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Toyota Land Cruiser V8 Elefantös

mm-Tester Dinges fand praktischen Nutzwert in dem Allradkoloss.
aus manager magazin 6/2008

Der Land cruiser V8 hat vier Räder und fünf Türen. Aber ist er auch tatsächlich ein Auto? Andreas Dinges meint: "ein Dickschiff". Fast fünf Meter lang und knapp zwei Meter breit, passt der größte Toyota, den es je gab, kaum in die engen Parklücken vor der Zentrale des Personalvermittlungskonzerns Deutscher Industrie Service (DIS) in der Düsseldorfer Bürostadt Seestern.

Der Testwagen, ein übermannshoher Klotz in hochglänzendem Schwarz, wirkt kolossal und wie aufgebockt. Der schmalschultrige Nadelstreifenträger Dinges setzt sich nicht in das Cockpit des hochbeinigen 2,8-Tonners auf 20-Zoll-Felgen, er erklimmt das SUV über ein breites Trittbrett.

Der Vorstandsvorsitzende der DIS bringt reichlich Geländeerfahrung mit: In seiner Privatgarage steht ein zehn Jahre alter Jeep. "Ein reines Nutzfahrzeug", sagt der 48-Jährige, "robuste Technik ohne jeden Schnickschnack." Den Testwagen würde Dinges indes nicht über Stock und Stein steuern wollen: Das Interieur mit dunklen Holzapplikationen und beigefarbenen Polstern macht auf ihn den Eindruck, als dürfe es keinesfalls dreckig werden.

Also führt die Ausfahrt zunächst durchs Autobahngewirr zwischen Rhein und Ruhr. Andreas Dinges ge- fällt die Durchzugskraft des mächtigen Dieselaggregats: Der Achtzylinder beschleunigt gleichmäßig aus niedrigen Drehzahlbereichen und lässt das gewaltige SUV zügig auf der linken Spur mitschwimmen. Wind- und Abrollgeräusche werden sorgfältig gedämmt, der Motor schnurrt zivil - "womit die wichtigsten Kriterien eines Cruisers schon mal erfüllt wären", findet der Testfahrer.

Erst bei Tempo 180 verspürt Dinges eine gewisse Schwammigkeit in der Lenkung des Toyota. Und die Sitzflächen bieten für seinen Geschmack zu wenig Seitenhalt, zu wenig Auflagefläche für die Oberschenkel.

In den engen Kurven der vielen Autobahnkreuze probiert Andreas Dinges die verschiedenen Stufen der Luftfederung aus: Im Komfortmodus neigt sich der Toyota wie ein vollgeladener Heringstrawler in der Dünung vor Kap Hoorn. Doch schon in Normalstellung, erst recht im Sportmodus, lässt sich die Seitenneigung spürbar mindern.

Die Bremse fühlt sich jedoch in jedem Fall zu weich an. Und zu schwach: Auch bei kräftigstem Druck verzögert das schwere SUV allenfalls mäßig. Hier, findet Dinges, müsse Toyota nachrüsten.

Als Nächstes steuert der Manager die Düsseldorfer Königsallee an, die Paradestrecke für Strizzis, Stenze und alle anderen, die gern aufgemotzte Auspuffanlagen röhren lassen. "Nicht, dass Sie denken, ich hätte das nötig", beteuert Andreas Dinges. Er will nur herausfinden, wie viel Aufmerksamkeit es erregt, wenn ein schwarzer Koloss wie der Testwagen am Straßenrand einzuparken versucht.

Tatsächlich bietet sich eine passende Lücke vor den Geschäften im belebtesten Teil der "Kö". Dinges stellt den Koloss in einem Zug und ohne nachträgliche Korrektur elegant am Kantstein ab - und erregt nicht das geringste Aufsehen. Die Show fällt aus, auch weil das TV-Bild der Rückfahrkamera im Zentralmonitor und das Ultraschall-Parkassistenzsystem den Fahrer leiteten.

Das Erfolgserlebnis in der Düsseldorfer Innenstadt lässt den Tester einen versöhnlichen Gesamteindruck formulieren: Das riesige Platzangebot im Innenraum mache das große SUV ideal für Familien und für Freizeitsportler, die viel Gerät transportieren wollten, bilanziert der Manager, der dienstlich einen Audi S8 fährt. Kaufen würde er sich Toyotas Flagg- und Schlachtschiff dennoch nicht: Einen Verbrauch von 15,3 Litern, wie bei der Probefahrt vom Bordcomputer des Land Cruisers gemessen, findet Dinges "deutlich zu hoch".

Michael O. R. Kröher

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