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Eine Frage der Bedürfnisse

Fuhrpark-Finanzierung: Welche Methode ist am günstigsten - kaufen, leasen oder mieten?
Von Jonas Hetzer
aus manager magazin 8/2002

Zahlen lügen nicht, heißt es. Schon gar nicht, wenn es um kaufmännische Entscheidungen geht. Zum Beispiel bei der Frage, welche Finanzierungsart für den Fuhrpark die günstigste ist - kaufen, leasen oder mieten?

Die nackten Ziffern sprechen meist für das Leasing. So ergibt sich für eine Firma mit 100 Dienstwagen leicht ein jährlicher Kos- tenvorteil von gut 1500 Euro pro Auto gegenüber dem Barkauf und sogar von mehr als 3300 Euro im Vergleich zum Anmieten der Arbeitskarosse (siehe Tabelle).

Dennoch ist jeder zweite Wagen in deutschen Fuhrparks gekauft. Michael Lütge, Geschäftsführer des auf Fuhrpark-beratung spezialisierten Hamburger Unternehmens Cost Consult, weiß warum: "Unternehmen haben höchst unterschiedliche Bedürfnisse. Je nach Dauer, Intensität und Art der Nutzung ist der Erwerb oder sogar das Mieten der Autos die sinnvollste Alternative."

n Miete

Einen Dienstwagen zu mieten ist teuer. Ein 3er-BMW kostet meist über 800 Euro monatlich. Langfristig lohnt es daher nicht, den Fuhrpark zu mieten. Ohnehin gibt es kaum Vermieter, die Vertragslaufzeiten von mehr als sechs Monaten anbieten.

Sinnvoll ist das Mieten jedoch bei kurzfristigem Spitzenbedarf. Benötigen etwa neu eingestellte Mitarbeiter in der Probezeit Fahrzeuge, sollten Unternehmen die Mietlösung wäh- len. Werden die Arbeitskräfte nicht übernommen, können auch die Autos schnell und ohne Aufwand zurückgegeben werden.

n Leasing

Im Gegensatz zum Mieter wird ein Leasingnehmer auch als Halter in die Fahrzeugpapiere eingetragen.

Die Kosten der Leasingraten, die meist monatlich berechnet werden, setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:

m Nutzung: Die Leasingraten sind umso höher, je teurer der Wagen, je länger die Nutzungsdauer und je mehr Kilometer pro Jahr gefahren werden sollen. Für einen BMW 320 D Touring zahlt ein Leasingkunde bei einer vereinbarten jährlichen Fahrleistung von 40 000 Kilometern und einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten um 5000 Euro pro Jahr. Will er den Wagen ein Jahr länger fahren, wird erheblich mehr fällig.

m Dienstleistungen: Der Trend geht zum "Full-Service-Leasing". Die Leasingfirma übernimmt bei dieser Variante alles - von der Versicherung bis zum Tanken. Der Vorteil: Unternehmen mit mehr als 30 Wagen können mit der Auslagerung des Fuhrpark-Managements ihre Kosten senken. Der Grund: Die Leasinggesellschaften erledigen die Verwaltung effizienter und bekommen bei Werkstätten und Versicherungen günstigere Tarife.

Leasing ist für viele Firmen aber nicht nur die billigste Alternative. Von Vorteil ist auch, dass die vertraglich fixierten Kosten ein hohes Maß an Planungssicherheit bieten.

n Kauf

Auf den ersten Blick erscheint der Erwerb eines Fahrzeugs als die günstigste Variante. Sind die Aufwendungen (Kaufpreis minus Wiederverkaufswert) doch meist niedriger als die Summe der Leasingraten.

Auf der anderen Seite stehen jedoch zwei gewichtige Nachteile:

m Das Unternehmen trägt das Risiko, das Fahrzeug zu einem niedrigeren Preis verkaufen zu müssen als kalkuliert.

m Der Wert des Wagens muss in der Bilanz aktiviert werden. Die Position im Anlagevermögen bindet jedoch Eigenkapital, das die Firma rentabler in ihrem Kerngeschäft einsetzen könnte.

Trotzdem kann der Barkauf sinnvoll sein. Etwa wenn unklar ist, wie stark das Fahrzeug genutzt werden soll. Beim Leasing muss der Nutzer, sollte die im Vertrag vereinbarte jährliche Kilometerzahl überschritten werden, am Ende der Laufzeit kräftig nachzahlen; wer unter dem Limit bleibt, hat dagegen unnötig hohe Kosten.

Bei speziellen Ausstattungswünschen findet sich zudem häufig gar kein Leasinganbieter. Wer etwa besondere Einbauten für seinen Dienstwagen benötigt, die Autos in extravaganten Farben lackieren möchte oder nicht auf das Firmenlogo am Fahrzeug verzichten will, kommt oft nicht am Kauf vorbei. Jonas Hetzer

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Online

Kosten: Kaufen, leasen oder mieten? Je nach Nutzungsart und -dauer kann jede der Alternativen die günstigste sein.

Kontrolle: Für die individuelle Kostenkalkulation bieten die Fuhrparkberater der Hamburger Firma Cost Consult ein Rechenmodul im Internet an, unter:

www.costconsult.de

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