Versicherungen Ist dieser Winter ein Alarmsignal?

Der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen. Bereits jetzt haben die sich häufenden Naturkatastrophen und Unwetter massive Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft.
Von Kersten von Borgstede

Hamburg - In Deutschland herrschen frühlingshafte Temperaturen, anstatt Schnee in den Skigebieten sieht man fast nur grüne Wiesen. Der sehr milde Winter rückt die Angst vor den Folgen eines nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandels ins Bewusstsein. Was wir zurzeit erleben, scheint ein klares Indiz dafür, dass sich unser Klima ändert. Dieser Winter schlägt alle Rekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1856.

Die Rückversicherungen haben bereits in den 70er-Jahren auf den Klimawandel reagiert und eigens Abteilungen eingerichtet, die die Klimaveränderungen im Hinblick auf Versicherungsschäden und dadurch eventuell notwendige Prämienerhöhungen beobachten.

Entschädigungen durch Naturkatastrophen haben sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Das hängt allerdings auch mit der industriellen Entwicklung zusammen - dadurch werden die Zerstörungen, die Unwetter anrichten, immer verheerender. Zum Beispiel würde ein Hagelunwetter wie das von 1984 über München, damals fielen tennisballgroße Eisklumpen von Himmel, heute viel höhere Schäden anrichten, weil sich allein der Fahrzeugbestand in Deutschland seitdem um mehr als 70 Prozent vergrößert hat. Angeblich machen Naturkatastrophen bei der Allianz  mittlerweile 35 bis 40 Prozent der versicherten Schäden aus.

Weltweit verdoppeln sich durch Naturkatastrophen alle zehn Jahre die wirtschaftlichen Verluste. Sollte sich der gegenwärtige Trend fortsetzen, werden die Schadenaufwendungen im nächsten Jahrzehnt bei etwa 150 Milliarden Dollar jährlich liegen.

Die Münchener Rück , den zweitgrößten Rückversicherer der Welt, haben in den letzten Jahren die wesentlich zugenommenen Wirbelstürme und Orkane Milliarden gekostet. Dies bedeutet eine Veränderung der Gefährdungslage und Schadenverteilung – für die Versicherungswirtschaft besonders wichtige Parameter.

Auf neue Gefährdungslage reagieren

Auf neue Gefährdungslage reagieren

Aktuelle Auswertungen des Rückversicherers bestätigen, dass der jährliche Schadenerwartungswert zunimmt, ausgehend von einer Verteilung, bei der nur die Schadenereignisse der Warmphase berücksichtigt werden. Hier liegt eine große Herausforderung für die Assekuranz. Die Versicherer müssen auf die neue Gefährdungslage reagieren und diese bei Ihrem Risikomanagement angemessen in Betracht ziehen:

1. Auswirkungen bei Sturmflut- und Überschwemmungsfolgeschäden, welche die komplexen Zusammenhänge des Versicherungsschutzes unter anderem bei Betriebsunterbrechungen berücksichtigen und die Entschädigungsleistungen erhöhen.

2. Begrenzte Ressourcen der Schadenschätzer, welche die Regulierung vieler Einzelschäden erschweren; allein bei Hurrikan Katrina gab es etwa zwei Millionen Schadenmeldungen.

3. Berücksichtigungen von signifikanten Preissteigerungen von Materialien und Löhnen für den Wiederaufbau sowie den Kosten für Ersatzunterkünfte von Versicherten, deren Gebäude unbewohnbar sind.

4. Bei schweren Schäden und verzögerten, teuren Reparaturen, wenn mehrere Stürme innerhalb kürzester Zeit gleiche Regionen treffen.

Das sind nur einige Szenarien, auf die sich die Versicherungswirtschaft in den nächsten Jahren einstellen muss. Die Risikoträger können dieser Problematik teilweise damit begegnen, indem sie den Versicherungsschutz reduzieren und unter Umständen extreme Risikoregionen komplett meiden.

Ebenfalls ist es denkbar bei weiter steigenden Schäden, dass die Versicherungsunternehmen mit höheren Selbstbehalten reagieren. Die sind bisher etwa bei Gebäudeversicherungen in Deutschland noch vergleichsweise niedrig. Werden sie angehoben, könnte das den Prämienanstieg zumindest eindämmen. Außerdem werden die Menschen dadurch stärker zur Eigenvorsorge und damit zur Schadenminimierung animiert.