Watches & Wonders Die Luxusuhrenmesse in Genf als Wirtschaftsbarometer

Die Luxusuhren-Branche wird aufgemischt: Rivalen verbünden sich, neue Konkurrenten entstehen, es wird politisch taktiert und der Goldkurs sorgt für steigende Preise. Der Wettlauf um die Neuheiten des Genfer Uhrensalons Watches & Wonders hat begonnen.
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Grüner Links-Drall: Zusammen mit und für Pan Am Piloten entwickelte Rolex 1955 die GMT-Master. Inzwischen ist sie mit Hightech hochgerüstet: Das Automatikwerk der "GMT-Master II" bietet drei Zeitzonen, ist resistent vor Temperaturschwankungen und Magnetfeldern, hält 10-mal mehr Erschütterungen stand und meistert nonstop 70 Stunden Laufleistung. Zudem punktet sie mit einem Doppel-Zertifikat für Gangpräzision und einer kratzfesten, drehbaren Keramiklünette die in Grün-Schwarz nur mit Aufzugskrone links zu haben ist. Aus Edelstahl 10.300 Euro.

Foto: Rolex
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Premiere: erstmals kombiniert Patek Philippe die praktischen Funktionen einer zweiten Zeitzone mit einem Jahreskalender samt Mondphase. Für diese Fusion entwickelte die Manufaktur ein neues Automatikkaliber auf das acht Patente angemeldet sind. Für die 'Calatrava 5326' aus Weißgold werden 68.210 Euro aufgerufen.

Foto: Patek Philippe
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Weltneuheit: mit 0,5 Millimeter Höhe das dünnste Zifferblatt mit Struktur. Montblanc entwickelte dafür eine eigene Technik und lanciert sie erstmals in der neuen Taucheruhren-Linie '1858 Iced Sea Automatic Date'. Die Zifferblattstruktur erinnert an Eiskristalle der Mont-Blanc Gletscher, die Drehlünette besteht aus kratzfester Keramik und das 41 Millimeter Edelstahlgehäuse hält 30 bar Wasserdichtigkeit stand. Preisfaire 2.950 Euro mit Stahlband oder 2.750 Euro mit Kautschukband, die man selber schnell ohne Werkzeug austauschen kann.

Foto: Montblanc
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Durch und durch: meist besitzen schwarze Gehäuse eine PVD- oder DLC-Beschichtung, die sich ablösen kann. Um das zu vermeiden entwickelte IWC das durchgefärbte mattschwarze Ceratanium aus Keramik und Titan. Zeitgemäß umhüllt das kratzfeste Hightech-Material die 'Pilot's Watch Chronograph 41 Top Gun Ceratanium' mit Automatikkaliber. 13.200 Euro.

Foto: IWC
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Multitasking: gleich zehn praktische Funktionen stecken in der üppigen 44 Millimeter großen 'Luminor Goldtech Calendario Perpetuo' von Panerai. Neben dem Ewigen Kalender, der Datum, Wochentag, Jahr samt Schaltjahr werden auch eine zweite Zeitzone und die Gangreserve angezeigt. So viel Action kostet Energie. Dennoch meistert das Automatikwerk eine Laufleistung von sogar drei Tagen. Nur 33 limitierte Gold-Exemplare für je 80.000 Euro.

Foto: Panerai
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Two in One: Mit einem eigenen Manufakturkaliber samt Automatikaufzug stattet Cartier seine Ikone 'Santos de Cartier' aus. Für klassische Eleganz stehen die römischen Ziffern, Eisenbahnminuterie und das abgerundete Edelstahlgehäuse. Der Clou: im Preis inbegriffen sind zwei Wechselarmbänder aus Stahl sowie Kautschuk. Etwa 7.600 Euro.

Foto: Cartier
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Patentiertes Instrument: Nicht nur die Tonfedern und Hämmerchen der als Chronometer zertifizierten Minutenrepetition bestehen aus Saphirglas, sondern auch das gesamte Gehäuse, Krone und Zifferblatt. Somit lässt sich das musikalische Spektakel des Handaufzug-Kalibers von allen Seiten ideal beobachten. Chopard nennt sein neues Klangwerk 'L.U.C Full Strike Sapphire' und schafft es auf nur 42,5 Millimeter Diagonale zu bannen. Nur fünf Exemplare. So viel exklusive Innovation kostet etwa 465.000 Euro.

Foto: Chopard
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Rotierende Zeitreise: Jaeger-LeCoultre verbindet dies mit einem Tourbillon, das sich in 60 Sekunden einmal um die eigene Achse und in 24 Stunden einmal um das Zifferblatt dreht. 'Master Grande Tradition Calibre 948' heißt der Hingucker mit Emaille-Zifferblatt in dem 70 Stunden Handarbeit und ein automatisches Manufakturkaliber stecken. Aus 43 Millimeter Weißgold auf 20 Exemplare limitiert für 238.000 Euro.

