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KfW Doppelverdiener

Der neue Chef Schröder sorgt vor allem für sich selbst. Sein Fehlstart beim Skandalinstitut lässt nun auch seine Förderer zweifeln.
Von Ulric Papendick
aus manager magazin 12/2008

Ulrich Schröder (56), seit September Vorstandschef der Frankfurter Staatsbank KfW, gilt als weltgewandter Banker. Seine bereits rund 25 Jahre währende Karriere bei verschiedenen öffentlichen Geldinstituten führte den promovierten Juristen unter anderem nach London und Paris. Vor allem der französischen Hauptstadt, in der er Ende der 90er Jahre als Niederlassungsleiter der West- LB wirkte, ist der Staatsbanker nach wie vor sehr verbunden.

Als die Bundesregierung in diesem Frühjahr einen Nachfolger für die glücklose KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier (63) suchte, schien der stets elegant auftretende Schröder eine ideale Besetzung.

Zwar gab es auch andere Kandidaten. Sparkassenprimus Heinrich Haasis (63) machte sich für Christopher Pleister (60) stark, den früheren Frontmann der deutschen Genossenschaftsbanken. Bankenpräsident Klaus-Peter Müller (64) schlug den ehemaligen HVB-Vorstand Stefan Schmittmann (52) vor. Hessens CDU-Chef Roland Koch (50) schickte den Investmentbanker Andreas Dombret (48) ins Rennen.

Doch CDU-Mitglied Schröder, mit Parteigrößen wie Kanzleramtschef Thomas de Maizière (54) und Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (58) bestens bekannt, machte das Rennen.

Nicht nur Wirtschaftsminister Michael Glos (63, CSU) als oberster KfW-Aufseher votierte für den Niedersach- sen, der von 2006 an das Düsseldorfer Förderinstitut NRW-Bank leitete. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (54, CDU) war nach einem Gespräch mit dem polyglotten Banker offenbar beeindruckt.

Mit derart prominenter Unterstützung ging Schröder selbstbewusst in die Gehaltsverhandlungen für den neuen Job. Die Vergütung seiner Vorgängerin, deutlich weniger als eine halbe Million Euro, lehnte er als völlig unzureichend ab. Stattdessen verlangte er zumindest das Salär, das er in Düsseldorf bezogen hatte. Und zwar das Bruttogehalt von rund 815 000 Euro, das sowohl die fixen als auch die variablen Gehaltsbestandteile umfasste.

Bei dieser stattlichen Summe ließ es Schröder allerdings nicht bewenden. Als neuer KfW-Chef, das war dem Kandidaten bewusst, würde er qua Amt in die Aufsichtsräte der Deutschen Telekom und der Deutschen Post einziehen. An beiden Konzernen hält die KfW Aktienpakete, die die Bundesregierung bei der Staatsbank geparkt hat.

Bisher galt bei der KfW die eherne Regel, dass Vorstände die Tantiemen aus diesen Kontrolleursposten - bei Schröders Vorgängerin Ingrid Matthäus-Maier summierten sich die Bezüge vergangenes Jahr auf rund 50 000 Euro - zum Teil an die Bank abführen.

Das wollte Schröder für sich nicht gelten lassen. Er setzte durch, die Tantiemen komplett aufs eigene Konto überwiesen zu bekommen. Lediglich für seine Vorstandskollegen gilt weiterhin das bisherige Reglement, dass bei Aufsichtsratsmandaten, die im Interesse der Bank ausgeübt werden, die Bezüge teilweise abzutreten sind.

In der Bundesregierung regt sich nun offenbar zunehmend Unmut über den Frankfurter Großverdiener, der zwar rund das Dreifache des Jahresgehalts der Kanzlerin einstreicht, dessen Arbeitsproduktivität aber als eher enttäuschend empfunden wird. Schröder wird vor allem übel genommen, dass er auch angesichts des Verlusts von fast 1,8 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten 2008 keinerlei Bereitschaft zu einem Gehaltsverzicht signalisiert. Während sich mehr und mehr Banker als Ausgleich für die Gewährung von Staatshilfen mit 500 000 Euro Jahresgehalt bescheiden, kassiert der KfW-Chef ungerührt ab. Hinzu kommt, dass auch Schröders politische Verbündete allmählich ins Grübeln geraten, ob die fachliche Kompetenz ihres vermeintlichen Starbankers wirklich über jeden Zweifel erhaben ist.

In Frankfurt zumindest legte der neue Chef einen glatten Fehlstart hin. Dass die KfW zwei Wochen nach seinem Antritt der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers 320 Millionen Euro überwies, brachte ihr das Prädikat "Deutschlands dümmste Bank" ein - verliehen von der "Bild"-Zeitung auf ihrer Titelseite.

Drei Topmanager mussten daraufhin gehen, darunter die Vorstände Detlef Leinberger (59) und Peter Fleischer (53). Ob auch Schröder eine Mitschuld an dem Desaster trifft, untersuchen zurzeit Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt. Die Ermittler prüfen, ob die KfW tatsächlich alles getan hat, um die peinliche Überweisung zu verhindern. Offenbar liegen den Fahndern konkrete Anhaltspunkte vor, die auf ein Versagen des gesamten Vorstands hindeuten.

Zu allem Überfluss hat die KfW auch noch knapp 300 Millionen Euro bei isländischen Pleitebanken angelegt - was den Ruf der Förderbanker nicht verbesserte.

Der neue Chef der NRW-Bank, der frühere Sparkassenmanager Dietmar Binkowska (46), dürfte über das Wirken seines Vorgängers ebenfalls wenig begeistert sein. Schröder hinterließ ihm ein ganzes Potpourri höchst unappetitlicher Risiken. Die Partnerbank der NRW-Kommunen (Slogan: "Wir fördern Ideen") hat unter der Ägide ihres Ex-Chefs rund eine Milliarde Euro in sogenannte synthetische CDOs gesteckt, hochkomplexe Wertpapiere, die etliche Kreditrisiken bündeln. Weitere 3,8 Milliarden Euro investierte Schröder in verbriefte US-Studentendarlehen.

All diese Investments haben in der Finanzkrise erheblich an Wert eingebüßt. Trotzdem konnte die NRW-Bank Abschreibungen bisher vermeiden, da die Positionen im sogenannten Anlagebuch geführt werden. Dort muss ein Wertverlust erst bei Fälligkeit verbucht werden.

Den Gewinn der NRW-Bank konnte Schröder mit seiner aggressiven Investitionspolitik indes nicht nennenswert aufbessern. 2007 erzielte das Institut etwa den gleichen Jahresüberschuss wie die konkurrierende Investitionsbank Berlin (IBB) - allerdings mit einer rund siebenmal höheren Bilanzsumme.

Schröder, so scheint es, lässt die Kritik unbeeindruckt. Bei der KfW soll er intern die Devise ausgegeben haben, alle Belastungen möglichst in diesem Jahr zu verbuchen. Diese Verluste könnten schließlich nicht ihm angelastet werden. Im neuen Jahr will Schröder dann vermutlich befreit durchstarten - vorausgesetzt, er bleibt so lange im Amt.

Ulric Papendick

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