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Elsass, adieu

Weintest: Aus Italien, Österreich und Deutschland, ergab die mm-Probe, kommen wunderbare Weißburgunder-Weine - nur aus Frankreich nicht.
Von Rüdiger Albert
aus manager magazin 1/2003

Wenn der Vollmond sein bleiches Licht über die herbstlichen Hügel ergießt, kommt Bewegung in den Wiener Weingarten von Rainer Christ. Mit einer Schar guter Freunde zieht der Winzer, bewaffnet mit Schere und Füllkorb, durch die Rebenreihen - zur Weinlese.

Objekt ihrer gespenstischen Begierde sind reife Weißburgundertrauben. "Weil der Vollmond ihnen überflüssiges Wasser entzieht, ernten wir sie zu dieser doch höchst ungewöhnlichen Stunde", sagt Rainer Christ.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Tropfen "mit überdurchschnittlicher Qualität", so das Urteil im mm-Test, dem zu wahrer Größe lediglich noch die "harmonische Zuordnung von Frucht, Alkohol und Säure fehlt".

Auch ohne Mitternachtsmystik und Vollmondanbetung avancieren immer mehr Weißweine aus der traditionellen Rebsorte Weißburgunder zu Verkaufsschlagern. Und erobern mittlerweile auch die Tafeln der Topgastronomie im Sturm.

Zu danken ist dieser Erfolg den vielfältigen Eigenschaften dieses Rebensafts. Schier unglaublich, welch unterschiedliche Weine Winzer aus Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland von dieser Rebsorte abfüllen. Stuart Pigott, der englische Weinkritiker, lobt: "Für alle, die den Riesling als zu säurereich empfinden, liefert der Weißburgunder Weine mit mehr Körper und einer ausgeprägt fruchtigen Note."

Fruchtbetont, frisch und duftig munden sie, wenn sie in Edelstahltanks gekeltert wurden. Durch den Ausbau in kleinen Eichenfässern, den so genannten Barriques, bekommen sie Fülle, Länge, Alterungspotenzial und Finesse.

Festtagsstim-

mung, Fanfarenschall, euphorisches Lob bei Weinnasen und Genießern. Aber schmecken Spitzenlagen vom Weißburgunder

wirklich so, wie die Lobpreisungen verheißen?

manager magazin bat renommierte Winzer um Kostproben: Der Testwein sollte trocken sein und aus den Jahrgängen 2000 (ausgebaut im Barrique) und 2001 (ausgebaut in Edelstahl oder in großen Holzfässern) stammen. Zur Blindverkostung von 44 Weinen fanden sich in der neuen Vinothek des "Hotel Bergström" (Inhaber: Henning J. Claassen) im niedersächsischen Lüneburg sieben ausgewiesene Fachleute ein.

Und siehe, die besten Ergebnisse brachten Weißburgunder deutscher und österreichischer Winzer, ausgebaut in Barriques. Exzellente Begleiter zum Essen füllen die Weinbauern Heger, Salwey, Johner und Ehmoser ab. Ihre Kreszenzen sind komplex und vielschichtig, zuweilen voluminös, aber niemals wuchtig. Und: Sie erfreuen zwar durch gute Frucht, nicht aber mit ihrem - oftmals deftig hohen - Preis.

Hervorragende Terrassenweine, zumeist ausgebaut in Edelstahltanks, kommen von den Weingütern Stiegelmar, Schneider, vom Heidesheimer Hof und von Dönnhoff, Fürst, der Cantina Terlan und Bergdolt. Bekömmliche Tropfen mit erstaunlicher Fülle und feiner Säure, die frisch die Kehle hinunterfließen.

Die Juroren empfehlen gleich 27 der 44 verkosteten Weine vorbehaltlos. Außer in Deutschland und Österreich - diese Überraschung brachte der Test - genießt der Weißburgunder auch bei Winzern aus Südtirol wieder hohes Ansehen. Den besten Weißburgunder zwischen Etsch und Eisack kredenzt Elena Walch: Ihr "2001 Kastelaz" ist ein "filigraner Weißburgunder

mit florealer Aromatik auf der Zunge", notiert ein mm-Weinschmecker.