Foto: Jaeger-Le Coultre
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Abgehoben: Oris ließ sich für die 'ProPilot X Calibre 400' von der Fliegerei inspirieren und stattet sie mit einem automatischen Fünftage-Kaliber aus. Das Ganze auf schlanke 39 Millimeter aus robustem Titan gekonnt entworfen, so dass diese Fliegeruhr auch als tägliche Dress Watch tragbar ist. Etwa 3.500 Euro.

Foto: Oris
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Dress to style: Tudor treibt immer wieder den Puls bei trend- und preisbewussten Uhrenfans. So auch bei dem neuen 'Black Bay Chrono S&G' im angesagten Bi-Color Look aus Edelstahl und Gold. Als Herzstück agiert ein automatisches und COSC-zertifiziertes Manufakturwerk mit 70 stündiger Laufleistung. Ab 5.590 Euro.

Foto: Tudor
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Moderner Wandel: Jahrzehnte fertigte A. Lange & Söhne Uhren nur aus Gold oder Platin. Inzwischen erscheint die sportive Linie 'Odysseus' in Edelstahlt und seit diesem Jahr erstmals auch in Titan. Ebenso neu ist die Farbe Eisblau für das matte Zifferblatt. Mit manufaktureigenem Automatikwerk samt Sekundenstopp, Datum und Wochentag-Anzeige. Nur 250 Exemplare für je 55.000 Euro.

Foto: A. Lange & Söhne
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Stil-Ästhet: Geschickt kombiniert Laurent Ferrier uhrmacherisches Know-how mit elegantem Neo-Klassizismus. Dieses Jahr lanciert die kleine unabhängige Manufaktur die 'Classic Origin Blue' im anschmiegsamen 40 Millimeter Titan-Gehäuse. Viel Know-how steckt auch in dem hauseigenen Handaufzugs-Kaliber, das üppige 80 Stunden Gangreserve leistet. Ca. 37.000 Euro.

Foto: Laurent Ferrier
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Astronomisch: die 'Blast Moonstruck' von Ulysse Nardin zeigt auf nur 45 Millimeter Diagonale geozentrisch die Mondbahn und die Gezeiten an. Mehr noch. Auch die Tage des Mondmonats, Weltzeit und eine zweite Zeitzone lassen sich ablesen. Trotz der vielen Funktionen hält das automatische Manufakturwerk 50 Stunden nonstop durch. Aus Titan und Keramik, 71.300 Euro.

Foto: Ulysse Nardin
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Asymmetrischer Charmeur: Piaget perfektioniert seinen Klassiker 'Limelight Gala Aventurin' auf anschmiegsame 32 Millimeter aus Weißgold, 62 Diamanten und einem Manufakturkaliber mit Automatik. Alleine das geflochtene Armband aus einem einzigen Weißgold-Faden benötigt über 100 Arbeitsstunden Herstellung. 300 Exemplare, ca. 43.000 Euro.

Foto: Piaget
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Offroad extrem: dafür schuf Zenith den ultra-robusten Chronografen 'Defy Extreme E Desert X Prix'. Eingebettet in einem Gehäuse aus Hightech-Materialien wie Carbon und Titan, liegt das automatische Chronografenwerk mit Hochfrequenz-Leistung von 1/100 Sekunden. Angeschnallt an einem Armband aus recycelten Reifen. 26.500 Euro.

Foto: Zenith
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For ever: so lautet das Motto der neuen 'Spring Drive' aus der Heritage Kollektion von Grand Seiko. Nicht nur das besonders korrosionsbestände und langlebige Stahl 'Ever-Brilliant Steel' sondern auch das manufaktureigene Automatikwerk punktet mit seiner Ausdauer – über fünf Tage hält die Gangreserve. 550 Exemplare für je 9.500 Euro.

Foto: Grand Seiko
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Hightech: Hermès ist für seine Handwerkskünste bekannt. Bei der 'Cape Cod crépuscule' kombiniert das Maison sein Know-how mit Nanotechnologie – das Zifferblatt besteht aus einer Siliziumscheibe und über Fotolithografie wird das Motiv aufgedruckt. Aus Edelstahl mit Quarzwerk 4.000 Euro.

Foto: Hermès
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Durch und durch transparent – ob das Armband, das Gehäuse oder Uhrwerksteile: Chanel präsentiert seinen Klassiker J12 komplett aus Saphirglas und veredelt ihn mit 58 Baguette-Rubinen. 'J12 X-Ray Red Edition Rouge' nennt sich die Kreation mit manufaktureigenem Automatikwerk. Nur 12 Exemplare existieren mit individueller Preisanfrage.

Foto: Chanel

Seit Corona müssen sich Viele neu erfinden. So auch die Uhrenmesse Watches & Wonders, die sich als Hybrid-Veranstaltung sowohl mit Touch & Feel-Sessions als auch mit digitalen Konferenzen ab 30. März präsentiert. Ein gänzlich neues Konzept musste her, um jeden Belangen gerecht zu werden – und das quasi zeitgleich über alle Zeitzonen.

