Ungebremster Paketboom Post wächst in drei Monaten so stark wie sonst in drei Jahren

Die Deutsche Post erhöht ihre Geschäftsprognose nach dem Rekordergebnis für 2020 nochmals. Auch gegenüber den Wettbewerbern im boomenden Logistikmarkt sieht sich der Konzern als Gewinner.
Krisengewinner: Postchef Frank Appel präsentiert die Bilanz für 2020

Krisengewinner: Postchef Frank Appel präsentiert die Bilanz für 2020

Foto: Sepp Spiegl / imago images/sepp spiegl

Das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucher in der Corona-Pandemie beflügelt die Deutsche Post. Der Bonner Konzern verzeichnete 2020 einen nie dagewesenen Paketboom und will nun weiter auf Rekordjagd gehen. "Der E-Commerce-Boom wird anhalten", sagte Konzernchef Frank Appel (59) am Dienstag. Dieser hatte der Post 2020 rasant steigende Sendungsmengen im Paket- und Expressgeschäft beschert. "Wir haben in drei Monaten das Wachstum von drei Jahren erlebt", bilanzierte Expressspartenchef John Pearson (58). Das Wachstum werde sich nun auf hohem Niveau normalisieren, prognostizierte Appel. Zudem setzt er auf eine Erholung des Welthandels. Der Bonner Konzern wolle 2021 den operativen Ertrag (Ebit) auf mehr als 5,6 Milliarden Euro steigern. 2023 sollen es dann mehr als sechs Milliarden Euro werden.

Der Lockdown in der Corona-Krise hatte dem Onlinehandel einen entscheidenden Schub gegeben, immer mehr Verbraucher ordern ihre Waren im Internet. Der Post bescherte dies 2020 Rekordergebnisse. Allein in Deutschland transportierte der Konzern 1,6 Milliarden Pakete, im Vorjahr waren es noch 1,4 Milliarden. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) kletterte im abgelaufenen Jahr von 4,1 auf 4,8 Milliarden Euro. Der Umsatz des Logistikkonzerns stieg um über 5 Prozent auf 66,8 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,35 (Vorjahr: 1,15) Euro je Aktie erhalten.

Zudem beginnt die Post noch im März mit einem erneuten Rückkauf eigener Aktien. Das auf ein Jahr angelegte Programm soll einen Umfang von bis zu einer Milliarde Euro haben. Bei den Investoren kam das gut an - Post-Aktien  legten mehr als 3 Prozent zu und notierten bei einem Jahreshoch von 44,58 Euro.

Den Mitarbeitern hatte die Post in der Corona-Krise bereits 2020 einen Sonderbonus bezahlt. Ob es auch 2021 eine Sonderzahlung gibt, ist Appel zufolge noch nicht entschieden. Der Bonner Konzern stellte im vergangenen Jahr rund 20.000 neue Mitarbeiter ein - etwa 40 Prozent davon in Deutschland - und beschäftigt nun weltweit 570.000 Menschen.

Wettbewerber abgelenkt - Post rechnet sich höheren Marktanteil aus

Mit Blick auf die Mittelfristziele bis 2023 zeigte sich Finanzchefin Melanie Kreis (49) optimistischer als bisher. Die Investitionen sollen etwa nun kumuliert für den Zeitraum 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro betragen. Zuvor hatte die Post rund 9,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Für das laufende Jahr geht Appel nicht davon aus, dass sich der Onlineboom so rasant fortsetzt wie noch 2020. Doch würden die Verbraucher, die in der Pandemie in die Onlineshops wechselten, diese weiter nutzen. Auch werde das Geschäft mit Firmenkunden anziehen, wenn die Folgen der Pandemie für diese abebben. "Wir erwarten Wachstum auf einer höheren Basis", sagte Appel.

Auch Wettbewerber der Post konnten deutlich zulegen. Konkurrent DPD hatte etwa jüngst angekündigt, seinen Umsatz binnen fünf Jahren verdoppeln zu wollen. Appel ist zudem zuversichtlich, Wettbewerbern Marktanteile abjagen zu können. Der US-Riese Fedex sei weiter mit der Integration des Milliardenzukaufs TNT beschäftigt, UPS wolle vor allem profitabler arbeiten. Auch schwinde bei der Post die Bedeutung des Onlineriesen Amazon. Dessen Umsatzanteil liege trotz gestiegener Erlöse weiter bei rund 2 Prozent - andere Kunden legten also zu.

Die großen Logistikkonzerne spielen mit ihren weltweiten Netzwerken zudem eine Schlüsselrolle bei der Verteilung der Corona-Impfstoffe. DHL Express beliefert neben zahlreichen Ländern in Europa unter anderem auch Israel und Japan mit Impfstoffen. In Europa würden die Impfstoffsendungen wohl 2021 auslaufen, in andere Teile der Welt auch im kommenden Jahr andauern, sagte Appel.

ak/Reuters