Mittwoch, 18. September 2019

Warten auf höhere Preise Konzerne bunkern Erdöl in Supertankern

Warten auf Preissprung: Händler bunkern Erdöl in Supertankern auf See

Weltweit wird mehr Erdöl produziert als verbraucht, der Rohstoff ist so billig wie seit Jahren nicht mehr. Die Händler mieten deshalb derzeit offenbar verstärkt Supertanker an, um das Öl auf See zu lagern bis die Preise wieder steigen.

London - Das weltweite Überangebot an billigem Erdöl bringt die Händler der Branche auf Ideen: In der Hoffnung auf anziehende Preise, mieten sie offenbar derzeit verstärkt Supertanker an, um den Rohstoff erst einmal auf hoher See zu lagern.

Zu den Unternehmen gehören der Nachrichtenagentur Reuters zufolge der größte unabhängige Ölhändler Vitol und die in der Schweiz ansässige Trafigura, aber auch der Energiekonzern Shell. Reuters bezieht sich auf Informationen aus Schifffahrts- und Frachtmaklerkreisen.

Vitol etwa buchte demzufolge mit der "TI Oceania" einen der größten Supertanker überhaupt, der ein Fassungsvermögen von drei Millionen Barrel hat, das sind fast eine halbe Milliarde Liter. Trafigura sicherte sich mit der "Nave Synergy" ebenfalls einen Megatanker und Shell buchte mit der "Xin Run Yang" und der "Xin Tong Yang" gleich zwei solcher Schiffe.

Den Schifffahrtslisten zufolge kosten die Tanker zum Teil deutlich weniger Miete als sonst üblich, da es sich oft um ältere Schiffe und um langfristige Mietverträge von bis zu zwölf Monaten handelt. Den Informationen zufolge konnten die Händler Mieten von weniger als 40.000 Dollar am Tag aushandeln, was 20.000 bis 30.000 Dollar unter dem jüngsten Durchschnitt liegt.

Die Händler spekulieren auf einen Anstieg des zuletzt bis um die Hälfte gefallenen Erdölpreises. So kostet ein Barrel der führenden Nordseemarke Brent zu Lieferung Ende 2015 acht Dollar mehr als derzeit am Spot-Markt. Dort war der Preis am Mittwoch auf 49,66 Dollar pro Barrel gefallen und lag damit so tief wie seit 2009 nicht mehr.

Insgesamt wurden nach ersten Schätzungen bislang zwischen zwölf und 15 Millionen Barrel an Lagerkapazitäten auf See gebucht. Und es gebe weitere Anfragen, heißt es laut Reuters aus den Schifffahrtskreisen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Händler Öl für einen späteren Verkauf bunkern: Beim letzten Ölpreisverfall 2009 hatte es mehr als hundert Millionen Barrel Lagerkapazität auf See gegeben. Nach Einschätzung von Analysten von JBC Energy in Wien könnte die Lagerung dort zumindest zeitweise auch den Erdölpreis auf den Märkten stabilisieren.

nck/rtr

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