Der Grund, viele Händler und Journalisten reisen nicht an. Die aus China wegen der strengen Quarantäneauflagen bei ihrer Rückkehr, die russischen Kollegen wegen Sanktionen und Flugverbote, andere haben oft ein mulmiges Gefühl wegen der laxen Schweizer Coronaregeln. Obwohl die Messe erst am 30. März beginnt, steht jetzt schon fest, "dass über 20 Prozent weniger Besucher teilnehmen als erwartet," wie es hinter vorgehaltener Hand des Veranstalters Fondation de la Haute Horlogerie (FHH) heißt. Als Präsident hat Emmanuel Perrin seit knapp zwei Jahren das Ruder der Messe in der Hand. Und nicht nur dort. Beim Richemont Konzern leitet er als Direktor die Spezialuhrenmanufakturen.

Rivalen verbünden sich, neue Konkurrenten entstehen

Seine Diplomatie und Strategie scheint aufzugehen. Vor zwei Jahren noch undenkbar, vereinen sich jetzt die größten Rivalen unter einem Dach. Bis 2020 hieß der Uhrensalon SIHH (Salon de la Haute Horlogerie) und wurde von den Manufakturen des Richemont Konzerns, wie Cartier, Montblanc, IWC und Jaeger-LeCoultre dominiert. Inzwischen sind die Marken Hublot, Tag Heuer und Zenith des weltgrößten Luxusgüter-Konzerns LVMH an Bord, ebenso die unabhängigen Giganten Rolex und Patek Philippe zudem Chanel, Hermès, Oris sowie Grand Seiko. Einige Manufakturen zeigen schon vereinzelt die Neuheiten der Saison.

Selbst kleinere Manufakturen und Spezialisten erhalten auf der Watches & Wonders eine Chance, darunter Armin Strom, Rebellion Timepieces und Ressence. Bemerkenswert ist auch Ulysse Nardins Messeantritt trotz der internen Umstrukturierung. Zusammen mit der Schwestermanufaktur Girard-Perregaux wurden beide kürzlich vom Luxusgüterkonzern Kering an das Management der Tochter Sowind Group verkauft.

Dieses Jahr nehmen 38 Marken an der Watches & Wonders teil, für jede ein finanzieller Kraftakt. Messealternativen in der selben Luxus-Liga existieren in Europa nicht. Die Baselworld ist seit 2020 passé, die Inhorgenta in München rangiert trotz Neuausrichtung eher in der mittleren Preisliga für Schmuck und einigen deutschen Uhrenhersteller. Naheliegend, dass ein neues Uhren-Event auf den fahrenden Zug nach Genf aufspringt – Time to Watches heißt die Messe in unmittelbarer Nachbarschaft, die erstmals am 31. März mit 30 Marken durchstartet. Darunter mit den deutschen Uhrmachern Sinn und Junghans sowie Chronoswiss, Corum und Vulcain.

Laut Branchen-Insider sei es noch zu früh, um ein geändertes Käuferverhalten wegen der weltpolitischen Situation festzustellen. Allerdings ist man bei Wempe, als einer der größten europäischen Schmuck- und Uhrenhändler, positiv über das erfolgreiche Geschäftsjahr 2021 überrascht. Den rasant steigenden Preis für Gold und Diamanten spürt das Unternehmen schon jetzt. Auch in der Nachfrage. Der Umsatz mit Golduhren und Diamant-Schmuck zieht an, da viele Käufer es als Investmentalternative, Krisenwährung oder Inflationsabsicherung betrachten.

Lieferstopps und Imagepolitur

Steigende Goldpreise, Währungsschwankungen und plötzliche Sanktionen bereiten den Uhrmacher dieses Jahr bei der Preiskalkulation starke Kopfschmerzen. Obwohl Russland bei Schweizer Uhrenexporten 2021 auf Platz 17 lag (top Drei sind USA, China, Hongkong, auf Platz 7 lag Deutschland), ist diese Käuferschicht in London, New York oder an der Côte d'Azur ein Zugpferd. Dennoch machen laut Morgan Stanley beim Gesamtumsatz Russen im In- und Ausland weniger als drei Prozent bei Richemont aus, bei LVMH sind es unter zwei Prozent. Die Verluste, die Rolex, Patek Philippe, Richemont, LVMH aber auch die Swatch Group, Breitling, Audemars Piguet und andere Uhrenbrands durch ihre Lieferstopps haben, sind zu verkraften. Das positive Image steigert sich sogar. Hintergrund dürfte zudem das Sanktionspaket der EU sein, dem sich die Schweiz anschloss – die Ausfuhr von Luxusgütern ab 300 Euro ist verboten.

Rundum herrscht eine Gemengelage, die nur für eine Tendenz spricht: die Preisspirale setzt sich immer schneller und stetig fort – nach oben.

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