Umkämpfter Streamingmarkt Disney holt Netflix bei Abozahl ein

Der Unterhaltungsriese Disney legt starke Quartalszahlen vor und ist vor allem im Streaminggeschäft erfolgreich. Den großen Konkurrenten Netflix hat Disney bei der Zahl der Abonnements jetzt eingeholt – doch das Wachstumstempo lässt nach.
Gewinn im Visier: Disneys Finanzchefin Christine McCarthy ist optimistisch für den Streamingbereich

Gewinn im Visier: Disneys Finanzchefin Christine McCarthy ist optimistisch für den Streamingbereich

Foto: MIKE BLAKE / REUTERS

Der Unterhaltungsriese Walt Disney hat im jüngsten Geschäftsquartal rasantes Wachstum mit seinen Streaming-Diensten verzeichnet. Die On-Demand-Services Disney+, Hulu und ESPN+ brachten es Ende Juni zusammen auf insgesamt rund 221 Millionen Abos, wie der Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Damit hat Disney zum bisherigen Streaming-Marktführer Netflix aufgeschlossen, der zuletzt Kunden verlor und das vergangene Vierteljahr ebenfalls mit rund 221 Millionen Nutzerkonten beendete. "Wir hatten ein exzellentes Quartal", verkündete Disney-Chef Bob Chapek bei der Bilanzvorlage.

Bei der Zahl der tatsächlichen Nutzer dürfte Netflix allerdings immer noch vor Disney liegen. Disney bietet nämlich in den USA seine drei Streamingdienste auch im Paket an und zählt deren Abonnenten teilweise mehrfach.

Vor allem Disney+ und ESPN+ florierten mit jährlichen Wachstumsraten von 31 beziehungsweise 53 Prozent auf nun gut 152 Millionen beziehungsweise knapp 23 Millionen Abonnenten. Disneys dritter Streaming-Service Hulu steigerte die Abo-Zahl um 8 Prozent auf rund 46 Millionen Nutzer. Der erst im November 2019 als Netflix-Jäger gestartete Streaming-Service Disney+ gewann in drei Monaten 14,4 Millionen Kunden hinzu – deutlich mehr als von Experten erwartet. Mit der Star Wars-Serie Obi-Wan Kenobi und Marvels Ms. Marvel landete Disney+ zwei große Hits.

Gleichzeitig senkte Disney seine langfristige Abonnentenprognose für Disney+, hält aber an seinem Gewinnziel für das Streaminggeschäft fest. Die Gesamtzahl der Disney+-Kunden werde bis Ende September 2024 zwischen 215 Millionen und 245 Millionen liegen, teilte Disney mit. Das ist ein Rückgang gegenüber den 230 Millionen bis 260 Millionen, die Disney zuvor prognostiziert hatte.

Prognose: 2024 erstmals Gewinn

Grund für die reduzierten Erwartungen sei der Verlust der Streaming-Rechte für die Kricketspiele der Indian Premier League. Die Streaming-Einheit halte aber weiterhin daran fest, im Geschäftsjahr 2024 erstmals einen Gewinn zu erwirtschaften, sagte Finanzchefin Christine McCarthy. Der Netflix-Rivale hatte bereits angekündigt, den Preis für ein werbefreies Abo um fast 38 Prozent anzuheben. Im Dezember wird eine Option mit Werbung 7,99 Dollar pro Monat einführt – dem gleichen Preis, den das Unternehmen jetzt für die werbefreie Version verlangt.

Neben Netflix und Disney kämpfen unter anderen auch Amazon und Apple mit hohen Investitionen in ihre Streaming-Plattformen um die Gunst der Zuschauer, die zu Hause regelmäßig neue Serien und Filme sehen wollen. Disneys Streaming-Aktivitäten verlieren daher immer noch Geld und meldeten für das abgelaufene Quartal einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar. Dies belastete die Medien- und Unterhaltungssparte, deren Gewinn um 32 Prozent auf fast 1,4 Milliarden Dollar zurückging.

Dem Gesamtkonzern, zu dem auch die klassische Kabelsparte sowie Filmstudios, Themenparks, Ferienanlagen und Kreuzfahrtschiffe gehören, geht es finanziell allerdings gut. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 53 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,36 Milliarden Euro). Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie reagierte zunächst mit einem Kursanstieg von über 9 Prozent. An der Wall Street hatte Disney es zuletzt schwer – die Aktie liegt seit Jahresbeginn mit 23 Prozent im Minus.

fw/dpa-AFX, Reuters
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