Donald Trump will chinesische App verbieten Microsoft lässt Verkaufsgespräche mit TikTok ruhen

Die Zukunft der chinesischen Videoplattform TikTok in den USA ist unklar. TikTok versucht offenbar mit einem Verkauf des US-Geschäfts Donald Trump milde zu stimmen. Microsoft wäre interessiert, tritt jetzt aber auf die Bremse.
Besonders bei Jugendlichen beliebt, bei US-Präsident Donald Trump nicht: Die chinesische Videoplattform und Smartphone-App TikTok könnte in den USA komplett verboten werden

Besonders bei Jugendlichen beliebt, bei US-Präsident Donald Trump nicht: Die chinesische Videoplattform und Smartphone-App TikTok könnte in den USA komplett verboten werden

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump (74) , die beliebte Videoplattform TikTok in den USA zu verbieten, ist die Zukunft der Smartphone-App ungewiss. Das Onlinenetzwerk der in China ansässigen Mutter ByteDance  erklärte am Samstag, dass es nicht mit einem Abschied aus den USA plane. Trump hatte am Freitag angekündigt, das Verbot per Dekret durchzusetzen oder die ihm zustehenden Wirtschafts-Sonderrechte zu nutzen. Laut "Wall Street Journal"  wurden weit fortgeschrittene Kaufverhandlung zwischen Microsoft und TikTok derweil unterbrochen.

Trumps Berater Peter Navarro (71) sagte im Sender Fox News in der Nacht zu Sonntag, der Präsident werde mit Blick auf TikTok am Sonntag oder Montag tätig werden. Urprünglich wollte Trump das Verbot nach eigenen Angaben schon am Samstag durchsetzen. Allerdings blieb zunächst unklar, wie ein solches Verbot umgesetzt werden könnte. Zuvor hatten US-Behörden Bedenken geäußert, dass das weltweit von fast einer Milliarde Menschen genutzte Netzwerk Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt.

In den USA wurde TikTok zuletzt durch das Committee on Foreign Investment (CFIUS) überprüft, das Geschäfte untersucht, die die nationale Sicherheit der USA betreffen. TikTok wies bislang alle Vorwürfe über die Weitergabe von Nutzerdaten zurück. Nach Angaben von Bytedance werden die Daten von TikTok in den USA gespeichert, mit einer Kopie in Singapur.

"Wir haben nicht vor, irgendwo hinzugehen", erklärte die TikTok-Geschäftsführerin für die USA, Vanessa Pappas, in einer auf der App veröffentlichten Nachricht. Das Unternehmen arbeite daran, den Nutzern "die sicherste App" zu bieten. Allein in den USA sollen 100 Millionen Menschen das Online-Netzwerk nutzen. TikTok habe 1000 Mitarbeiter im laufenden Jahr eingestellt und wolle 10.000 weitere Jobs in den Vereinigten Staaten schaffen, hieß es weiter.

Einem Bericht der "New York Times" am Samstag zufolge, hat Bytedance angeboten, das US-Geschäft von Tiktok zu verkaufen, um Trumps Verbot abzuwenden . Unmittelbar vor der Verbotsankündigung von Trump kursierten am Freitag bereits Medienberichte, wonach der Präsident die Ausgliederung des US-Geschäfts der App von der chinesischen Muttergesellschaft Bytedance verlangen würde. Stattdessen kündigte Trump dann aber das Verbot an.

Derweil sollen Gespräche über einen Verkauf der Plattform an Microsoft nach der Ankündigung Trumps unterbrochen worden sein, wie das "Wall Street Journal" am Samstag berichtete. Nach Angaben der Zeitung hätten die Verhandlungen zwischen Microsoft und Tiktok bereits am Montag abgeschlossen werden können. Beide Unternehmen warteten nun auf mehr Klarheit seitens des Weißen Hauses.

