Zur Ausgabe
Artikel 14 / 49
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

AXEL Springer Endlich billig genug

Der Verlag plant, sein erschlafftes Frauenportal Aufeminin.com ganz zu übernehmen.
Von Klaus Boldt
aus manager magazin 8/2008

Einen in höchstem Maße unerfreulichen Kurs haben die Aktien der in Paris ansässigen Internetfirma Aufeminin.com eingeschlagen. Innerhalb eines Jahres sank ihr Wert von 32 auf 12,65 Euro. Großen Verdruss, sollte man meinen, müsste dieser Preisverfall ihrem deutschen Hauptgesellschafter, der Axel Springer AG, bereiten. Doch mitnichten, in Berlin zeigt man sich umso vergnügter, je billiger die Papiere werden.

Dank des fortschreitenden Wertverlusts habe man "sensationell günstig nachkaufen" können, sagt eine Führungskraft in gefährlich guter Laune. Aufeminin.com, Betreiber diverser Frauenportale, darunter auch des deutschen Marktführers Gofeminin.de, sei überhaupt groß im Kommen. An der Börse ist man zwar gegenteiliger Ansicht. Aber das muss ja nichts bedeuten.

Vor knapp einem Jahr (ungefähr zur selben Zeit, als sich Springer mit der Pin Group gewaltsam Einlass ins Postwesen verschaffen wollte) hatte Vorstandschef Mathias Döpfner (45) in der damals geläufigen Art, die auch den Vorwurf des Übermuts nicht scheute, rund 120 Millionen Euro bezahlt, um sich in den Besitz von zunächst 41 Prozent des aufstrebenden Betriebs Aufeminin.com zu bringen.

Döpfner hatte in den Vorjahren viele Bestleistungen in den Disziplinen Umsatz und Gewinn aufgestellt. Ihm gelang alles - wie Prinz Heinrich, der nie eine Schlacht verlor. Doch dann endete Pin mit einem Totalschaden von 572 Millionen Euro, das Geschäftsjahr 2007 hakte der Zeitungsriese (Umsatz: 2,6 Milliarden Euro) mit einem Verlust von 288 Millionen Euro ab.

Aufeminin.com aber, verbreitet die Zentrale, sei richtiggehend großartig, auch wenn die Aktien bis Mitte Juli um 60 Prozent unter Springers Einstandspreis gefallen sind: Die Franzosen erzielten eine Rendite von 58 Prozent, keine Springer-Firma sei besser. Allerdings setzen sie mit 22,5 Millionen Euro auch nur Kleingeld um. Erschreckenderweise sanken nun aber im ersten Quartal vor heimischer französischer Kulisse die Umsätze um 8 Prozent; die Gewinne schrumpften. Und die 7 Prozent, um die die Einnahmen insgesamt zulegten, wirkten wie ein Schwund im Vergleich zu den munteren Sprüngen der Vergangenheit.

Immer neue Damenportale wetteifern um die Anzeigenkundschaft: Namentlich Brigitte.de (Gruner + Jahr) verdirbt Springer die Freude am Wirtschaften, und dies zu recht niedrigen Kosten: Nur sieben Millionen Euro, sagt ein G+J-Manager, habe man in das Angebot gesteckt, das lebhaften Zuspruch findet.

Dennoch scheint bei Springer der Glaube an die Schaffenskraft der Aufeministen ungebrochen. Zweifel verbieten sich freilich schon deshalb, weil der Verlag sich nach der Pin-Pleite keine neue Debatte über seine Beteiligungspolitik leisten kann. Offiziell hat Springer seinen Anteil auf 74 Prozent angehoben, tatsächlich aber beträgt er, laut Auskunft eines Orientierten, bereits 80 Prozent: Man werde wohl die gesamte Firma kaufen, billig genug sei sie ja, und dann von der Börse nehmen: "Damit hört auch das Gerede auf." Klaus Boldt

Zur Ausgabe
Artikel 14 / 49
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel