Entrepreneure des Jahres Der Weg nach Monaco

Sie sind innovativ, wachstumsstark und sozial. Zum 25. Mal werden in vier Kategorien die deutschen Sieger im Wett­bewerb "Entrepreneur des Jahres" gekürt. Einer schafft es in die nächste Runde – zum globalen Finale in Monte Carlo.

Monte Carlo – Stadt der Superreichen, der Stars und Sternchen. Einmal im Jahr, meist im Juni, pilgern allerdings an einem langen Wochenende sehr bodenständige Menschen in die mondäne Stadt am Mittelmeer: Unternehmer, die etwas geleistet haben und selten darüber reden. Es sind Entrepreneure aus 60 Staaten – von Norwegen bis Südafrika –, die in ihren jeweiligen Ländern ein wachstumsstarkes Unternehmen aufgebaut haben.

Sie alle sind nationale Sieger des Wettbewerbs "Entrepreneur of the Year", der von der Beratungsgesellschaft EY (früher: Ernst & Young) veranstaltet wird. In Monte Carlo wird jedes Jahr – mit Ausnahme der beiden Corona-Jahre – einer oder eine von ihnen in einer Galaveranstaltung zum "World Entrepreneur of the Year" gekürt. Das Event ähnelt fast einer Oscar-Verleihung. Männer in Smokings, Frauen in Abendkleidern halten sich erst an Champagnergläsern fest, dinieren dann mehrgängig, ehe die Stimmung ihrem Höhepunkt zustrebt und verkündet wird: "The winner ist …" Es folgen Tusch und ein minutenlanges Feuerwerk am Nachthimmel über Monte Carlo.

Für die nationalen Sieger ist es freilich ein langer Weg nach Monte Carlo, wo die nächste Preisverleihung für kommenden Juni angesetzt ist. Für die Deutschen begann die Qualifikation im Frühjahr 2021. Bis zum 30. April mussten die Unternehmer ihre Unterlagen zur Teilnahme am nationalen Wettbewerb "Entrepreneur des Jahres" einreichen. Mitmachen konnten Unternehmer, die folgende formale Kriterien erfüllten:

  • Sie müssen entweder Inhaber des Unternehmens sein oder zumindest einen Anteil daran halten.

  • Sie tragen die Verantwortung für das Wachstum der vergangenen Jahre.

  • Sie sind seit mindestens zwei Jahre aktive Mitglieder der Unternehmensführung (zum Beispiel im Vorstand, in der Geschäftsführung oder im Aufsichtsrat).

  • Sie können die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre des Unternehmens vorlegen.

Außerdem muss das Unternehmen seinen Hauptsitz in Deutschland haben und einen Umsatz in mindestens zweistelliger Millionenhöhe vorweisen.

Sobald sie diese Unterlagen haben, schwirren EY-Mitarbeiter aus und führen Interviews mit den Teilnehmern. Die Ergebnisse dieser Gespräche fassen sie in Dossiers zusammen, die dann der Jury zugestellt werden.

Im Juli trifft sich die unabhängige Jury – vom Veranstalter EY ist niemand stimmberechtigt dabei – zur finalen Sitzung. Sie tagt unter dem Vorsitz von Manfred Wittenstein, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wittenstein SE, einem Maschinenbauunternehmen aus dem Norden Baden-Württembergs. Wittenstein war selbst einmal Gewinner des nationalen Wettbewerbs.

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Entrepreneur Of The Year 2021 - das sind die Sieger

Foto: Matthias Rüby

Ihn unterstützen sechs weitere Jurymitglieder: Ulrike Detmers (Vorsitzende der Geschäftsführung Mestemacher Management GmbH), Natalie Mekelburger (Vorsitzende der Geschäftsführung Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG), Sarna Röser (Mitglied der Geschäftsführung Röser FAM GmbH & Co. KG und Bundesvorsitzende Die Jungen Unternehmer), Professorin Christine Volkmann (Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung an der Bergischen Universität Wuppertal) sowie Patrick Adenauer (Geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens GmbH & Co. KG) und Hartmut Jenner (Vorsitzender des Vorstands der Alfred Kärcher SE & Co. KG).

Diese sieben erfahrenen Manager, Managerinnen, Unternehmer und Wissenschaftler brüten dann über den Dossiers der Entrepreneure. Wichtige Kriterien sind Wachstum, Zukunftspotenzial, Innova­tionskraft, Mitarbeiterführung und gesellschaftliche Verantwortung.

Danach wählen sie die 36 Finalisten, aus denen wiederum die Sieger in vier Kategorien bestimmt werden. Die Kategorien haben sich im Laufe der Jahre – in Deutschland findet der Wettbewerb zum 25. Mal statt – geändert. Früher waren sie an Branchen orientiert, heute an vier Querschnittsthemen: Nachhaltigkeit, Innovation, Familienunternehmen und Junge Unternehmen. Die vier diesjährigen Sieger sind der Outdoor-Bekleidungshersteller Vaude (Nachhaltigkeit), das Medizin­technikunternehmen Dürr Dental (Familienunternehmen), Herrmann Ultraschalltechnik (Innovation) und der Onlinematratzenhändler Emma (Junge Unternehmen).

Neben diesen vier Siegern werden noch zwei Ehrenpreisträger von der Jury nominiert. Einer wird für außergewöhnliches unternehme­risches und gesellschaftliches En­gagement ausgezeichnet. Dieser Preis geht an Alexander Knauf (47), Inhaber der gleichnamigen Knauf Gruppe in Iphofen bei Würzburg, für seine Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit. Der zweite Ehrenpreis wird für außergewöhnliches wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement vergeben. Ihn erhält dieses Jahr das Ehepaar Uğur Şahin (56) und Özlem Türeci (54), Gründer des Pharma-Shootingstars Biontech in Mainz.

Diese beiden Ehrenpreisträger und die vier Kategoriesieger wurden am 4. November beim deutschen Finale in der Verti Music Hall in Berlin geehrt. Aus dem Siegerquartett wird auch diesmal der nationale Cham­pion ausgewählt. Am Schluss der Veranstaltung verkündet die Moderatorin des Abends, Judith Rakers: "The winner is …"

Und den trifft man dann im nächsten Juni in Monte Carlo.

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