Tiktok-Chef Kevin Mayer (58) hatte zuletzt Transparenz versprochen und auch die Überprüfung der Algorithmen angeboten. "Wir sind nicht politisch, wir akzeptieren keine politische Werbung, wir verfolgen keine Agenda - unser einziges Ziel ist es, eine lebendige und dynamische Plattform, auf der jeder Spaß haben kann, zu bleiben", schrieb Mayer am Mittwoch im Internet. Tiktok sei offenbar "das neueste Angriffsziel" geworden. "Aber wir sind nicht der Feind."

Trump soll sich als Opfer von Tiktok-Nutzern fühlen, die laut Medienberichten seine groß angekündigte Wahlkampfveranstaltung in Tulsa boykottiert haben. Zu Tausenden sollen vor allem Jugendliche sich für die Veranstaltung registriert haben und dann bewusst nicht hingegangen sein - um für leere Ränge zu sorgen. Entsprechende Aufrufe waren auch auf Tiktok geteilt worden. Trumps Wahlkampfteam hatte angegeben, eine Million Ticketanfragen erhalten zu haben; am Ende hörten im weiten Rund gerade einmal 6200 Menschen dem Präsidenten zu.

Auch in anderen Ländern gibt es teilweise massive Datenschutz-Bedenken gegen TikTok. So hat unter anderem die Bundesregierung angekündigt, Sicherheitsbedenken gegen die Video-App zu prüfen. In Indien ist diese bereits "zum Schutz der Sicherheit und der Souveränität des Cyberspace" des Landes verboten.

TikTok ist vor allem bei jungen Menschen beliebt und hat weltweit fast eine Milliarde Nutzer. Die Videoplattform entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich wurde. Die Mutter Bytedance ist derzeit einer der am stärksten wachsenden Datenverwertungs-Konzerne der Welt mit einem geschätzten Jahresumsatz von zuletzt 19 Milliarden Dollar und einer Firmenbewertung von mittlerweile geschätzten 100 Milliarden Dollar, schreibt das "Wall Street Journal" .

Tiktok ist ein weiteres in einer Reihe von Tech-Unternehmen, die in den Machtkampf zwischen Washington und Peking gezogen wurden. Die beiden Supermächte haben ihren schon lange schwelenden Konflikt zuletzt immer stärker auf den Techsektor ausgedehnt und entflechten die bestehenden Verbindungen zunehmend.

Am schärfsten wurde dabei bislang der Streit um den chinesischen Mobilfunkausrüster Huawei geführt, dem die USA ebenfalls eine zu große Nähe zur politischen Führung vorwerfen. Anfang Juli hatte Washington Huawei und den ebenfalls chinesischen Ausrüster ZTE formal als Sicherheitsrisiko eingestuft. China seinerseits hatte als Reaktion auf US-Maßnahmen gegen Huawei etwa mit Maßnahmen gegen die US-Konzerne Apple und Cisco gedroht.

Verbot dürfte Spannungen zwischen Washington und Peking verschärfen

Im Kongress wird derzeit über einen Gesetzentwurf beraten, der Bundesbeschäftigten die Nutzung von TikTok auf Dienstgeräten verbietet. Eine Gruppe von republikanischen Senatoren hatte sich zudem zuletzt besorgt gezeigt, dass sich China über die Video-App in den Präsidentschaftswahlkampf einmischt. Die Regierung in Peking könne politische Diskussionen manipulieren, um Uneinigkeit unter den Amerikanern zu schüren und ihr bevorzugtes Ergebnis zu erzielen, warnten sie. Über TikTok war im Juni ein Zuschauerboykott bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps organisiert worden. Indien hatte TikTok und 58 weitere Apps aus China kürzlich verboten.

Das US-Vorgehen gegen TikTok dürfte die Spannunen zwischen Washington und Peking weiter verstärken. Peking hatte die vergangene Woche angekündigte Sicherheitsüberprüfung der App bereits scharf kritisiert: "Die USA stellen eine Schuldvermutung auf und drohen chinesischen Unternehmen ohne Grund", hatte Außenamtssprecher Wang Wenbin gesagt. Die USA sollten allen Mitspielern am Markt, darunter auch chinesischen Unternehmen, ein "offenes, gerechtes und nicht-diskriminierendes Umfeld" bieten.

rei/afp/Reuters
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.