Alternative Antriebe Worauf deutsche Autobauer setzen

Gas oder Ethanol, Benzin- oder Diesel-Hybrid, Brennstoffzellen oder Verbrennungsmotor: Die Alternativen bei den Antrieben künftiger Autos sind groß. Die Beurteilung der Chancen und Risiken ist aber höchst unterschiedlich. Ein Überblick über die Pläne der deutschen Hersteller.

Alternative Antriebe sind in aller Munde, verschiedene Technologien werden erprobt. Was planen die deutschen Autohersteller? manager-magazin.de gibt einen Überblick.

AUDI
Die Ingolstädter halten sich noch bedeckt, viele Ansätze seien noch weit von einer Serienreife entfernt, daher könne man noch nichts Konkretes sagen. Ein paar Hinweise aber gibt es doch: Bei der IAA im vergangenen Herbst stellte Audi den Geländewagen Q7 als Hybrid-Konzeptauto mit Benzin-Elektro-Antrieb vor.

"Diese Technologie wollen wir tatsächlich auch in Serie bringen. Wir entwickeln derzeit zusammen mit anderen Unternehmen intensiv die entsprechenden Systeme", sagt Audi-Sprecher Josef Schlossmacher. Ein Brennstoffzellenfahrzeug als Prototyp existiert ebenfalls, eine Umsetzbarkeit in der Serie sei aber "noch sehr weit entfernt".

BMW
Die Münchner geben sich in Sachen alternative Antriebsquellen unbeirrbar: Sie setzen auf Wasserstoff, der wegen des sportlichen Rufs, den die Marke unter allen Umständen erhalten möchte, in klassischen Verbrennungsmotoren verfeuert wird. Wie diese Symbiose aus Sauberkeit und Dynamik funktionieren soll, zeigt BMW mit einer Kleinserie von 100 Autos der 7er-Limousine, deren Zwölfzylindermotoren mit Wasserstoff laufen.

FORD
Die Kölner verfolgen eine Dreifach-Strategie und setzen auf Erdgas, Flüssiggas und Bioethanol, denn alle drei alternativen Kraftstoffe "sind aus unserer Sicht Brückentechnologien auf dem Weg in die Wasserstoff- und Brennstoffzellenzukunft", wie Ford-Sprecher Isfried Hennen erläutert. Aktuell bietet Ford den Kompaktvan C-Max und den Transporter Transit mit Erdgasantrieb an, demnächst soll der Kompaktwagen Focus folgen; darüber hinaus gibt es den Transit auch als Flüssiggas-Modell. Bei den Bioethanol-Autos sieht sich Ford in Europa als Pionier. In Schweden wurden seit 2001 mehr als 24.000 Bioethanol-Fahrzeuge verkauft, in Deutschland sind seit knapp einem Jahr die Bioethanol-Modelle Focus Flexifuel und C-Max Flexifuel verfügbar, rund 1000 Einheiten dieser Typen wurden bislang ausgeliefert. Ford fördert Bioethanol-Fahrzeuge unter anderem durch Rabatte bei der Autoversicherung.

Null Emission aus Rüsselsheim

MERCEDES
Das Stuttgarter Unternehmen ist auf mehreren Feldern aktiv. Bereits im Angebot ist der E 200 NGT, eine Limousine mit bivalentem Benzin-Erdgas-Antrieb. Auch das Hybridthema nennt ein Sprecher "relevant". 2008 soll der Dodge Durango als erstes Fahrzeug des Daimler-Chrysler-Konzerns mit einem Hybridantrieb auf die Straße kommen, "und wenig später wird ein Modell von Mercedes folgen", heißt es in Stuttgart. Außerdem verfolgt Mercedes die Brennstoffzellentechnik. Entwicklungs- und Forschungsvorstand Thomas Weber sagt, dass voraussichtlich zwischen 2012 und 2015 erste Serienautos mit Brennstoffzellenantrieb in Ballungszentren eingesetzt werden, die mit Wasserstoff fahren. Und dann arbeiten die Schwaben auch am "Diesotto", also der Vereinigung der Verbrennungsprinzipien von Diesel- und Ottomotoren, um Kraftstoff künftig wesentlich effizienter zu nutzen.

OPEL
Die Rüsselsheimer haben - im Rahmen ihres Mutterkonzerns General Motors - einen "March to Zero Emissions" ausgerufen. Dabei sollen zunächst die bekannten Verbrennungsmotoren optimiert, Hybrid-Antriebe entwickelt und schließlich die Brennstoffzellentechnologie zur Serienreife gebracht werden. Von Opel gibt es inzwischen drei Erdgas-Modelle (Zafira, Combo, Astra Caravan). Die Hybridentwicklung wird von General Motors im Verbund mit BMW und Daimler-Chrysler vorangetrieben. Opel hat nach eigenen Aussagen "vollen Zugang" zu dieser Technik. Was das Thema Wasserstoff und Brennstoffzelle betrifft, so hat General Motors bislang mehr als eine Milliarde Dollar in die Forschung gesteckt - unter anderem auch in die Entwicklung des Opel Zafira Hydrogen 3 mit Wasserstofftank und Brennstoffzellenantrieb.

PORSCHE
Für die Zuffenhausener Sport- und Geländewagenbauer sind Dieselmotoren nach Aussagen ihres Vorstandschefs Wendelin Wiedeking tabu, weil sie nicht den Rasanzansprüchen der Marke genügen. Insofern plant Porsche "bis zum Ende dieses Jahrzehnts" den Geländewagen Cayenne mit einem Hybridantrieb anzubieten. Für weitere Details, so die Auskunft aus dem Schwabenland, sei es derzeit noch zu früh.

VW
Bei den Wolfsburgern ist Vielfalt Trumpf in Sachen alternative Antriebe. Bereits verfügbar sind diverse Modelle, die mit Erdgas oder Benzin betrieben werden können. Außerdem arbeitet VW an der Serienreife von Hybridfahrzeugen.

Auch das Thema Brennstoffzelle verfolgt das Unternehmen; erst kürzlich wurde die erste Hochtemperatur-Brennstoffzelle vorgestellt, eine VW-Eigenentwicklung. Bis 2010 soll ein Prototyp mit dieser Antriebstechnik fahren, und "noch vor 2020", wie ein VW-Sprecher sagt, "ein wettbewerbsfähiges Serienmodell auf der Straße sein". Zudem wird an synthetischen Kraftstoffen gearbeitet, um künftig "für jeden Antrieb den exakt passenden Kraftstoff anbieten zu können".

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