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VW Passat CC Eleganz ist Trumpf

Das Coupé erschließt neue Käuferschichten, glaubt mm-Tester Homburg.
aus manager magazin 12/2008

Von der Seite betrachtet", sagt Christian Homburg, "sieht das Auto gar nicht aus wie ein Passat." Der große, stämmige Leiter der Mannheim Business School bückt sich bis unter die gestreckt-geduckte Linie des Blechdachs und gönnt sich einen zweiten gründlichen Blick auf das Profil des Coupés, das im Paradehof des Mannheimer Barockschlosses auf die Probefahrt wartet. "Aus dieser Perspektive lässt der Wagen nicht mal erkennen, dass er ein VW ist", resümiert der BWL-Professor.

Christian Homburg kennt sich aus mit Volkswagen: Er ist einer der wenigen Deutschen, die das Oberklasse-Modell Phaeton aus freien Stücken und mit eigenem Geld geleast über Jahre gefahren haben. Auch gehört Homburg zu den international angesehensten Marketingexperten. Die Unternehmensberatung, die er mitgegründet hat und die seinen Namen trägt, hat für 20 der Dax-Konzerne gearbeitet.

Hinterm Steuer analysiert der Hochschullehrer sogleich das CC-Konzept: Mit dem Comfort-Coupé, wie das Typenkürzel übersetzt heißt, ziele VW in eine Nische, "die von der Marke bisher kaum bedient wurde". Das Angebot von Eleganz sei in der obersten Mittelklasse ausgedünnt, so Homburg weiter. Da böten sich - Mercedes hat es mit dem CLS vorgemacht - "gehörig Absatzmöglichkeiten für einen aufgewerteten Passat".

Zumal Volkswagen das mit Abstand günstigste viertürige Coupé im Programm hat. Der billigste Mercedes CLS kostet fast das Doppelte des CC-Grundpreises von 30 300 Euro; für den Panamera, der im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, wird Porsche wohl rund das Dreifache verlangen.

Stutzig macht Christian Homburg jedoch die Aufpreispolitik von VW: Der Testwagen mit Vier-Zylinder-Motor, der nur mit manuellem Getriebe und ohne Abstandsradar angeboten wird, der weder mit einem Park-Lenkassistenten noch mit einem Distanzwarner als Einparkhilfe ausgestattet ist, würde beim Händler über 45 000 Euro kosten. "Ist das ein redliches Angebot, wenn die Extras mehr als 50 Prozent des Grundpreises kosten?", fragt sich der Tester.

Umso überzeugender findet Christian Homburg jedoch die Verarbeitung des Interieurs, das edle Nappaleder der bequemen Sitze und die hochwertigen Vertäfelungen im Cockpit. Das, sagt der erfahrene Lenker von Luxuslimousinen, sei deutlich "über Passat-Niveau".

Überraschend positiv fällt auch sein Urteil über die Vier-Zylinder-Maschine aus. Die liefert dank zweistufiger Turboaufladung 160 PS und läuft dennoch so ruhig, dass im Stand weder Geräusche noch Vibrationen ins Cockpit dringen.

Die Benzin-Direkteinspritzung sorgt zudem für Elastizität und Durchzugskraft: Im dichten Verkehr auf den Autobahnen des Rhein-Neckar-Raums beschleunigt Homburg das Coupé im sechsten Gang immer wieder mühelos und ruckelfrei von 100 auf 200 Stundenkilometer. Bei diesem Tempo, lobt der Tester, höre man weder Wind- noch Rollgeräusche.

Dank der stabilen Lenkung und der adaptierenden Dämpfer liegt der Passat CC zudem so fest und sicher auf der Straße, dass der 46-Jährige für sich dieselbe "Wohlfühlgeschwindigkeit" ermittelt wie in seinem privaten Mercedes S 420 CDI: 190 Stundenkilometer.

"Ein ebenso schönes wie solides Auto", bilanziert der Marketingprofessor nach der Probefahrt. Das Konzept für die Eroberung der Marktnische könne aufgehen. Kaufen würde er den Passat CC dennoch nicht. "Ich bin kein Coupé-Typ", sagt Christian Homburg. Außerdem, fürchtet er, hätten die beiden Kleinkinder der Familie auf den Einzelsitzen im Fond nicht genügend Platz. Michael O. R. Kröher

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