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Deutsches Abenteuer

Spar: Anhaltende Verluste stürzen den Mehrheitseigner Intermarché in eine Führungskrise.
Von Petra Schlitt
aus manager magazin 8/2002

Wenn es um die Zukunft der hochdefizitären Deutschen Spar geht, wird Alain Rocher (51) einsilbig. Kürzlich nahm der Generalsekretär der französischen Einzelhandelsorganisation Intermarché in Hamburg an der Bilanzpressekonferenz der Spar Handels-AG teil, deren Großaktionärin Intermarché ist. "Intermarché wird die Spar weiter unterstützen", sagte Rocher auf Anfrage von Journalisten, "das sehen Sie daran, dass ich heute hier bin."

Ob und wie lange Rochers Zusage Bestand hat, wird sich zeigen. Denn bei Intermarché wächst Widerstand gegen das Deutschland-Engagement.

Das kostete die Franzosen bislang immerhin 1,3 Milliarden Euro. Rund 100 Millionen Euro Verluste wies Spar-Chef Fritz Ammann (58) nur für das Geschäftsjahr 2001 aus. 150 Millionen Miese machten allein die Eigenbetriebe (Eurospar, Intermarché). Ammann: "Das ist unser großes schwarzes Loch."

Ein Abgrund, der vielen in Frankreich allmählich unheimlich wird. Intermarché (Eigenwerbung: "Die Musketiere") ist ein Zusammenschluss selbstständiger Super- und Verbrauchermarktbetreiber. Und die klagen zunehmend über das Deutschland-Abenteuer.

Bislang schaffte es die Intermarché-Spitze, zu der neben Rocher auch Firmengründer und Ehrenaufsichtsrat Jean-Pierre Le Roche sowie Intermarché-Präsident und Spar-Aufsichtsratschef Pierre Gourgeon zählten, immer wieder, die aufgebrachten Händler zu besänftigen. Bei der Intermarché-Hauptversammlung im Juni wurden die Spitzenleute in den Ämtern bestätigt.

Doch seitdem die miesen 2001er-Zahlen der Spar bekannt sind, ist es mit der Ruhe vorbei. Ein Einzelhändler namens Jean-Pierre Menier führt eine Gruppe von aufständischen Musketieren an. Aus Protest gegen die Politik der Führungsspitze trat Menier kürzlich aus allen Gremien aus.

Menier und seine Mannen wollen das Deutschland-Engagement beenden. Sie wollen keinerlei personelle Rücksichten mehr nehmen. Die gesamte Führungsspitze von Intermarché steht auf ihrer Abschussliste.

Das Problem bei der deutschen Tochter wiegt umso schwerer, als Intermarché im eigenen Land Probleme hat. Im vergangenen Jahr verloren die Musketiere einen ganzen Marktanteilspunkt an die Konkurrenz.

Inzwischen gesteht Rocher Fehler beim Kauf der Spar ein. "Wir haben nicht genau genug hingeschaut", sagt er. Die Franzosen hatten die Firma von der Investorengruppe NHH rund um Klaus-Peter Schneidewind (55) über- nommen. Schneidewind hatte ihnen Spar als wachstumsstarke Firma präsentiert. Die Intermarché-Leute freuten sich, sie konnten zum größten Lebensmittelhändler Europas aufsteigen.

Die Begeisterung ist gewichen. "NHH hat einen guten Deal gemacht", sagt Rocher heute. Aber auch: "Wir sind selbst schuld."

Die deutsche Seite weist indes jeden Verdacht von sich, die Franzosen übervorteilt zu haben. "Der Deal war in Ordnung", sagt der zur NHH-Gruppe gehörende Clemens Vedder (55), "allenfalls machte das Management hinterher Fehler." Der Kauf von Spar habe den Franzosen Konditionenverbesserungen von einem Prozentpunkt bei den Lieferanten gebracht. Vedder: "Hochgerechnet auf den Umsatz, ist das eine Menge Geld, da gibt es nichts zu meckern."

Bessere Einkaufskonditionen hat Intermarché zwar bekommen. Doch die decken gerade mal die Hälfte der bisher aufgelaufenen Spar-Verluste ab. Petra Schlitt

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