Komplette Rangliste Die 500 teuersten Unternehmen der Welt – deutsche Konzerne steigen ab

Die Liste der wertvollsten Konzerne der Welt zeigt den dramatischen Bedeutungsverlust deutscher Unternehmen, von denen kein einziges mehr in den Top 100 zu finden ist. Die Grafik zeigt, welche Länder und Branchen aktuell den Ton angeben.
Big Tech dominiert: 9 der 10 wertvollsten Konzerne der Welt kommen aus den USA. 5 davon (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta) haben ein digitales Geschäftsmodell. Unter den Top 150 sind mit SAP, Deutsche Telekom und VW nur 3 deutsche Unternehmen zu finden.

Big Tech dominiert: 9 der 10 wertvollsten Konzerne der Welt kommen aus den USA. 5 davon (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta) haben ein digitales Geschäftsmodell. Unter den Top 150 sind mit SAP, Deutsche Telekom und VW nur 3 deutsche Unternehmen zu finden.

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picture alliance/dpa; Reuters (2); Getty Images

Die USA dominieren weiterhin, trotz des Kursrutsches an den Börsen: Der Marktwert der 100 wertvollsten börsennotierten Konzerne der Welt ist im ersten Halbjahr 2022 um rund 17 Prozent gesunken, von rund 36 Billionen auf knapp 30 Billionen US-Dollar. Die in den Top 100 vertretenen 23 Tech-Konzerne haben im Schnitt sogar 28 Prozent an Wert verloren – was dazu führt, dass der US-Techriese Apple den Titel des teuersten Konzerns der Welt an den saudischen Ölkonzern Saudi Aramco abgeben muss. An der Dominanz der USA ändert dieser Wechsel an der Spitze aber nichts: 9 der 10 wertvollsten Firmen der Welt kommen aus den Vereinigten Staaten, 5 davon (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta) aus der Technologiebranche.

Das halbjährliche Ranking der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY  hat für deutsche Anleger und Firmenlenker aber eine viel wichtigere Botschaft. Es dokumentiert den fortschreitenden Bedeutungsverlust deutscher Unternehmen an den weltweiten Kapitalmärkten.

Im Jahr 2007 waren noch sieben deutsche Konzerne unter den Top 100 vertreten. Zum Jahresende 2021 waren es mit SAP und Siemens nur noch 2. Zum Abschluss des ersten Halbjahrs 2022 schafft es kein deutsches Unternehmen mehr in die Top 100: Deutschlands wertvollster Konzern SAP ist von Rang 80 auf Rang 113 abgestürzt, was auch intern den Frust steigen lässt . Die Deutsche Telekom folgt auf Rang 120, der Autobauer Volkswagen auf Rang 148. Siemens schafft es nach dem jüngsten Kursrutsch nicht einmal mehr unter die Top 150.

SAP, Telekom, VW und Siemens weltweit abgeschlagen

Für Deutschlands einstigen Vorzeigekonzern SAP ist dieser Abstieg besonders bitter. Der wertvollste europäische Techkonzern aus Walldorf hat seit Jahresbeginn rund ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt und war zum Stichtag 30. Juni 2022 nur noch 106 Milliarden Dollar wert. Direkte Konkurrenten wie Oracle und Salesforce aus den USA haben zwar auch unter dem Tech-Crash gelitten, sich im direkten Vergleich aber besser geschlagen. Nicht nur die Umstellung des Geschäftsmodells auf das Cloud-Geschäft, sondern auch der Führungsstil von SAP-Chef Christian Klein  sorgen für Unruhe in Walldorf.

Trotz des Kursrutsches im Tech-Sektor um knapp 30 Prozent seit Jahresbeginn bleibt die Technologiebranche der mit Abstand wichtigste Sektor im weltweiten Börsenwert-Ranking. 23 Tech-Unternehmen sind in den Top 100 vertreten. Diese bringen es auf eine Börsenbewertung von rund 14,3 Billionen Dollar, fast doppelt so viel wie die 20 platzierten Unternehmen aus der Konsumgüterbranche.

Digitalisierung stärkt USA und China

Der Abstieg von Corporate Germany an den weltweiten Börsen hat vor allem einen Grund: Die Digitalisierung bestimmt immer mehr Bereiche der weltweiten Wirtschaft – und offenbart die Schwächen der hiesigen Konzerne. "Der Digitalisierungstrend hat das Gewicht Deutschlands und Europas an den Weltbörsen schrumpfen lassen", sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY. Vor der Finanzkrise Ende 2007 kamen noch 46 der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt aus Europa. Inzwischen sind es nur noch 16: Das wertvollste europäische Unternehmen, der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé, belegt im weltweiten Ranking Platz 20. Der französische Luxusriese LVMH folgt auf Rang 22, der Schweizer Pharmamulti Roche auf Rang 30.

"Die schwache Aufstellung Europas und Deutschlands im Technologiesegment sollte uns zu denken geben", kommentiert Ahlers. Die USA profitierten im Vergleich zu Europa von einer höheren Risikobereitschaft amerikanischer Unternehmensgründer sowie deutlich besseren Finanzierungsbedingungen: "Vor allem in den USA ist es jungen Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und damit ganze Branchen zu revolutionieren. Europa hat in diesen Bereichen Nachholbedarf."

Als Gestalter des technologischen Wandels spielten neben den USA allenfalls noch asiatische Konzerne eine Rolle – europäische Konzerne hingegen kaum, so der EY-Chef. Der wertvollste chinesische Konzern ist ebenfalls ein Technologieriese: Tencent auf Rang 11. Der Online-Handelsriese Alibaba konnte im ersten Halbjahr im Gegensatz zu den US-Giganten seinen Wert sogar um gut 2,5 Prozent steigern – weswegen er im Ranking um fünf Platze auf Rang 23 aufrückt.

Auch frühere Schwergewichte wie die deutschen Autobauer müssen sich inzwischen mit Plätzen in den hinteren Reihen begnügen. Volkswagen (148), Mercedes (225) und BMW (289) sind zusammengenommen an der Börse deutlich weniger Wert als der US-Autobauer Tesla (Rang 6). Die Investoren sehen in dem US-Elektroautobauer offenbar eher ein Technologieunternehmen, das damit deutlich höher bewertet wird. Volkswagenchef Herbert Diess (64) nimmt sich an Tesla ein Beispiel und hat den Eignern den Umbau vom Auto- zum Softwarekonzern versprochen – doch die Transformation ist schwieriger als gedacht und erzeugt erhebliche innere Spannungen. 

147 US-Konzerne unter den Top 300 ...

Um zu erfassen, welche Industrienationen sich inzwischen weit vor Deutschland geschoben haben, lohnt ein Blick auf die erweiterte Liste der Top 300 Unternehmen. Unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt kommt fast jedes zweite aus den USA (147). Auf dem zweiten Rang rangiert China mit 39 Konzernen. Auf Rang 3 und 4 folgen Frankreich und Großbritannien mit jeweils 13 Global Playern, auf Platz 5 und 6 dann Kanada und Japan mit jeweils 11 Unternehmen. Deutschland belegt im Top-300-Ranking lediglich den siebten Rang mit aktuell 10 Unternehmen, drei weniger als noch vor einem halben Jahr.

... und nur 10 aus Deutschland

Zu diesen zehn deutschen Unternehmen unter den Top 300 zählen SAP (113), Deutsche Telekom (120), Volkswagen (148), Siemens (152), Allianz (162), Merck (176), Mercedes (225), Bayer (241), Siemens Healthineers (246) und BMW (289). In der Vergangenheit gehörte noch der Industriegase-Anbieter Linde (74) zu den Börsenschwergewichten aus Deutschland. Der Konzern, rund 144 Milliarden Dollar wert, ist auch nach wie vor Mitglied im deutschen Aktienindex Dax. Infolge der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair hat Linde seinen Hauptsitz in Irland, der Linde-Chef führt aus den USA.

Perspektivisch könnte es jedoch einen Newcomer geben: T-Mobile US. Die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom ist rund 168 Milliarden Dollar wert – rund 62 Milliarden Dollar mehr als der deutsche Primus SAP. Doch noch ist T-Mobile US ein US-Konzern, die Telekom stockt zwar ihre Anteile auf, hält bislang jedoch erst 48,4 Prozent.

Nur Öl- und Gaskonzerne konnten ihren Wert steigern

Insgesamt ist die Wertentwicklung der 500 größten Konzerne deutlich zurückgegangen. "In allen Weltregionen und fast allen Branchen verloren Unternehmen erheblich an Wert", sagt EY-Mann Ahlers. Die erheblich eingetrübten Konjunkturaussichten, die hohe Inflation, steigende Zinsen und die massiven geopolitischen Spannungen hätten zu Verunsicherung geführt – obwohl viele der Top-Konzerne nach wie vor hohe Gewinne ausweisen.

Einzig Öl- und Gasunternehmen konnten von den stark gestiegenen Energiepreisen profitieren und verzeichneten steigende Aktienkurse. Die Schwergewichte der Branche konnten im Schnitt 19 Prozent hinzugewinnen.

Ahlers rechnet mit einem sehr schwierigen zweiten Halbjahr: "Die Gefahr einer weltweiten Rezession ist inzwischen real." Für Corporate Germany, dessen Geschäftsmodell auf freiem Welthandel, Globalisierung und einer hohen globalen Nachfrage fußt, sind das eher trübe Aussichten.

la/lh
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