Zur Ausgabe
Artikel 45 / 124

Digital-Hirn

Erfolgsgeheimnis: Dietmar Wendt hat einen neuen Begriff geprägt: elektronische Intelligenz. Sie sei die Basis jeder IT-Karriere, behauptet der Manager in seinem Buch*.
aus manager magazin 3/2000

mm Herr Wendt, es gibt schon die soziale und die emotionale Intelligenz. Sie führen jetzt auch noch den Begriff der elektronischen Intelligenz ein. Das hört sich an wie ein neuer Marketinggag, um Ihr Buch besser zu verkaufen.

Wendt Vielleicht, aber mir sind in den vergangenen Jahren in der IT-Branche immer wieder Menschen begegnet, deren große Erfolge sich nicht mit herkömmlichen Kriterien erklären lassen. Sie haben es ohne Business School oder Wirtschaftsstudium geschafft, ein Unternehmen aufzubauen und an die Börse zu bringen.

mm Was zeichnet diese Menschen aus, die zum Teil von der Schule geflogen sind, die ihr Studium abgebrochen haben, die einen völlig unorthodoxen Lebensweg hinter sich haben?

Wendt Nicht die alten Werte wie eine gute Ausbildung, Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Diese Kriterien haben an Bedeutung verloren. Im digitalen Zeitalter entscheiden andere Faktoren über Karrieren.

mm Welche?

Wendt Erfolgreiche Manager haben elektronische Intelligenz, kurz eQ.

mm Ist das nicht nur ein schönes Schlagwort für Glück und Mut?

Wendt Nein, dahinter verbergen sich drei Schlüsselkompetenzen: digitale Fantasie, Loslösung von Zeit und Raum und virtuelles Networking. Analytisches Denken und soziale Kompetenz allein reichen in der neuen virtuellen Welt nicht aus.

mm Wozu nützt digitale Fantasie?

Wendt Ein Beispiel: Früher mussten wir zum Telefonieren nur die Wählscheibe drehen. Heute hat jedes Handy verwirrend viele Funktionen. Um herauszukriegen, welche Tastenkombinationen einem das Leben erleichtern, braucht man digitale Fantasie. Wer die hat, lernt nicht nur schnell sein Handy zu bedienen, sondern ist auch in der Lage, die Chancen des E-Commerce für sein Unternehmen zu erkennen.

mm Die meisten Menschen nutzen die vielen Zusatzfunktionen einfach nicht.

Wendt Lange können sich Technikverweigerer im Geschäftsleben nicht mehr durchmogeln. Handelsbeziehungen werden zunehmend über digitale Netze gepflegt, Geschäfte virtuell abgewickelt und Nachrichten elektronisch ausgetauscht. Im Internet-Zeitalter gewinnt ja nicht der Bessere, sondern der Schnellere. Digitale Analphabeten haben einen dramatischen Zeitnachteil.

mm Genauso wie diejenigen, die sich nicht der zunehmenden Internationalisierung stellen?

Wendt Ja, und damit unmittelbar verbunden ist die Loslösung von Raum und Zeit. Das ist wahrscheinlich das größte Opfer, das man in der digitalen Welt bringen muss. Denn die strikte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben löst sich auf. Man muss auch mal mitten in der Nacht aufstehen, um mit dem japanischen Geschäftspartner einen Deal abzuschließen. Man muss über Handy oder Laptop ständig erreichbar sein.

mm Sie sprechen auch vom digitalen Networking. Das ist doch nichts anderes als die altbekannte Kontaktpflege.

Wendt Durch das Internet gewinnt die Kommunikation eine neue Dimension. Hier bilden sich virtuelle Gemeinschaften, in denen Mitglieder Erfahrungen austauschen können, Probleme lösen, sich Anregungen für Produktverbesserungen holen. Wir werden künftig öfter in virtuellen Teams zusammenarbeiten, mit Menschen, die über die ganze Welt verteilt sind, die wir noch nie in unserem Leben persönlich gesehen haben. Nur wer diese Möglichkeiten ausschöpft, wird ganz vorn mitspielen.

mm User oder Loser - sind wir auf dem Weg in eine neue Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Wendt Ja, der digitale Wandel wird alle Bereiche des Lebens erfassen, umformen - radikal und unwiderruflich. Wichtig ist, die heilige Scheu vor den neuen Medien zu verlieren. Erfolgreiche Internet-Unternehmer probieren einfach aus und kommen oft nebenbei auf geniale Lösungen. u

*Dietmar Wendt: "Erfolg mit eQ. Wie Sie in der neuen Welt des E-Business Karriere machen"; Campus, Frankfurt, 2000, 228 Seiten, 39,80 Mark.

*Dietmar Wendt: "Erfolg mit eQ. Wie Sie in der neuen Welt desE-Business Karriere machen"; Campus, Frankfurt, 2000, 228 Seiten,39,80 Mark.

Zur Ausgabe
Artikel 45 / 124
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.