Biosprit Maximal ein Drittel Bio

Während die Regierung sich über ihre neuen Klimaschutzziele freut, werden Zweifel an der technischen Umsetzbarkeit laut. Die Politik wünsche sich einen Anteil von Biokraftstoffen, der unrealistisch sei, kritisiert BP-Chef Uwe Franke.

Berlin/Düsseldorf - Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung steht in seinen Grundzügen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) teilte am Mittwoch mit, er habe sich im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auf letzte Einzelheiten geeinigt. Dem Vernehmen nach werden die Mittel des Umweltressorts für den Klimaschutz von bisher 700 Millionen jährlich auf 2,6 Milliarden Euro erhöht.

Das von der Bundesregierung anvisierte Ziel, den Kohlendioxidausstoß im Zeitraum 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu senken, würde mit dem Maßnahmenpaket noch nicht ganz erreicht, sondern nach Angaben Gabriels 35 bis 36 Prozent.

Noch offen ist die Frage der künftigen Dienstwagenbesteuerung. Dies soll erneut diskutiert werden, wenn die EU-Kommission die Maßnahmen zum CO2-Abbau der Autoflotte in Europa vorliegt. Wichtige Teile des Maßnahmenpakets sind die Verschärfung der Gebäudesanierung, die Umstellung der Kfz-Steuer auf die CO2-Basis und der Ausbau erneuerbarer Energien im Strom- und Wärmebereich.

Der Deutschland-Chef des Mineralölkonzerns BP , Uwe Franke, hat indes einige zentrale Klimaziele der Bundesregierung in Zweifel gezogen. Dabei geht es nicht um die Zielgrößen für den künftigen CO2-Ausstoß, sondern um den Anteil von Biokraftstoffen am Gesamtkraftstoffverbrauch. Ein höherer Anteil dieser klimafreundlicheren Treibstoffe gilt als Voraussetzung für einen CO2-ärmeren Autoverkehr.

Biosprit doppelt so teuer

Biosprit doppelt so teuer wie herkömmliches Benzin

Nach Frankes Einschätzung lassen sich herkömmliche Kraftstoffe selbst langfristig zu höchstens einem Drittel durch Biosprit ersetzen. Der Anteil der Biokraftstoffe werde auch nach dem Jahr 2030 maximal 30 Prozent betragen, sagte Franke.

"Dann wird das Limit erreicht sein." Derzeit hätten pflanzliche Treibstoffe wie Biodiesel und Bioethanol einen Anteil von etwa sechs Prozent am deutschen Verbrauch. Ein Nachteil dieser nachwachsenden Energiequellen sind nach Unternehmensangaben die hohen Herstellungskosten. "Man kann grob sagen, dass heutige Biokraftstoffe etwa doppelt so teuer sind wie konventionelle Kraftstoffe", sagte BP-Sprecher Ruprecht Brandis. Wettbewerbsfähig sei Biosprit erst bei einem Ölpreis von mehr als 100 Dollar. Derzeit wird das Fass Rohöl für etwa 70 Dollar gehandelt.

Deutschland werde bei Biokraftstoffen zunehmend auf Importe angewiesen sein, ergänzte Franke. "Wir werden mit einheimischen Ressourcen das EU-Ziel für 2020 von zehn Prozent Bio-Anteil an der Kraftstoffversorgung nicht schaffen."

Ein weiteres Problem mit Biokraftstoffen ist der zunehmende Konflikt mit der Lebensmittelerzeugung. Hier bleibe als Lösung laut Franke nur eine Abkehr von der Kraftstoffgewinnung aus Feldfrüchten wie Getreide und Raps. "So fördert ein viel versprechendes Projekt der BP in Indien den Anbau von Jatropha, einer trockenresistenten, nicht essbaren Ölsaat, die nicht mit Nahrungsmitteln um fruchtbaren Ackerboden konkurriert oder negative Auswirkungen auf den Regenwald hat."

Zudem müssten Bioethanol und Biodiesel durch neue, leistungsfähigere Biokraftstoffe abgelöst werden. Dazu zähle Biobutanol, das einen größeren Energiegehalt als Ethanol habe.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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