Entrepreneure des Jahres Hermann, die Schweißperle

Schweißen statt kleben – mit seiner umwelt­freundlichen Ultraschalltechnologie verschließt das Unternehmen viele Produkte des täglichen Bedarfs. Aber das reicht den badischen Tüftlern nicht. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Ideen.
Schall ohne Rauch: Sein Vater Walter entwickelte das Schweißen mit Ultraschall. Sohn Thomas Herrmann – hier im Foyer der Haupt­verwaltung – vermarktet die Technologie weltweit.

Schall ohne Rauch: Sein Vater Walter entwickelte das Schweißen mit Ultraschall. Sohn Thomas Herrmann – hier im Foyer der Haupt­verwaltung – vermarktet die Technologie weltweit.

Foto: Auftrag für manager magazin

Unter Geschäftsleuten heißt die Gegend Ultraschall Valley, auch wenn hier, südlich von Karlsruhe, das Rheintal längst in die sanfte Hügellandschaft des Nordschwarzwalds übergeht. Was aber stimmt: Das Industriegebiet von Karlsbad ­dominieren Firmen, deren gemeinsame Basis die Ultraschalltechnik ist.

Mittendrin der Nukleus – die Herrmann Ultraschalltechnik GmbH & Co. KG mit rund 600 Mitarbeitern und 115 Millionen Euro Umsatz. Vor dem Empfangsgebäude wehen die Flaggen Deutschlands, der USA, Chinas und Japans. Hier residiert ein Global Player, ein Hidden Champion, der eine Nische mit einer fast einzigartigen Technologie ausfüllt: dem Verschweißen diverser Produkte mit Ultraschall.

Die Entrepreneure des Jahres 2021

Sie sind innovativ, wachstumsstark und sozial. Zum 25. Mal werden in vier Kategorien die deutschen Sieger im Wett bewerb "Entrepreneur des Jahres" gekürt. Einer schafft es in die nächste Runde – zum globalen Finale in Monte Carlo.

Weitere Informationen zu Methode finden Sie hier.

Ob Batterien, Kaffeekapseln, Staubsaugerbeutel oder Windeln – sie alle müssen verschweißt und versiegelt werden. Das kann konventionell mit dem sogenannten Heißsiegeln geschehen oder eben mit Ultraschall. Ein komplizierter Vorgang, dessen Ergebnis aber jeder versteht: Die Verpackungen sind dadurch dichter, führen zu weniger Ausschuss, und sie brauchen keinen Klebstoff. „Unsere Technik ist ressourcenschonend und passt damit bestens in die Zeit der Nachhaltigkeit“, sagt Thomas Herrmann (58), der in zweiter Generation das Familienunternehmen führt.

In seinem geräumigen Eck­büro greift Thomas Herrmann in ein Regal und holt einen Bildband heraus. Sein Titel: „Zeitpunkte“. Er blättert das Buch ­andächtig durch und erzählt anhand der Bilder die Geschichte des Unternehmens. Sein Vater Walter Herrmann (86) stammt aus einer armen Bauernfamilie. Er war ein Bastler und ein Elektronikfreak, der Radios ausein­andernahm. Auf Druck seiner

Eltern musste er eine Dachdeckerlehre anfangen. Er schaffte es aber, sie doch noch zu überzeugen – und durfte eine Elektrolehre bei Siemens in Karlsruhe absolvieren. Nach dieser Lehre machte sich Walter Herrmann bald selbstständig. Er hatte 1961 in der heimischen ­Garage in Ötisheim einen Generator für Ultraschallmaschinen entwickelt. Daraus entstand die Technologie, die heute die Basis des Unternehmens ist – das Ultraschallschweißen.

Nachdem der Vater die technologische Grundlage geschaffen hatte, kam Ende der 80er Jahre der Sohn ins Spiel. Als Schüler blieb er zweimal sitzen, einmal wegen Englisch, das andere Mal wegen Mathematik. Letzteres Manko hielt ihn („Ich bin ein Spätzünder“) nicht davon ab, ein Studium des Maschinenbaus an der FH Karlsruhe zu beginnen. Als er damit fertig war, ging er, 26 Jahre alt, in die USA, um dort den Vertrieb für den damals noch kleinen elterlichen Betrieb aufzubauen. Eigentlich wollte er das gar nicht und sein Vater auch nicht. Doch er war der Einzige in der Firma, der Englisch sprach.

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