Airline streicht Dividende Easyjet schreibt erstmals Jahresverlust

Mit nur 25 Prozent der Kapazität fliegt Easyjet in den Winter - und verbucht den ersten Jahresabschluss mit roten Zahlen in seiner Geschichte. Weitere Staatshilfe könnte nötig sein.
Desinfektionsteam an Bord einer Easyjet-Maschine in London-Gatwick

Desinfektionsteam an Bord einer Easyjet-Maschine in London-Gatwick

Foto: Matt Alexander/ dpa

Der Geschäftsausfall infolge der Corona-Krise hat den britischen Billigflieger Easyjet im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die roten Zahlen gerissen. Für die zwölf Monate bis Ende September stehe vor Steuern voraussichtlich ein um Sonderposten bereinigter Verlust von 815 bis 845 Millionen britischen Pfund (895 bis 928 Millionen Euro), teilte das Unternehmen am Donnerstag in Luton bei London mit.

Hinzu kämen weitere Belastungen etwa durch Abschreibungen, das eingeleitete Sanierungsprogramm und den Wertverlust bei Geschäften zur Treibstoffpreissicherung. Für das 1995 gegründete Unternehmen ist es der erste Jahresverlust in der Geschichte. Der Fernsehsender Sky News berichtete am Mittwoch, Easyjet habe der Regierung weiteren Finanzbedarf angemeldet. Die Fluggesellschaft wird bereits seit April mit einem Staatskredit über 600 Millionen Pfund gestützt.

Zu einer Prognose für das neue Geschäftsjahr, das Anfang Oktober begonnen hat, sieht sich Easyjet-Chef Johan Lundgren (53) angesichts der unsicheren Geschäftsaussichten und der schwachen Ticketnachfrage infolge der Pandemie nicht in der Lage. Im laufenden Quartal bis Ende Dezember dürfte das Unternehmen nur rund ein Viertel seines üblichen Flugprogramms anbieten, hieß es.

Angesichts der angespannten Finanzlage rät der Verwaltungsrat davon ab, für das abgelaufene Jahr eine Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Ende September verfügte die Airline über Barreserven von rund 2,3 Milliarden Pfund und saß auf einem Schuldenberg von 1,1 Milliarden Pfund. Wenn notwendig, will das Management weitere Finanzmittel besorgen und möglicherweise noch mehr Flugzeuge verkaufen und zurückmieten.

Mit solchen Sale-and-Lease-back-Deals hat Easyjet in der laufenden Krise bereits 608 Millionen Pfund eingenommen. Weitere 419 Millionen Pfund kamen über eine Kapitalerhöhung von den Aktionären. Der endgültige Geschäftsbericht soll am 17. November vorgestellt werden.

ak/dpa/reuters
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