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Digitalbank Die teuren Irrwege der N26-Gründer

US-Expansion vergeigt, regulatorische Probleme verschleppt, Handelsboom verpasst – die Digitalbank zieht spät die Lehren aus teuren Irrtümern und einem Kulturclash mit der Aufsicht. Traditionsbanker sollen nun helfen, das Unternehmen aufzurichten.
aus manager magazin 1/2022
Jugend forscht: Die Gründer Max Tayenthal (l.) und Valentin Stalf haben die Hausaufgaben der Bafin lange ignoriert. Der Preis: N26 ist derzeit eine Wachstumsfirma ohne Wachstum.

Jugend forscht: Die Gründer Max Tayenthal (l.) und Valentin Stalf haben die Hausaufgaben der Bafin lange ignoriert. Der Preis: N26 ist derzeit eine Wachstumsfirma ohne Wachstum.

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dpa / picture alliance

Die Arbeitgeber von Stephan Niermann (49) sind in der Regel Problembanken. Vor fast zwei Jahrzehnten kümmerte er sich bei der WestLB um den Kampf gegen Geldwäsche. Einige Jahre später musste das Institut auf Geheiß von Brüssel schließen. Danach wirkte Niermann bei der Commerzbank, als US-Aufseher eine Milliardenstrafe wegen zu laxer Kontrollen und Sanktionsverstößen verhängten. Ob die Commerzbank als eigenständiges Bankhaus überlebt? Höchst unsicher.

Seit 2020 arbeitet Niermann für N26, eine Neobank im Finanzjargon, optimiert auf Smartphones, ohne eine einzige Filiale, seit der Gründung in einer Art Freibiermodus. Mehr als sieben Millionen Kundinnen und Kunden in 25 Ländern sind so schon zusammengekommen. "Die erste Bank, die Du lieben wirst" – so haben die beiden Gründer Valentin Stalf (36) und Maximilian Tayenthal (41) für N26 geworben.

Auch hier ist Niermann für die dunkle Seite des Geschäfts zuständig: dafür, dass es Kriminellen unmöglich gemacht wird, die Systeme der Bank für ihre Zwecke zu nutzen. Und dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht, neudeutsch Compliance.

Tatsächlich ist Niermanns Spezialdisziplin inzwischen überlebenswichtig für N26. Denn die deutsche Finanzaufsicht Bafin verlangt mit der ganzen Unnachsichtigkeit des deutschen Bundesbeamtentums, dass sich das Unternehmen endlich an ihre Vorgaben hält: die Kundschaft durchleuchtet, verdächtige Geldströme aufspürt und meldet, Geld für hochsensible Warnsysteme ausgibt.

Nachsitzen: Mark Branson steht seit August 2021 an der Spitze der Bafin. Bei N26 fährt er eine harte Linie.

Nachsitzen: Mark Branson steht seit August 2021 an der Spitze der Bafin. Bei N26 fährt er eine harte Linie.

Foto: Maurice Kohl

Niermann bringt nicht nur Erfahrung, sondern auch akademisches Rüstzeug mit: 2004 promovierte er über Straftaten im modernen Zahlungsverkehr. Was Stalf und Tayenthal aber besonders gefallen dürfte: Ihr Traditionsbanker schwärmt schon wie ein Fintech-Missionar, wenn er über seinen Job bei N26 spricht – über die "State-of-the-Art-Technologie", die sich reibungslos in die existierende IT integrieren lasse, über schnelle Fortschritte – wenn es darum gehe, Betrüger im Internethandel in Echtzeit zu stoppen – und über seine Erfahrungen, wenn er im N26-Hoodie durch Berlin laufe. Zuspruch allerorten, ab und zu ein Verbesserungsvorschlag. Aber Kritik: null.

In dieses wolkenlose Weltbild sortieren Stalf und Tayenthal auch ihre jüngsten Gespräche mit Investoren ein: Weitere 900 Millionen Dollar pumpten Geldgeber unlängst in die Neobank; die Bewertung liegt nun bei neun Milliarden Dollar. Damit ist die Berliner Neugründung in etwa so wertvoll wie die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößtes börsennotiertes Geldhaus.

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