Klimapolitik Obamas Energien

Alle Welt blickt gebannt darauf, welche Veränderungen die US-Präsidentschaft Barack Obamas mit sich bringen wird. Besonders die Branche der erneuerbaren Energien erwartet von dem Hoffnungsträger bahnbrechende Maßnahmen. Zu Recht?

Hamburg - Yes, Obama can. Die Wirtschaftskrise meistern, den Irak-Krieg stoppen, das US-Gesundheitswesen reformieren. Die Erwartungen an den designierten US-Präsidenten Barack Obama sind riesig. Klar, dass es unter diesen Umständen über kurz oder lang Enttäuschungen geben wird.

Gerade auch US-Unternehmen, die ihr Geld direkt oder indirekt mit erneuerbaren Energien verdienen, machen sich Hoffnungen. Sie erwarten sich von der Wahl Obamas zum neuen Mann im Weißen Haus einen kräftigen Ruck für ihre Branche. Obama selbst gibt ihnen guten Grund dazu: Die erneuerbaren Energien waren ein beherrschendes Thema seines Wahlkampfs. In den vergangenen Monaten sprach er oft von den ökonomischen Chancen des Umweltschutzes und kündigte finanzielle Hilfe für die Unternehmen der Branche an.

Anders als der noch amtierende US-Präsident George W. Bush, der den Klimaschutz weitgehend vernachlässigte, will Obama das Weiße Haus grün anstreichen - und nennt konkrete Maßnahmen dafür. In den kommenden zehn Jahren will er etwa 150 Milliarden Euro in alternative Energieträger investieren. Der Anteil alternativer Energien an der Stromversorgung soll bis 2025 auf 25 Prozent steigen. Auch die Deckelung des Kohlendioxidausstoßes und eine Steuersenkung für Biokraftstoffe hat sich Obama auf die Fahnen geschrieben. Fünf Millionen Arbeitsplätze will er durch solche Maßnahmen in den USA schaffen.

Sollte der künftige amerikanische Präsident seine Pläne in die Tat umsetzen, hoffen auch hiesige Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, dass ihre Branche von dem neuen klimapolitischen Bewusstsein aus Übersee profitiert. So wertet etwa der Bundesverband für Solarwirtschaft das Ergebnis der Präsidentschaftswahl als "bedeutende Weichenstellung in das Solarzeitalter". Verbandsgeschäftsführer Carsten Körnig sehnt in der amerikanischen Klimapolitik den viel zitierten Wandel herbei: "Wir hoffen, dass es Obama gelingen wird, die größte Industrienation der Welt in das solare Zeitalter zu führen."

"Fraglich, ob Obama seine Versprechen halten kann"

"Fraglich, ob Obama seine Versprechen halten kann"

Vor allem die exportorientierten deutschen Unternehmen würden dem Verband zufolge profitieren. Eines davon ist der Solartechnikkonzern Solarworld  mit Sitz in Bonn. Dessen Chef Frank Asbeck setzt schon lange auf den Export von Solartechnik ins Ausland. 2006 kaufte er die defizitäre Solarsparte von Shell , die ihm zweieinhalb Jahre lang Verluste einbrachte. Erst jetzt zahlt sich das Engagement in Übersee aus: Im vergangenen Quartal generierte die Sparte erstmals einen kleinen Überschuss.

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ist Asbeck obendrein ein strategischer Coup gelungen: Rund zwei Wochen vor der Obama-Wahl eröffnete Solarworld im US-Bundesstaat Oregon eine Solarzellenfabrik, die sich die Bonner 500 Millionen Dollar haben kosten lassen. Die neue Unternehmensstätte öffnet damit anscheinend genau zur richtigen Zeit ihre Pforten.

Solarworld-Chef Asbeck glaubt an ein Umdenken der Amerikaner in Sachen Umweltschutz. Er hofft auf einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Solarenergie: "Der amerikanische Markt wird sich 2009 auf ein Gigawatt mehr als verdoppeln", sagt er. Auch hierzulande werde der Absatz von Solaranlagen von 1,5 Gigawatt in diesem auf zwei Gigawatt im nächsten Jahr steigen. Im Vergleich zu Deutschland seien die klimatischen Gegebenheiten der Nachfrage nach Solarstrom sogar besser: "Der nördlichste Zipfel der USA bekommt so viel Sonne ab wie der südlichste Zipfel Bayerns", so Asbeck.

Was die Energieunternehmen zusätzlich positiv stimmt, sind Spekulationen, dass Obama ein neues, großes Ministerium für Umwelt und Energie schaffen könnte. An der Spitze des Superministeriums sehen einige amerikanische Medien den Ex-Vizepräsidenten Al Gore, der mit seinem Umweltengagement bereits den Friedensnobelpreis und einen Oscar gewann. Die "Washington Post" würde Gore sogar den Außenministerposten anvertrauen: "Wenn es nur ein Zeichen gäbe, mit dem Obama signalisieren könnte, wie fundamental sich die Dinge in Washington ändern werden - es wäre, Al Gore zum Außenminister zu ernennen."

Solarverband ist selbst skeptisch

Solarverband ist selbst skeptisch

Die Zeichen stehen also gut für die Branche alternativer Energien - zumindest in den USA. Denn nicht alle sehen die Entwicklung für deutsche Unternehmen so optimistisch wie der Verband für Solarwirtschaft. "Der Obama-Effekt wird durchaus positive Rückwirkungen auf die hiesigen Unternehmen der Branche haben", sagt Claudia Kemfert, Expertin für erneuerbare Energien beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Allerdings bedeute die Förderung der US-Firmen auch potenziellen Wettbewerb: "Die Amerikaner könnten den Deutschen durchaus den Rang ablaufen."

Der Solarverband selbst gibt zu bedenken, dass "der US-amerikanische Solarmarkt mit dem größten Solarmarkt weltweit, Deutschland, gleichziehen" könnte. Das klingt eher nach einer Drohung als nach einer Verheißung.

Für Bernd Weidensteiner, Analyst bei der Commerzbank, ist die Frage nach dem Obama-Effekt von grundsätzlicherer Natur. "Vor dem Hintergrund der Rezession ist fraglich, ob Obama seine Versprechen halten kann", sagt er. "Die Wirtschaftskrise wird zunächst einmal Vorrang haben, die Förderung von erneuerbaren Energien wird zumindest in den nächsten ein bis zwei Jahren eine Art Abfallprodukt sein." Allzu euphorisch sollten die Unternehmen der Branche deshalb nicht sein.

Einen Obama-Effekt gab es allerdings doch schon zu verzeichnen: Nachdem die erneuerbaren Energien in den vergangenen Wochen von der Wirtschaftskrise aus den Medien verdrängt wurden, rückt die Wahl Obamas zum Präsidenten die Branche wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Die Unternehmensberatung EuPD Research, die die Berichterstattung zu erneuerbaren Energien verfolgt, stellte nach der Wahl einen sprunghaften Anstieg der Artikel zum Thema fest. In den rund 100 regionalen und überregionalen Printmedien, die das Unternehmen regelmäßig analysiert, gab es am 6. November, also zwei Tage nach der Wahl, 16 Artikel mit einem Bezug zu erneuerbaren Energien und Obama. Das hat sogar den Chef des Instituts, Markus A. W. Hoehner, überrascht: "Solche Werte zu einem einzelnen Thema hatten wir schon lange nicht mehr."

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