Gegenwind nimmt zu Deutsche Bank sieht Gefahren für die Rentabilität

Die Deutsche Bank hat den Gewinn kräfitg gesteigert. Doch die Aussichten trüben sich ein. Das Institut verwirft das Effizienzziel für das laufende Jahr. Zudem wackelt die angepeilte Rendite von 8 Prozent. Das Ergebnis der Tochter DWS schrumpfte im zweiten Quartal.
Deutsche-Bank-Zahlen: Das Konzernergebnis übertrifft die Erwartungen

Deutsche-Bank-Zahlen: Das Konzernergebnis übertrifft die Erwartungen

Foto: Sepp Spiegl / imago images/sepp spiegl

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet und einen Gewinn von 1,05 Milliarde Euro erzielt - ein Plus von 51 Prozent im Vorjahresvergleich. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Nettogewinn von 788 Millionen Euro gerechnet. Zusammen mit dem Gewinn im ersten Quartal sei dies im ersten Halbjahr der höchste Gewinn nach Steuern seit 2011, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch mit. Damit habe das Institut "erneut bewiesen, dass wir auch in einem schwierigen Umfeld unsere Erträge und unser Ergebnis steigern können", so Vorstandschef Christian Sewing (52).

Doch überschatten ein gedämpfter Ausblick und das Abrücken von wichtigen Zielen die Leistung der Bank im zweiten Quartal, die von höheren Zinsen und dem Handel mit festverzinslichen Papieren profitierte - die Aktie der Deutschen Bank  gab am Vormittag mehr als 4 Prozent nach. So hat die Bank ihr Effizienzziel für das Verhältnis von Kosten und Ertrag von 70 Prozent für das laufende Jahr verworfen. Dieses sei im derzeitigen Umfeld angesichts eines hohen Inflationsdrucks nicht zu erreichen, wie Seving in einem Brief an die Mitarbeiter ausführte. Nun erwarte die Bank eine Aufwand-Ertrag-Relation in einer Spanne im "niedrigen bis mittleren 70-Prozent-Bereich", also noch einmal deutlich mehr. Ende 2022 lag das Kostenziel bei 85 Prozent.

Das gesetzte Renditeziel wackelt

Zugleich warnte die Bank davor, dass es angesichts steigender Inflation, schwächelnder Wirtschaft und infolge von Rechtsstreitigkeiten immer schwieriger werden dürfte, die angepeilte Nachsteuerrendite von 8 Prozent auf das Eigenkapital zu erreichen. "Vor uns liegen nun weitere herausfordernde Monate", schrieb Sewing in dem Brief weiter. "Vieles spricht dafür, dass es wirtschaftlich noch schwieriger werden wird." Im zweiten Quartal lag die Nachsteuerrendite bei 7,9 Prozent – nach 5,5 Prozent im Vorjahreszeitraum.

"Wir sehen einige der Herausforderungen vor uns und haben dies in unserem Ausblick berücksichtigt", betonte auch Finanzvorstand James von Moltke (53) in einem Interview mit Bloomberg TV. Die Deutsche Bank "hatte im ersten Halbjahr einige Rückschläge, die außerhalb unserer Kontrolle lagen, und wir sehen in der zweiten Jahreshälfte weiterhin Druck auf die Kosten". Von Moltke zeigte sich auch vorsichtiger in Bezug auf das Handelsumfeld und erklärte, dass "der Markt eine Richtung braucht und die Ende Juni, Anfang Juli nicht so präsent war wie im Rest des Jahres".

Seving hatte zuvor zum Quartalsergebnis betont: "Besonders erfreulich entwickeln sich die Privatkunden- und die Unternehmensbank". Bei der Geschäftsbank führten höhere Zinssätze zu einem Anstieg der Nettoeinnahmen um knapp ein Viertel auf 1,6 Milliarden Euro, dem höchsten Wert seit der Gründung der Einheit im Jahr 2019, als Sewing seinen Umstrukturierungsplan vorstellte. Die Privatbank, die die Einzelhandelsgeschäfte des Kreditgebers beherbergt, verzeichnete einen Umsatzanstieg von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beide Unternehmen hatten mit den Auswirkungen der Negativzinsen in Europa zu kämpfen, die die EZB letzte Woche beendet hatte.

Im Investmentbanking steigen die Gewinne nur marginal

Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, der einen Großteil des Aufschwungs der Deutschen Bank unter Sewing ausmachte, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent. Bei den fünf größten US-Investmentbanken, die alle Anfang des Monats ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt haben, stieg der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren im Durchschnitt in etwa in gleicher Höhe.

Zugleich aber brachen die Erträge aus der Beratung bei Geschäftsabschlüssen und Kapitalbeschaffungen im Vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent ein. Die Deutsche Bank erwartet nun, dass die Erträge im Investmentbankíng in diesem Jahr im Wesentlichen stagnieren werden. Zuvor war sie von leicht steigenden Erträgen ausgegangen.

Im abgelaufenen Quartal stiegen die Gewinne der Investmentbanking-Sparte lediglich um 1 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Die Gesamterträge des Konzerns erhöhten sich im zweiten Quartal um rund 7 Prozent auf 6,65 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg im Quartalsverlauf auf 13 Prozent von 12,8 Prozent.

Gewinn von Fondstochter DWS schrumpft

Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS hat im Frühjahr wegen der Börsenunsicherheiten infolge des Ukraine-Kriegs unter dem Strich weniger Gewinn erzielt. Das Konzernergebnis schrumpfte im zweiten Quartal um rund 10 Prozent auf 155 Millionen Euro, wie der Vermögensverwalter am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Der bereinigte Vorsteuergewinn legte dagegen um 11 Prozent auf 273 Millionen Euro zu. Die Erträge stiegen um 7 Prozent auf 671 Millionen Euro. An ihrem Ausblick für das laufende Jahr hielt die Fondsgesellschaft fest.

Der Ukraine-Krieg wirkte sich laut DWS weltweit in starkem Maße auf Volkswirtschaften und Aktienmärkte aus. Vor allem bei Geldmarktprodukten habe es Nettomittelabflüsse gegeben. Die DWS sei jedoch widerstandsfähig geblieben. "Obwohl sich das Umfeld im zweiten Quartal weiter signifikant verschlechtert hat, ist es uns gelungen, den höchsten bereinigten Vorsteuergewinn zu erzielen, den wir jemals in einem zweiten Quartal und einem ersten Halbjahr erreichen konnten", erklärte der neue DWS-Chef Stefan Hoops (42).

Die zuletzt wegen Greenwashing-Vorwürfen in den Schlagzeilen stehende Fondsgesellschaft hatte vor kurzem einen Führungswechsel vollzogen. Die DWS hat die Vorwürfe stets bestritten. Hoops, der ehemalige Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank, hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Vertrauen in die DWS wieder herzustellen. Wie, erfahren Sie in dem Lehrstück über seine moderne Konzernkarriere. 

Die Staatsanwaltschaft hatte Ende Mai wegen des Verdachts auf Etikettenschwindel bei der Vermarktung von nachhaltigen Anlageprodukten die Firmenzentralen von DWS und Deutsche Bank durchsucht.

sio/Reuters
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