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Neue Ideen für ein altes Handelskonzept Die Warenhauskönige aus Buxtehude

Mode- und Warenhäuser gelten als Auslaufmodell. Wirklich? Die Familie Stackmann beweist in einer norddeutschen Kleinstadt das Gegenteil. Ein Einkaufsbummel voller Innovationen.
Von Claus Gorgs
aus manager magazin 5/2019
Exklusivität, Einkaufserlebnis und Events: Dieter (l.) und Fabian Stackmann aus Buxtehude.

Exklusivität, Einkaufserlebnis und Events: Dieter (l.) und Fabian Stackmann aus Buxtehude.

Foto: Matthias Oertel für manager magazin

Vor der Rolltreppe steht der Fleischermeister in derber Lederschürze und verteilt frisch gebackenen Leberkäse im Brötchen. Schräg gegenüber, zwischen Anzügen und Sakkos, stutzt der Herrenfriseur Haare, Bärte und Koteletten. Während einige nach Krawatten und Oberhemden stöbern, verkosten andere Whisky und Gin. Höhepunkt des Abends ist eine Talkrunde mit den Ex-Nationalkickern Manfred Kaltz und Pierre Littbarski zur Lage der Liga. Eventshopping für Männer, Einlass nur mit persönlicher Einladung, 10 Prozent auf alles. 250 Gäste schieben sich durch die Herrenabteilung bei Stackmann in Buxtehude. Immer mittendrin, parlierend und Hände schüttelnd: der Chef, Dieter Stackmann (71).

Der Unternehmer führt ein erfolgreiches Kaufhaus in einer kleinen Stadt – ein Satz, der im Amazon-Zeitalter klingt wie ein Widerspruch in sich. Während der stationäre Handel in Deutschland im vergangenen Jahr nahezu stagnierte, legte der Onlinehandel um 9,6 Prozent auf 54 Milliarden Euro zu. Immer mehr Menschen shoppen lieber mit dem Smartphone auf dem Sofa, als sich auf den Weg in die Innenstadt zu machen. Die Folge: Viele kleine Geschäfte geben auf, Textilketten wie Sinn-Leffers oder Gerry Weber rutschen in die Insolvenz, und der große Kaufhof rettete sich gerade noch zu Karstadt.

Dieter Stackmann jedoch macht einfach weiter, nur eben ganz anders als früher. Und er investiert. 2012 hat der ältere Bruder des VW-Markenvorstands Jürgen Stackmann (57) für 25 Millionen Euro ein neues Sporthaus gebaut. 2018 wurde die Damenmode runderneuert, vor wenigen Wochen die umgebaute Herrenabteilung wiedereröffnet. Pünktlich zum 100. Geburtstag, den das Unternehmen in diesem Jahr feiert.

"Alle vier bis fünf Jahre stellen wir uns komplett neu auf", sagt Dieter Stackmann. Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt nennt ihn einen "Glücksfall" für ihre Stadt. Am verkaufsoffenen Jubiläumsabend Ende März war das Haus mit handgestoppten 2350 Besuchern so voll, dass kaum ein Durchkommen war. 35 Millionen Euro Umsatz machte das Unternehmen im vergangenen Jahr, laufende Investitionen werden aus dem Cashflow bezahlt.

Die Stackmanns sind die Warenhauskönige von Buxtehude, aber landauf, landab zeigen auch andere Familienunternehmen, dass das Konzept Kaufhaus noch funktionieren kann – von Garhammer in Passau über Engelhorn in Mannheim bis L&T in Osnabrück. "Die Funktion des universellen Marktplatzes, die Warenhäuser früher hatten, gibt es nicht mehr", konstatiert Oliver Merkel, Partner und Handelsexperte bei Bain & Company. "Aber ein Händler, der sich radikal auf die Bedürfnisse seiner Kunden fokussiert, hat immer eine langfristige Überlebenschance." Egal ob er Amazon heißt oder Stackmann.

Das klingt einfach, ist in der Praxis aber alles andere als trivial. Denn was genau sind die Bedürfnisse eines Kaufhauskunden im Zeitalter des E-Commerce?

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