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J. C. Flowers "Die Flasche ist leer"

Der US-Finanzinvestor hat sich bei Hypo Real Estate und HSH Nordbank verhoben.
Von Ulric Papendick
aus manager magazin 11/2008

Der US-Finanzier J. Christopher Flowers (50) entspricht nicht unbedingt dem gängigen Bild der gierigen Heuschrecke, wie es SPD-Chef Franz Müntefering (68) vor drei Jahren prägte.

Zwar ist es Flowers' erklärtes Ziel, mit seinen Firmenbeteiligungen in einem überschaubaren Zeitraum möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Doch der Amerikaner lässt seinen Unternehmen in der Regel einen gewissen Spielraum, sich zu entfalten.

In jüngster Zeit scheint allerdings auch Flowers ein wenig seiner Gelassenheit eingebüßt zu haben. In Deutschland nämlich ist der Investor an zwei Problemfällen beteiligt - der HSH Nordbank in Hamburg und der Münchener Hypo Real Estate (HRE).

Bei der Beinahepleite der HRE, die mit einer Milliardenbürgschaft aufgefangen werden musste, entfaltete Flowers ungewohnte Betriebsamkeit. Der Investor habe bei seiner Deutschland-Statthalterin Renate Krümmer (52) teilweise im Zweistundentakt Informationen eingefordert, berichten Insider.

Die Nervosität ist verständlich. Flowers' knapp 25-prozentiges Aktienpaket an der HRE, beim Kauf im Juni dieses Jahres rund 1,1 Milliarden Euro teuer, wird an der Börse nur noch mit rund 300 Millionen Euro bewertet.

Auch bei der HSH, an der Flowers seit Oktober 2006 mit knapp 27 Prozent beteiligt ist (Kostenpunkt damals: 1,25 Milliarden Euro), läuft es für ihn nicht rund. Im Mai dieses Jahres musste er im Rahmen einer Kapitalerhöhung 300 Millionen Euro nachschießen.

Für den früheren Goldman-Sachs-Banker, der mit seinen Private-Equity-Fonds seit 2002 insgesamt rund acht Milliarden Dollar (knapp sechs Milliarden Euro) an Kapital eingesammelt hat, ist das mehr als nur Kleingeld.

Wenigstens hat er seine Investments allesamt solide finanziert, so lässt Flowers jedenfalls verbreiten. Tiefs könne er aussitzen. Seine Geldgeber hätten einen langen Atem. Hinter Flowers' Fonds stehen große internationale Banken.

In Hamburg wird das Durchhaltevermögen des New Yorker Großaktionärs offenbar weniger optimistisch eingeschätzt. Von Flowers sei wohl kein Cent mehr zu erwarten, raunen sich HSH-Manager zu: "Die Flasche ist leer."

Möglicherweise hängt die schlechte Nachrede damit zusammen, dass Flowers seinerseits nicht sehr zufrieden sein soll mit dem Management der Landesbank. Die Professionalität lasse zu wünschen übrig, kritisierte der Private-Equity-Manager gegenüber Vertrauten.

Auch über die bislang in München handelnden Personen ist der New Yorker alles andere als begeistert. Den Abtritt von HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz (69) betrieb er kräftig mit. Ein möglicher Kandidat für die Nachfolge ist offenbar der frühere Chef der Stuttgarter BW-Bank, Frank Heintzeler (68). Übergangsweise leitet der frühere Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle (70) den HRE-Aufsichtsrat.

Dem neuen HRE-Führungsduo, bestehend aus dem Ex-Deutschbanker Axel Wieandt (42) und dem früheren Commerzbank-Schatzmeister Kai Wilhelm Franzmeyer (44), steht der Amerikaner wohl eher reserviert gegenüber. So ließ Flowers intern die Parole ausgeben, alle Geschäfte der HRE mit der Deutschen und der Commerzbank seien künftig auf das Genaueste zu kontrollieren.

Vor allem die Rolle der Deutschen Bank beäugt Flowers mit Argwohn. Der Frankfurter Branchenprimus war schon vor Monaten vom früheren HRE-Chef Georg Funke (53) beauftragt worden, die Werthaltigkeit einzelner HRE-Portfolios zu prüfen. Flowers will offenbar verhindern, dass beim weiteren Krisenmanagement die Interessen von Deutscher und Commerzbank bevorzugt berücksichtigt werden.

Dem Finanzakrobaten bleibt nur die Hoffnung, dass das Bankenbeben den Konsolidierungsdruck im Geldgewerbe spürbar erhöht. Die aus seiner Sicht provinziellen deutschen Banken zu wettbewerbsfähigen Einheiten zusammenzuschmieden ist schon seit Jahren Flowers' Ziel. So gesehen, liegt für ihn in der Krise auch eine Chance. Ulric Papendick

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