Zunächst in Deutschland und Österreich und nun auch in Südtirol hat eine neue Generation von Winzern begriffen, dass nur mit hochwertigen Weinen dem Wettbewerb weltweit begegnet werden kann. Dafür steht gerade der trockene Weißburgunder, der keinen Vergleich mit großen Weißweinen aus Übersee oder dem französischen Burgund scheuen muss. So das eindeutige Ergebnis der mm-Verkostung. Die allerdings auch eine herbe Überraschung an den Tag brachte: ein desaströses Versagen der Weißburgunder aus dem Elsass.

"Kenner, die für einen guten Weißwein auch einen Euro mehr ausgeben wollen, finden bei den Elsässer Weinen ein breites Angebot", verkündet vollmundig der elsässische Weinwirtschaftsverband CIVA.

Doch die bittere Wahrheit sieht so aus: Mit Ausnahme von Paul Blanck ("2001 Pinot Blanc": 13 Punkte, "guter Durchschnitt") füllen Elsässer Winzer im günstigsten Fall Getränke ab, die das Etikett Touristenbrause verdienen. Rüdiger Albert

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Barocker Körper, gute Länge

Weißburgunder im Test: 27 Weine, die (mehr als) ihr Geld wert sind

1. 2000 Achkarrer Schlossberg, Weißburgunder Spätlese trocken, Joachim Heger (Baden). Saftig, mineralisch und kraftvoll. 28 Euro. Schlumberger, Telefon: 0 22 25/92 50. 17,2 Punkte

2. 2000 Weißburgunder Tafelwein, trocken, Wolf-Dietrich Salwey (Baden). Üppiger Duft, bestens von neuem Holz geprägt. 15 Euro. Telefon: 0 76 62/3 84. 17,1 Punkte

3. 2000 Weißer Burgunder "SJ", Karl Heinz Johner (Baden). Angenehme Röst- und Fruchtaromen, gute Harmonie. 29,95 Euro. Gute Weine, Telefon: 04 21/70 56 66. 17 Punkte

4. 2000 Weißburgunder, Josef Ehmoser (Donauland). Feine Frucht, cremig, langer Nachhall. 8,25 Euro. Vinopolis, Telefon: 08 21/70 02 90. 16,7 Punkte

5. 2001 Weißburgunder Kabinett, Gebr. Stiegelmar (Burgenland). Animierendes Aroma, saftige Frische. 8,20 Euro. Viehhauser, Telefon: 0 40/31 77 74 10. 16,5 Punkte

6. 2000 Selection "A", Fritz Keller (Baden). Exotische Aromafülle, pikante Würze im Nachhall. 25,10 Euro. Telefon: 0 76 62/9 33 00. 15,9 Punkte

7. 2001 Weißburgunder Spätlese trocken***, R. und C. Schneider (Ba- den). Feines Aroma, saftig. 10 Euro. Telefon: 0 76 42/52 78. 15,8 Punkte

8. 2001 Kastelaz Pinot Bianco, Elena Walch (Südtirol). Fruchtige Eleganz, milde Säure. 16,10 Euro. DC, Telefon: 0 61 92/2 09 70. 15,7 Punkte

9. 2001 Elsheimer Blume, Weißer Burgunder Spätlese trocken, Hedesheimer Hof (Rheinhessen). Subtil, reintönig, lecker. 5,20 Euro. Telefon: 0 61 36/24 87. 15,5 Punkte

10. 2001 Weißburgunder QbA trocken, Helmut Dönnhoff (Nahe). Frisch, klar, mineralisch. 7 Euro. Telefon: 0 67 55/2 63. 15,4 Punkte

11. 2001 Volkacher Karthäuser, Weißburgunder Spätlese trocken, Paul Fürst (Franken). Heu- und Wiesenaromen, herzhafter Geschmack. 12,50 Euro. Telefon: 0 93 71/86 42. 15,3 Punkte

12. 2001 Weißburgunder "S" trocken, Klaus Keller (Rheinhessen). Barocker Körper, gute Länge. 17,50 Euro. Telefon: 0 62 43/4 56. 15,2 Punkte

13. 2000 Malterdinger Bienenberg, Weißer Burgunder QbA trocken, Bernhard Huber (Baden). Zitrus- und Rauchnoten in Nase und Geschmack. 12,20 Euro. Segnitz, Telefon: 0 42 03/8 13 00. 15,1 Punkte

14. 2001 Weißburgunder classico, Cantina Terlan (Südtirol). Birnen- und Apfelaromen, gute Balance.

