine eher geringe Rolle.

Bei den Biokraftstoffen hingegen sank die Produktion im vergangenen Jahr um 22 Prozent. Der Anteil an Biosprit am gesamten Kraftstoffverbrauch fiel von 7,6 Prozent auf 5,9 Prozent. Grund war nach Angaben des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) vor allem die Einführung einer Besteuerung von Biodiesel. In den vergangenen Jahren hatten Autofahrer teils noch Biodiesel in Reinform getankt, weil dies durch die vorherige Steuerbefreiung rentabel war.

"Nicht von einem Minus ausgehen"

Die nachlassende Nachfrage nach Biosprit hat das Wachstum der erneuerbaren Energien insgesamt in Deutschland gebremst. Im vergangenen Jahr wurden 9,6 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland aus regenerativen Quellen gewonnen, wie der BEE mitteilte. Das war exakt derselbe Anteil wie im Vorjahr. In den Jahren zuvor war der Anteil der erneuerbaren Energien meist deutlich gewachsen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der Branche Hilfe zugesichert und dazu die staatliche Förderbank KfW mit ins Boot geholt. Diese kündigte bereits im Dezember an, die Obergrenze für Kredite von zehn auf 50 Millionen Euro zu erhöhen, die Laufzeiten für die Förderung werden von acht auf 15 Jahre verlängert.

Die deutsche Solarindustrie fordert aber darüber hinaus Hilfe vom Staat. Sie verhandelt mit dem Bund über eine bessere Kreditausstattung. Der Bundesverband Solarwirtschaft will dem Bundesumweltministerium Vorschläge vorstellen. Körnig deutete an, dass der KfW-Bank aus Verbandssicht eine Schlüsselrolle zukommen könnte.

Auch ohne die Finanzkrise hätte die Solarindustrie mit 2009 ein unsicheres Jahr vor sich gehabt. So droht Spanien - 2008 noch ein echtes Solarboomland - nun eine deutliche Abkühlung. Die Goldrauschstimmung in Sachen Fotovoltaik ist dort erst einmal verflogen, die Förderung wird massiv eingeschränkt. Produktionsüberschüsse hoffte die Branche bisher auf anderen Märkten loszuwerden, etwa in Italien und Frankreich. Nun droht wegen der blockierten Nachfrage in Deutschland ein noch größeres Überangebot, und das dürfte sich auf die Preise auswirken. Hinzu kommt die Konkurrenz aus Asien, die ebenfalls auf den Markt drängt.

"Nicht von einem Minus ausgehen"

Karl-Heinz Remmers von der Beratungsfirma Solarpraxis mag dennoch nicht von einer Krise sprechen. "Wir kommen aus einem überkauften Markt in eine Phase, in der der Markt weiter wächst, aber eben nicht mehr so raketenartig wie zuvor", sagt Remmers. Nach einer Steigerung der weltweit installierten Leistung um 60 bis 80 Prozent in diesem Jahr erwarteten Experten derzeit ein Plus von unter 20 Prozent für 2009. "Von einem Minus ist aber derzeit nicht auszugehen."

Wie sich die Situation weiter entwickele, hänge nicht zuletzt davon ab, ob der Bankensektor sich wieder stabilisiere. Auch Remmers weist der KfW eine wichtige Rolle zu.

manager-magazin.de mit material von dpa-afx und afp

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