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Die Frauen kommen

Deutsche Bank: Der Primus will den Anteil weiblicher Führungskräfte deutlich hochschrauben.
Von Patricia Döhle
aus manager magazin 3/2000

Auf diesen Termin darf Rolf-E. Breuer (62) sich freuen: Am 14. März wird der Vorstandssprecher der Deutschen Bank im Frankfurter Hermann-Josef-Abs-Saal von mehreren hundert Frauen erwartet.

Die Veranstaltung ist allerdings streng geschäftlich. "Women in European Business" heißt die Konferenz, die Breuer mit eröffnet und die alles andere als ein Alibitermin für karrierebewegte Frauen sein soll. Weil Talente knapp werden, will der Frankfurter Geldprimus das Potenzial seiner Mitarbeiterinnen besser ausnutzen.

Abgeschaut hat die Deutsche Bank diese Idee von Bankers Trust, ihrer im vergangenen Jahr erworbenen Investmentbank. Das US-Institut gilt als besonders fortschrittlich in puncto Frauenförderung. An der Bankers-Trust-Konferenz "Women on Wall Street" nehmen alljährlich weit mehr als tausend Managerinnen teil.

Bei der Europa-Premiere ist eine hochkarätige Riege am Start. Mit dabei: Axa-Colonia-Vorstand Jutta Stöcker (45), DaimlerChrysler-Direktorin Kathy Oswald (50), McKinsey-Partnerin Annet Aris (41) und natürlich die Spitzenfrauen der Deutschen Bank: Fondsverwalterin Elisabeth Weisenhorn (43) etwa, Heike Day (43), Personalchefin der Deutschen Bank 24, Investmentbankerin Franca Peters (51) und Ingeborg Rösler-Schubäus (46), die Kreditrisiken für internationale Großunternehmen managt - allesamt direkt unter dem Vorstand angesiedelt.

"Women in European Business" soll zeigen, dass Topunternehmen auf gut ausgebildete Frauen in Führungspositionen nicht mehr verzichten können. "Das hat nichts mit fragwürdigen Quo- tenerwägungen zu tun", betont Breuers Vorstandskollege Tessen von Hey- debreck (55), der die Initiative betreut. Ziel sei es vielmehr, Fähigkeiten, die Frauen ausgeprägter und öfter besitzen als Männer, stärker zu nutzen.

Annette Kersch (41), Mitorganisatorin der Frankfurter Konferenz, weiß, um welche Fähigkeiten es sich dabei handelt. Frauen kämen beispielsweise "besser als Männer mit Chaos zurecht. Diese Eigenschaft wird für Firmen in Zukunft immer wertvoller, weil das Veränderungs- tempo in der Wirtschaft sie zwingt, sich in flexiblen Netzwerken statt in starren Hierarchien zu organisieren".

Der Mutter zweier kleiner Töchter ist das Kunststück gelungen, mit einem dreitägigen Teilzeitjob bis auf die höchste Verantwortungsstufe unterhalb des Vorstands vorzustoßen. Im so genannten Corporate Center verantwortet sie die Bereiche Kos- tenmanagement und Projekte und gehört damit zu den höchstrangigen Frauen im Deutsche-Bank-Konzern.

Im Vorstand gibt es seit dem Tod von Ellen-Ruth Schneider-Lenné vor drei Jahren kein weibliches Mitglied mehr. Acht Managerinnen arbeiteten sich auf die gleiche Ebene wie Kersch vor, weitere 42 haben eine Stufe darunter erklommen. Insgesamt sind rund 17 Prozent aller Führungskräfte der Deutschen Bank weiblich.

Das sind 2 Prozent mehr als im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft, in den Augen des Vorstands aber immer noch zu wenig. 20 Prozent sollen es in fünf Jahren sein.

Die Konferenz gibt dabei auch nach außen einen neuen Impuls. Zusätzlich treibt die Deutsche Bank die Frauenförderung intern mit der Einrichtung von Netzwerken und einem Mentorenprogramm voran. Müttern wird der Wiedereinstieg erleichtert, etwa durch den verbrieften Anspruch auf einen Teilzeitarbeitsplatz. Der Vorstand lässt sich monatlich über die aktuelle Frauenquote unter den Führungskräften informieren.

Für Heydebreck hat das Engagement in Sachen Frauenförderung auch einen privaten Hintergrund: Der Mann hat vier Töchter. Zwei sind bereits berufstätig.

Kluge Mädels offenbar, die dem Vater sagen, wo's langgeht. "Meine Frauen", so Heydebreck, "haben mir klargemacht: Auf Dauer dürfen wir nicht die Andersartigkeit des weiblichen Geschlechts betonen. Wir müssen erreichen, dass das Geschlecht einer Führungskraft keine Rolle mehr spielt." Patricia Döhle

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