Der Weißburgunder zählt zu den Klassikern. Aber nur in Deutschland, Österreich und Italien findet er jene Wertschätzung, die ihm auf Grund seiner qualitativen Eigenschaften zusteht. Er verlangt nach einem tiefgründigen, kalk- und nährstoffreichen Boden, der ausreichend Feuchtigkeit besitzt.

Die Rebe entwickelt kein spezifisches Sortenaroma. Ihr Duft ist ausgesprochen vielschichtig (Lindenblüten, Südfrüchte, Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche, Birnen und Nüsse)

7,70 Euro. Vinopolis, Telefon: 08 21/ 70 02 90. 15 Punkte

15. 2001 Duttweiler Kreuzberg Weißburgunder Kabinett trocken, Rainer Bergdolt (Pfalz). Idealtypisch, leichter Terrassenwein. 6 Euro. Telefon: 0 63 27/50 27. 14,9 Punkte

16. 2001 Weißer Burgunder, QbA trocken, Philipp Wittmann (Rheinhessen). Würzige Aromen. 6,50 Euro. Telefon: 0 62 44/90 50 36. 14,85 Punkte

und stets verhalten. Elegant und harmonisch, vollmundig und extraktreich schmeckt sie, ohne dabei schwer und füllig zu wirken.

Das Ergebnis der Verkostung: Bei 27 Kreszenzen aus Deutschland, Österreich und Italien lohnt der Kauf allemal. Weine mit mehr als 15 Punkten verdienen sogar einen Ehrenplatz im Keller. Exzellente Qualität ergab der Test bei zwei Weinen aus Österreich (Ehmoser, Stiegelmar) und drei Weinen vom Kaiserstuhl (Heger, Salwey, Johner).

17. 2001 Steirischer Weißburgunder, Rebenhof (Südsteiermark). Anregendes Bukett, resch im Geschmack. 8,25 Euro. Späth, Telefon: 0 89/34 47 61.

14,8 Punkte

18. 2000 Kittenberg Weißburgunder, Alois Gross (Südsteiermark). Dezente Aromen, Geschmack von reifen Birnen. 11,50 Euro. Späth, Telefon: 0 89/34 47 61. 14,75 Punkte

19. 2000 Weißburgunder "Der Vollmond- wein", Rainer Christ (Wien). Frucht- betont in der Nase, extraktreich am Gaumen. 10,12 Euro. Brogsitter, Telefon: 0 22 25/91 81 11. 14,7 Punkte

20. 2000 Barthenau Bianco, J. Hofstätter (Südtirol). Feinfruchtig in Aroma und Geschmack. 9,95 Euro. Gute Weine, Telefon: 04 21/70 56 66.

14,65 Punkte

21. 2000 Pinot Bianco, J. Hofstätter (Südtirol). Vitaler Wein mit gutem Nachhall. 8 Euro. Gute Weine, Telefon: 04 21/70 56 66. 14,6 Punkte

22. 2001 Oberbergener Bassgeige, Weißburgunder QbA, Fritz Keller (Baden). Frucht- und Blütenaromen, mineralisch im Geschmack. 8,40 Euro. Telefon: 0 76 62/9 33 00.

14,5 Punkte

23. 2001 Kirrweiler Mandelberg, Weißburgunder Spätlese trocken, Rainer Bergdolt (Pfalz). Äußerst zurückhaltend, sehr gutes Potenzial. 9,20 Euro. Telefon: 0 63 27/50 27. 14,45 Punkte

24. 2001 Weißburgunder "Steirische Klassik", Alois Gross (Südsteiermark). Besonders fruchtige Nase, kräftig im Geschmack. 10 Euro. Schlumberger, Telefon: 0 22 25/92 50.

14,4 Punkte

25. 2000 Weißburgunder, Manfred Tement (Südsteiermark). Vielschichtiger Wein, gutes Potenzial. 11,80 Euro. Wein Wolf, Telefon: 02 28/ 4 49 62 30. 14,3 Punkte

26. 2001 Terlano Pinot Bianco, Kettmeir (Südtirol). Feinduftiger, harmonischer Wein. 8,80 Euro. Reidemeister & Ulrichs, Telefon: 04 21/ 3 99 40. 14,2 Punkte

27. 2000 Haberlehof, Pinot Bianco, Alois Lageder (Südtirol). Verhalten in der Nase, kräftig im Geschmack. 11,50 Euro. Gute Weine, Telefon: 04 21/70 56 66. 14 Punkte

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