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Ende der Salamitaktik

Siemens: Der Konzern will ein Firmenpaket abstoßen - mit Hilfe des Firmenhändlers Kohlberg, Kravis, Roberts.
Von Eva Müller und Petra Schlitt
aus manager magazin 8/2002

Resteverkauf beim Siemens-Konzern. Im März 2002 ging Elmo Vacuum Technology, ansässig in Nürnberg, weg, im Mai die Demag Mobile Cranes und im Juli der niederbayerische Zentrifugenhersteller Flottweg. Scheibchen für Scheibchen verkauft Siemens Teile seines gigantischen Firmenportfolios - allesamt Betriebe, die nicht zum Kerngeschäft des Konzerns gehören.

Alle paar Monate einen neuen Deal einfädeln, abwickeln und sich dann womöglich noch in der Lokalpresse am Sitz der Firmen schelten lassen - dieses Verfahren ist Konzernchef Heinrich von Pierer (61) jetzt offenbar lästig geworden.

Auf einen Schlag will er nun alle Teile, an denen Siemens nicht mehr interessiert ist, entfernen. Rund 50 größere und kleinere Einzelprojekte mit einem Umsatzvolumen von 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro sollen zunächst in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und dann verkauft werden.

Bei dem Coup bedient sich der Vorstandsvorsitzende eines Verbün- deten, der andernorts als Unternehmensausschlachter gefürchtet ist: Der US-Firmenhändler Kohlberg, Kravis, Roberts & Co. (KKR) soll dem Münchener Mischkonzern helfen, die unerwünschten Unternehmen und Beteiligungen loszuschlagen.

Henry Kravis und George Roberts, die verbliebenen KKR-Gründer, galten in den 80er Jahren als die berühm- testen "Corporate Raiders" der USA. Sie verdienten glänzend, indem sie unterbewertete Unternehmen - bekanntester Fall Nabisco - günstig aufkauften, filetierten, neu zusammenstellten und teuer weiterverhökerten.

Von der Fähigkeit, ungeliebte Vermögenswerte neu zu bündeln, aufzupolieren und dann möglichst gewinnbringend zu veräußern, will jetzt Siemens profitieren. Die "assets held-for-sale" - so führt Finanzvorstand Joachim Neubürger (49) die Beteiligungen bereits heute außerhalb der Bilanz nach den Regeln des US-GAAP - bringt Siemens zunächst in ein Joint Venture mit KKR ein. Von dort werden sie nach den bewährten Methoden der professionellen Firmenhändler still und leise losgeschlagen.

Wie ein solcher Deal funktioniert, hatte der Handelskonzern Metro vor ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank vorexerziert.

In das neue Gemeinschaftsunternehmen mit KKR könnten vor allem Betriebe der früheren Atecs Mannesmann eingehen, die strategisch nicht zu Siemens passen. Zum Beispiel die Mannesmann Plastics Machinery, der Gasfedernhersteller Stabilus, die Minderheitsbeteiligung an Krauss Maffei Wegmann sowie Demag Cranes and Components.

Als Verkaufskandidaten werden in- tern zudem genannt: die Herstellung von keramischen Katalysatoren für Dieselmotoren in Redwitz in Franken oder das Geschäft mit Gaszählern.

In Amerika will sich Siemens ebenfalls von Beteiligungen verabschieden. Auch diese Bereiche könnten in das KKR-Paket integriert werden. Eva Müller/Petra Schlitt

*Foto von 1988.

*Foto von 1988.

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