Transportwege wegen Corona-Mutation gekappt Paketdienste verschicken keine Pakete mehr nach Großbritannien

Die EU macht die Grenzen zu Großbritannien dicht - das trifft auch die deutsche Wirtschaft. So haben Deutsche Post, Hermes und Co. am Montag angekündigt, keine Sendungen nach Großbritannien mehr anzunehmen. Und die deutsche Autoindustrie fürchtet um ihre Bauteile.
Nichts geht mehr: Lkw stehen Schlange vor dem Hafen in Dover

Nichts geht mehr: Lkw stehen Schlange vor dem Hafen in Dover

Foto: Gareth Fuller / dpa

Die Paketdienste in Deutschland nehmen wegen der unterbrochenen Verkehrswege keine Paketsendungen nach Großbritannien und Irland mehr an. Der Eurotunnel für den Reise- und Güterverkehr sei derzeit geschlossen und werde das für voraussichtlich mindestens 48 Stunden bleiben, teilte ein Sprecher der Deutschen Post DHL am Montag mit. Gleiches gelte für die Fährhäfen.

Von der Unterbrechung der Verkehrsverbindungen seien auch die Transportwege nach Irland, auf die Kanalinseln und auf die Isle of Man betroffen, sagte der Post-Sprecher. Frankreich und andere EU-Staaten haben wegen der raschen Ausbreitung der neuen Corona-Variante die Grenzen zum Vereinigten Königreich geschlossen. Damit können Lastwagen nicht mehr über den Ärmelkanal setzen.

"Aus diesem Grund sind wir leider gezwungen, ab sofort bis auf Weiteres einen vollständigen Einlieferstopp für den Versand von Geschäfts- und Privatkundenpaketen sowie von warentragenden Briefsendungen nach Großbritannien und Irland zu verhängen", sagte der Sprecher. Briefe und Postkarten nach Großbritannien und Irland seien von dieser Maßnahme bis auf Weiteres nicht betroffen.

Auch Hermes, GLS und DPD liefern nicht

Auch andere Paketdienste haben den Transport nach Großbritannien eingestellt. Bei Hermes gilt das zunächst bis Weihnachten. "In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob und wann wir wieder transportieren können", teilte ein Sprecher von Hermes mit. Auch GLS und DPD nehmen derzeit keine Sendungen ins Vereinigte Königreich an.

Die Deutsche Post wird Sendungen mit Wareninhalt und Sperrgüter mangels Lagerkapazitäten wieder an die Absender zurücksenden. Das betreffe unter Umständen Sendungen, die über das Wochenende eingeliefert worden seien, teilte der Post-Sprecher weiter mit.

Die in Großbritannien aufgetauchte Variante von SARS-CoV-19 ist nach Schätzungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bis zu 70 Prozent ansteckender als die Standardvariante. "Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Infektionsschwere im Zusammenhang mit der neuen Variante", hieß es in einer Mitteilung am Montag. Fälle mit der bereits seit Wochen umlaufenden neuen Variante sind auch in mehreren Staaten außerhalb Großbritanniens gemeldet worden.

Autobauer bangen um Bauteile aus Großbritannien

Auch die deutsche Autoindustrie ist von den unterbrochenen Transportwegen nach Großbritannien betroffen. So mahnte der Verband der Automobilindustrie (VDA), dass möglichst bald wieder Waren zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland ausgetauscht werden müssen. "Bauteile sind nicht ansteckend und werden gebraucht, damit die Produktion und Versorgung nicht zum Erliegen kommt", warnte der VDA am Montag. "Die Unternehmen in der Industrie haben meist nur einen Lagerbestand von wenigen Tagen, danach ist Stopp. Das gefährdet Jobs und die Versorgung."

"Die Einreisebeschränkungen von und nach Großbritannien haben enorme wirtschaftliche Auswirkungen", hieß es beim VDA. Großbritannien ist der wichtigste Exportmarkt für deutsche Autos, viele Branchenunternehmen produzieren auch dort. "Viele Bauteile aus der deutschen Zulieferindustrie passieren mehrfach den Ärmelkanal, bevor das Fahrzeug fertig ist", erklärte der Verband. Er mahnte auch an, die Lastwagenfahrer im Grenzstau über Weihnachten gut zu versorgen.

Frankreichs Lkw-Einreiseverbot für Großbritannien "überraschend"

Die britische Regierung zeigt sich unterdessen überrascht von dem französischen Einreiseverbot für Lastwagen aus Großbritannien. Die Maßnahme wegen der raschen Ausbreitung einer neuen Coronavirus-Variante sei "etwas überraschend" gewesen, sagte Transportminister Grant Shapps (52) am Montag dem Sender Sky News. Die Regierung habe aber sofort reagiert, betonte Shapps. So soll noch am Montag der ehemalige Flughafen Manston in der Grafschaft Kent als Lastwagenparkplatz geöffnet werden.

Die Verwaltung von Kent setzte zudem Pläne in Kraft, die für den Fall eines Brexits ohne Handelsabkommen vorbereitet worden waren. Unter anderem dürfen Lastwagen auf der wichtigen Autobahn zwischen London und dem Hafen Dover sowie dem Eurotunnel nun auf dem Seitenstreifen parken.

Shapps betonte, der Eurotunnel mache etwa 20 Prozent des Warenverkehrs zwischen dem Festland und Großbritannien aus. "Aber das ist nicht der Hauptanteil. Die meisten Waren kommen in unbegleiteten Behältern herein, und diese werden weiter ins Land kommen." Fragen nach möglichen Engpässen wich Shapps aus. "Natürlich möchten wir nicht, dass diese Verbindungen zu lange geschlossen werden, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass sie geschlossen und unterbrochen werden", sagte der Minister. "Kurzfristig ist dies kein besonderes Problem. Aber der Schlüssel ist natürlich, das zu lösen."

mg/dpa-afx
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